Charlotte Bee-Bayertz und Sandra Opitz sind das neue Duo an der Spitze des Kunstvereins Nümbrecht. Und sie haben einiges vor.
VorstandswechselNeustart beim Nümbrechter Kunstverein

Auch in ihrem Privathaus umgibt sich Charlotte Bee-Bayertz (r.) mit hochwertiger Kunst, hier Werke von Kira Hanusch. Diesen Standard will sie zusammen mit Sandra Opitz im „Haus der Kunst“ aufrecht erhalten.
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Die neue Vorsitzende wohnt nur ein paar Schritte weit entfernt vom „Haus der Kunst“. So nah, dass das Ausstellungsgebäude des Kunstvereins in das Privathaus von Charlotte Bee-Bayertz hineinzuwirken scheint, ein malerischer Altbau im Ortszentrum. Im Hausflur hängen Arbeiten von Kira Hanusch und anderen Künstlern, die in Nümbrecht zu Gast waren.
„Leider nicht von Katharina Grosse“, sagt Bee-Bayertz und lacht. Grosse hat 1995 im „Haus der Kunst“ ausgestellt und ist heute ein internationaler Star. Ihre Arbeiten haben dementsprechend eine hübsche Wertsteigerung erlebt.
In Nümbrecht gilt ein gewisser Anspruch
Nun ist die neue Vorsitzende des Kunstvereins Nümbrecht keine Spekulantin. Sie hat aber von ihrer Vorgängerin Birgit Ludwig-Weber einen hohen Anspruch übernommen und will weiterhin vorrangig Künstler ausstellen, die aufgrund ihrer akademischen Ausbildung eine besondere Perspektive haben. „Das ist in gewisser Weise ein Garant für Qualität. Der Kunstverein ist dazu da, Leute zu fördern, die von der Kunst leben müssen.“
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Dennoch könne das „Haus der Kunst“ daneben auch Hobbykreativen ein Forum bieten, sagt Sandra Opitz, die als stellvertretende Vorsitzende eingestiegen ist. Der Kunstverein wolle ja nicht elitärer werden, sondern sich öffnen und junge Leute erreichen. Die Künstler sollen stärker als Kunstvermittler eingebunden werden. Überhaupt möchte das neue Vorstandsduo die Kunstpädagogik stärken.
Kein Wunder, Charlotte Bee-Bayertz (47) ist seit 20 Jahren Kunstlehrerin am Homburgischen Gymnasium. Ihr zur Seite steht mit Sandra Opitz (46) eine Mitarbeiterin der Wirtschaftsförderung in der Gemeindeverwaltung, eine Neuoberbergerin aus Hannover. Die eine hat den Kunstverstand, die andere das Organisationstalent.
Nachfolge wurde in Nümbrecht früh geregelt
Bee-Bayertz sagt: „Wir ergänzen uns.“ Seit zweieinhalb Monaten sind die beiden im Amt, zusammengebracht wurde das Duo noch von der im November ausgeschiedenen, langjährigen Vereinsvorsitzenden Ludwig-Weber.
Diese habe ihre Nachfolge sehr gezielt geregelt, verrät Bee-Bayertz. „Kurz vor Corona kam sie auf mich zu und sagte: Du übernimmst den Kunstverein.“ Es fügt sich, dass Ehemann Georg als Technischer Leiter des Ausstellungsbetriebs ebenfalls eine wichtige Rolle im Vorstand spielt.
Charlotte Bee-Bayertz beobachtet, dass sich die Stellung der Kunst im ländlichen Raum zügig wandelt. Die verlässliche Kundschaft des Bildungsbürgertums verschwindet. „Die Kunst ist kein Selbstläufer mehr.“ Die Gesellschaft sehe nicht mehr den Sinn der Kunst, obwohl sie ein Mittel gegen die Krise der Demokratie sei, bedauert die Kunstlehrerin. „Das bildet sich auch in den schulischen Lehrplänen ab.“
Doch die beiden Frauen an der Spitze des Kunstvereins nehmen die Herausforderung an. Opitz will den Kunstverein „digitaler, visueller und interaktiver“ machen. Mit Interesse beobachten die beiden den Erfolg von populären Kunstevents in Köln. Bee-Bayertz ist bewusst, wie schwierig der Spagat ist zwischen Publikumserfolg und Bildungsauftrag. Sie will aber alle Mittel prüfen, mit denen der Verein dem Verlust an Kultur entgegen wirken kann, und berichtet, dass der neue Nümbrechter Bürgermeister Thomas Hellbusch bereits Unterstützung signalisiert hat.
Hoffnung gibt ihr auch, dass sie drei Schüler als neue Mitglieder akquirieren konnte, einer will sich um den Social-Media-Auftritt kümmern. Weitere neue Mitstreiter sind willkommen. Ein Rückzug ist jedenfalls nicht vorgesehen, der Kunstverein will bald mehr als vier Ausstellungen pro Jahr ins „Haus der Kunst“ holen. Bee-Bayertz und Opitz wissen, dass sie ein wertvolles Vermächtnis weiterführen und möchten irgendwann auch eine Ausstellung der mehr als 40-jährigen Geschichte des Kunstvereins selbst widmen. Auch dafür hat ihre Vorgängerin Vorsorge getroffen, freut sich Charlotte Bee-Bayertz: „Birgit Ludwig-Weber hat alles archiviert.“
Das Jahresprogramm
Der Kunstverein Nümbrecht startet sein Jahresprogramm mit einer Ausstellung der Bergisch Gladbacher Künstlerin Jutta Dunkel unter dem Titel „Unstet“. Eröffnet wird sie am Sonntag, 22. Februar, 15 Uhr. Weitere Ausstellungen im „Haus der Kunst“ widmen sich ab 19. April den fotografischen Werken von Victor Hübner unter dem Titel „The Americans / Met“ und ab 6. September den drei Künstlerinnen Sabine Helsper-Müller, Doris Kamlage und Rike Stausberg. Vom 8. November an sind dann Malerei und Plastiken von Jeanette de Payebrune zu sehen unter dem Titel „Fluide Resilienz“.
Außerdem steht am 1. März eine Tagesfahrt ins Münsteraner Picasso-Museum auf dem Programmplan. Dort wird die Ausstellung „The Blue Guitar – David Hockney trifft Pablo Picasso“ besichtigt. Am 20. Juni sind die Mitglieder eingeladen zu einem Atelierbesuch bei Susanne Delavera in Gummersbach.

