DiskussionsrundeBewerber um einen Parlamentssitz treffen sich mit Schülern

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Nümbrecht/Gummersbach – Ihre Stimme dürfen sie bei der Bundestagswahl am Sonntag zwar nicht abgeben – doch die Sekundarschüler von Nümbrecht wollen trotzdem wissen, was die oberbergischen Kandidaten zu sagen haben. Gestern haben sie sich die Bewerber um einen Parlamentssitz zu einer Podiumsdiskussion in ihre Schule geholt. Danach waren die Politiker noch im Gummersbacher Lindengymnasium zu Gast.

Nach der Landtagswahl im Mai führt die Nümbrechter Sekundarschule heute und morgen zum zweiten Mal eine sogenannte Juniorwahl durch. Die simulierte Wahl findet bundesweit an vielen Schulen statt – und anders als bei der echten Wahl ist dabei durchaus das Votum der Jugendlichen gefragt. Bei der Aktion geht es darum, den Schülern politische Entscheidungsprozesse und die Programme der Parteien zu vermitteln, erklärt Sozialwissenschaftslehrer Marc Giffhorn: „Denn unsere Schüler sind interessiert – nicht so sehr an Parteienpolitik, aber durchaus am politischen Geschehen. Krawalle beim G20-Gipfel oder die Krise in Nordkorea werden auf dem Schulhof und in der Pausenhalle besprochen.“

Trotz komplexer Themen halten die Jugendlichen durch

Lehrer Giffhorn leitet die Diskussion und stellt den Kandidaten die Fragen, die er und Kollegen mit den Schülern der Klasse 8 und 10 im Unterricht erarbeitet haben – die Neuner sind wegen einer Praktikumsphase nicht dabei. Eine Stunde lang geht’s um Kinderrechte, demografischen Wandel, Bildung und Europa. Teilweise schwierige Materie, aber die 14- bis 16-Jährigen halten eine Stunde lang durch – auch wenn vielen bei Begriffen wie Bruttoinlandsprodukt, Bildungsföderalismus und Lobbyismus Fragezeichen auf der Stirn stehen. Nach der Diskussion zeigt sich die 16-Jährige Roxana zufrieden: „Ich fand’s interessant, die unterschiedlichen Meinungen zu hören. Einige Punkte waren mir tatsächlich neu.“

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Keine Stunde später sitzen die oberbergischen Kandidaten schon im Gummersbacher Theater und mit ihnen rund 600 Gymnasiasten der Klassen 9 bis 12. Für die Oberstufenschüler des Lindengymnasiums ist die Teilnahme Pflicht – was nicht allen gefällt. Einige haben sich zurückgelehnt und die Augen geschlossen, während es auf dem Podium um Bildung, Bürgerbeteiligung und Integration geht.

Schüler hinterfragen die Positionen der Politiker

Yvonne Pickhardt aus der Stufe 12 hat die Diskussion gemeinsam mit einer Mitschülerin und der Lehrerin Gisela Mengelberg organisiert. Und obwohl der Tag in allen Klassen vorbereitet wurde, weiß die 19-Jährige, dass nicht alle Mitschüler ihr Interesse an der Bundespolitik teilen. „Natürlich dürfen nur die wenigsten von uns bereits am Sonntag wählen – aber ich halte es für so wichtig, sich trotzdem mit der Politik auseinanderzusetzen.“ Denn jeder, der es nicht tue, unterstütze – wenn auch ungewollt – die Rechtspopulisten, meint die Schülerin.

Die Moderatoren Cheyenne Helther und Felix Rajski aus der Stufe 11 lassen ihre Mitschüler nach jedem Themenkomplex Fragen stellen. Mehrere Schüler haken bei den Politikern nach, hinterfragen ihre Positionen. Eine Schülerin will wissen, warum man den Bundestag denn nicht schon mit 16 Jahren wählen darf – schließlich müsse die junge Generation mit den Entscheidungen der Bundespolitik am längsten leben.

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