Das Wiehler Traditionshaus bekommt im Herbst einen neuen Betreiber, aber die Stadt betont: Der Betrieb geht weiter.
BetreiberwechselFür das Wiehler Waldhotel beginnt eine neue Ära

Im September gibt Fatima Bollow (58) die Leitung des Waldhotels Tropfsteinhöhle ab. Ein Nachfolger wird noch gesucht.
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Es ist ein Wiehler Traditionshaus von großer Bedeutung für den Tourismus. Darum hat die Stadt Wiehl als Eigentümer des Gebäudes am Dienstag eigens eine Pressekonferenz einberufen, um den Wechsel in der Leitung anzukündigen. Ende September hört Fatima Bollow auf, ein neuer Betreiber wird noch gesucht. Die Stadt betont aber: Der Betrieb geht weiter.
Gasthaus an der Wiehler Tropfsteinhöhle seit 1929
Die Wiehler Tropfsteinhöhle wurde bereits 1860 bei Sprengungen für einen Kalksteinbruch entdeckt, aber erst mehr als 60 Jahre später im Zuge einer Arbeitsbeschaffungsmaßnahme erschlossen und am 4. August 1927 für die Öffentlichkeit eröffnet. Die Schauhöhle wird also im kommenden Jahr 100 Jahre alt. Das erste Gasthaus ist zwei Jahre später entstanden und steht noch heute. Der erste Saal angrenzend an den Altbau kam Anfang der 50er Jahre dazu. Der größte Teil des Komplexes, das heutige Hotel, stammt von 1982. Zur Ausstattung gehören zwei Kegelbahnen, eine Sauna, ein (derzeit stillgelegtes) Schwimmbad – und die Tropfsteinhöhle. Das Grundstück gehört übrigens der evangelischen Kirchengemeinde und ist bis 2069 an die Stadt verpachtet.
Bis 1963 wurde das Waldhotel von den Eheleuten Eckelmann, von 1969 an vom Ehepaar Hartmann betrieben. 1984 trat die gebürtige Portugiesin Fatima Bollow dort ihre Ausbildung an und lernte in einem Mitlehrling ihren späteren Ehemann Uwe kennen. 42 Jahre lang war sie hier beschäftigt, nahezu ihr ganzes Berufsleben lang. 2011 übernahmen die Bollows dann die Leitung des Waldhotels und modernisierten die Zimmer.
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Ich liebe diesen Beruf und habe so viel Herzblut in das Hotel gesteckt.
2022 dann der Einschnitt: Uwe Bollow starb nach schwerer Krankheit. Ehefrau Fatima führte das Haus allein weiter, eine Anstrengung, die sie schließlich an ihre Grenzen brachte. „Ich bin an jedem Morgen die Erste, die mit der Arbeit beginnt, und abends die Letzte, die geht“, sagt Fatima Bollow. Darum habe sie das Auslaufen ihres Pachtvertrags zum Anlass genommen, das Haus abzugeben. „Das fällt mir nicht leicht“, sagt die Gastronomin. „Ich liebe diesen Beruf und habe so viel Herzblut in das Hotel gesteckt.“
In den Spitzenzeiten beschäftigt Fatima Bollow in Hotel, Restaurant und Höhle rund 30 Kräfte. Diese informierte sie am Montag als erstes über ihren bevorstehenden Abschied, der nicht das Ende des Waldhotels sein soll. „Es mir ein großes Anliegen, dass es weitergeführt wird“, betont die Wirtin. Sie will in Wiehl wohnen bleiben.
Dass sich das Waldhotel und sein Restaurant einer treuen Kundschaft erfreuen, sei Verdienst der scheidenden Betreiberin, betont Bürgermeister Ulrich Stücker. Den Wechsel mache man frühzeitig öffentlich, um negativen Gerüchten vorzubeugen. Die Gastronomie sei bekanntlich „ein zartes Pflänzchen“.
Damit es zu einem zügigen Übergang kommt, hat sich die Stadt der Unterstützung eines Fachberaters des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes versichert. Dieser sei optimistisch, bald einen neuen Pächter zu finden. Zum attraktiven Umfeld zähle neben der Höhle ja auch der Wildpark, merkt der städtische Beigeordnete Peter Madel an. Der Zeitpunkt sei günstig, da die Gastronomie nun wieder von einem niedrigen Mehrwertsteuersatz profitiere. Das Hotel sei in einem modernen Zustand, die Stadt prüfe dennoch, ob es weiteren Renovierungsbedarf gibt.

