Interview

Handballer
Julian Köster freut sich auf die Olympischen Spiele

Lesezeit 5 Minuten
Mit einem breiten Lachen nimmt Julian Köster den Ball entgegen.

Julian Köster, Kapitän des VfL Gummersbach, hat nun vier Wochen Pause vom Mannschaftstraining, ehe er mit der Nationalmannschaft in die Vorbereitung auf die Olympischen Spiele startet.

Der Kapitän des Bundesligisten VfL Gummersbach blickt im Interview auf eine erfolgreiche Saison zurück, die auf Rang sechs endete. 

Im zweiten Jahr nach dem Wiederaufstieg endet die Saison für den VfL Gummersbach auf Platz sechs und das bedeutet, dass der Handball-Bundesligist in der kommenden Saison in der EHF European League spielen kann. Die Begeisterung für die Mannschaft ist riesengroß und die Schwalbe-Arena war zuletzt 13-mal in Folge ausverkauft. Einer, der großen Anteil am Erfolg hat, ist VfL-Kapitän Julian Köster, der auch in der deutschen Nationalmannschaft zu den Leistungsträgern gehört. Andrea Knitter sprach mit ihm über die abgelaufene Saison und die anstehenden Olympischen Spiele.

Den THW Kiel mit 40:29 geschlagen, in Flensburg mit 34:28 gewonnen und zum Abschluss noch ein Sieg gegen Frisch Auf Göppingen – ist es nicht schade, dass die Saison jetzt endet?

Julian Köster: Nein, ich glaube alle freuen sich auf die Sommerpause, auch wenn es momentan viel Spaß macht und die Ergebnisse stimmen.

Wo geht es für Sie hin?

Nach Korfu in die Sonne, die es hier in Deutschland ja im Moment nicht so viel gibt.

Wie lange dauert die Pause für Sie?

Ganz ohne Sport ist die Pause nicht, denn wir bekommen individuelle Trainingspläne mit. Ich habe aber vier Wochen kein Mannschaftstraining, ehe am 30. Juni die Vorbereitung mit der Nationalmannschaft auf die Olympischen Spiele beginnt.

Hätten Sie vor dem Start in die Saison gedacht, dass der VfL am Ende auf Platz sechs steht und für eine solche Begeisterung sorgt?

Ich hätte nie gedacht, dass wir sogar noch die Chancen hatten, Fünfter zu werden in einer solch starken und ausgeglichenen Liga. Dabei hatten wir mit 3:7-Punkten nicht den optimalen Saisonstart. Die Entwicklung spricht für die tägliche Arbeit, die wir hier leisten.

Gab es in der Saison eine Art Schlüsselmoment?

Ein Unterschied zur vorherigen Saison war, dass wir viel besser aus der Winterpause herausgekommen sind. Wir haben trotz guten Spiels zwar knapp im Pokal bei den Füchsen Berlin und in der Bundesliga in Hannover verloren. Wir haben anschließend aber nach dem Sieg in Eisenach eine Art Flow erwischt und enge Spiele für uns entscheiden können.

Was macht den VfL Gummersbach so stark?

Das ist die starke und vor allem flexible Abwehr vor guten Torhütern und das schnelle Umschaltspiel. Unsere Spiele sind häufig sehr torreich, da wir ein hohes Tempospiel haben und so viele Angriffe, aber auch viele Abwehraktionen haben.

Mit der Partie gegen Göppingen endete am Sonntag die Saison.Bevor die nächste startet, stehen für Sie die Olympischen Spiele in Paris an. Was bedeutet das für Sie?

Es ist ein Kindheitstraum. Wenn   die Spiele waren, lief bei uns zu Hause der Fernseher nonstop. Ich habe alle Sportarten verfolgt, besonders natürlich aber Handball. Es ist unglaublich, die Chance zu haben, daran teilzunehmen.

Worauf freuen Sie sich am meisten, nachdem feststeht, dass die Vorrunde der Handballer in Paris und nicht in Lille ausgetragen wird und Sie im Olympischen Dorf wohnen werden?

Mitspieler aus der Nationalmannschaft haben mir berichtet, dass es besonders in der Mensa spannend ist. Dort kommen alle Athleten zusammen, um zu essen. Ich hoffe, dort viele verschiedene Persönlichkeiten zu treffen und kennenlernen zu können.

In der Vorrunde in Paris treffen sie mit Kristjan Horzen und Tilen Kodrin, die für Slowenien spielen, auf zwei Mannschaftskollegen.

Das wird ein heißes Duell.

Sie haben sich in der Nationalmannschaft immer mehr nach vorne gespielt, sind eins der Gesichter des Teams. Wie gehen Sie mit dem gestiegenen öffentlichen Interesse um? Wenn es beispielsweise sehr wichtig wird, wer Ihre Freundin ist?

Generell muss ich sagen, dass das öffentliche Interesse unterschiedliche Phasen hat. Grade im Januar, wenn ein Großturnier ansteht, ist das Medieninteresse natürlich groß. Besonders natürlich zuletzt bei der Heim-Europameisterschaft. Ich freue mich dann, wenn der Handball die Aufmerksamkeit bekommt, die er meiner Meinung nach verdient.

Je besser Sie werden, desto mehr geht in Gummersbach die Angst um, dass Sie den VfL verlassen. Nächste Saison werden Sie aber noch dabei sein, oder?

Ich habe nicht ohne Grund meinen Vertrag bis 2026 verlängert. Als ich 2020 gekommen bin, haben wir in der Zweiten Liga den Aufstieg verspielt, jetzt beenden wir zwei Jahre nach dem Aufstieg die Saison in der Bundesliga auf Platz sechs. Das ist eine tolle Entwicklung, die der Verein und wir als Mannschaft genommen haben.

Kommen Sie bei all den Spielen, Lehrgängen und Terminen noch zum Studieren? Sie sind einer der wenigen Profisportler, die in Präsenz studieren und nicht an der Fern-Universität.

Ich habe im vergangenen Jahr meinen Bachelor in BWL gemacht. Ich bin jetzt im Masterstudiengang an der Universität Köln eingeschrieben. Es ist aber momentan schwieriger, vor Ort anwesend zu sein.

Werden Sie an der Uni Köln oft erkannt?

Nach der EM, als das   Medieninteresse groß war, bin ich ab und zu mal in Köln angesprochen worden. Das hat mittlerweile abgenommen. In Köln dreht sich der Sport mehr um den Fußball und da vor allem um den FC.

Wie wird die deutsche Handball-Nationalmannschaft bei Olympia abschneiden?

Da möchte ich keine Prognose machen. Wir müssen erstmal ins Turnier reinkommen.

Nachtmodus
Rundschau abonnieren