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Besucherekord, seltene ArtenWarum der Nationalpark Eifel weiterhin so beliebt ist

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Das Tier hat Zangen wie ein Skorpion, aber einen runden Hinterleib.

Erkundet als blinder Passagier auf Fluginsekten neue Lebensräume: Der seltene Pseudoskorpion (Dendrochernes cyrneus) wurde im 2025 erstmals im Nationalpark Eifel nachgewiesen.

Die Nationalparkverwaltung hat den Jahresbericht erstmals in ihrem neuen Gebäude in Gemünd vorgelegt. Er verzeichnet wieder mehr Besucher.

Nationalpark-Chef Michael Lammertz war die Freude anzusehen: „Wir sind jetzt seit gut einer Woche hier im neuen Verwaltungsgebäude. Es ist wirklich sehr schön, mit allen Mitarbeitenden unter einem Dach zu sein.“ Während draußen noch an neuen Parkplätzen und den Außenanlagen gearbeitet wird, haben sich die Mitarbeiter der Nationalparkverwaltung Eifel bereits in ihren neuen Büros eingelebt. „Wir sind total happy, dass alles so gut geklappt hat“, so Lammertz.

Damit dürfte sich auch die Stimmung in der Nachbarschaft wieder verbessert haben. Denn als Anfang des vergangenen Jahres mit dem Abriss des alten Forstamtsgebäudes aus dem Jahr 1949 begonnen worden war, gab es auch etliche kritische Stimmen. „Ich wohne auch selbst hier an der Urftseestraße, und inzwischen hat mir eine Nachbarin gesagt, dass der Neubau ja eigentlich doch sehr schön geworden sei“, berichtet der Chef der Nationalparkverwaltung.

Vor einem Gebäude aus Holz wird mit einem Bagger am der Zufahrt gearbeitet.

An der Stelle des alten Forstamtsgebäudes aus dem Jahr 1949 ist an der Urftseestraße in Gemünd ein moderner Zweckbau in Modulbauweise entstanden, in dem die Nationalparkverwaltung Eifel nun ihren Sitz hat.

Das Bild zeigt Ignaz Berens, Dr. Christa Lang, Annette Simantke, Michael Lammertz und Tobias Wiesen, die jeweils ein Exemplar des Jahresberichts halten.

Das Team um Nationalpark-Chef Michael Lammertz (2.v.r.) bei der Vorstellung des Jahresberichts.

Der aus 26 Einzelmodulen zusammengesetzte Zweckbau bietet insgesamt 712 Quadratmeter Bürofläche auf zwei Etagen. Die vorgefertigten Module wurden von einer Firma aus Ostwestfalen in Holzbauweise hergestellt. „198 Kubikmeter Nadelholz aus nordrhein-westfälischen Wäldern wurden dafür verwendet. Die Fassadenverkleidung besteht aus Lärchenholz“, so Lammertz weiter. 

Nachhaltigkeit wurde auch bei weiteren Details großgeschrieben: „Die Dämmung besteht aus Holzwolle. Und wir achten auf einen geringen Stromverbrauch durch sparsame LED-Beleuchtung, die aus der eigenen PV-Anlage gespeist wird“, berichtet Lammertz. „Insgesamt 213 Tonnen Kohlenstoff werden durch die Verwendung des Baustoffs Holz im Gebäude gespeichert – mit dieser Energiemenge könnte man die Erde rund 35-mal mit dem Auto umrunden“, hat er ausgerechnet. 

Insgesamt 213 Tonnen Kohlenstoff werden durch die Verwendung des Baustoffs Holz im Gebäude gespeichert.
Nationalpark-Chef Michael Lammertz

Die Baukosten in Höhe von 2,5 Millionen Euro sollen über Wiederaufbaumittel des Landes NRW finanziert werden. Trotzdem spricht Lammertz von einer Übergangslösung: „Die Module können mit geringem Aufwand an anderer Stelle wiederverwendet werden. Damit hält sich das Land NRW die Option offen, die Nationalparkverwaltung an einem anderen Standort zu installieren.“

Seit Jahren wird über einen Umzug nach Vogelsang diskutiert – eine Entscheidung dazu steht aber auch mehr als 20 Jahre nach der Gründung des Nationalparks immer noch aus. Anlass für den ersten offiziellen Termin im Tagungsraum der neuen Nationalparkverwaltung an der Urftseestraße war die Vorstellung des aktuellen Jahresberichts.

Nationalpark Eifel steht weit oben in der Gunst der Besucher

Dabei zeigte sich, dass der erste und bislang einzige NRW-Nationalpark weiterhin ganz weit oben in der Gunst der Besucher steht: Mit insgesamt 1.418.490 Besuchen wurde im Jahr 2025 sogar der bisherige Rekord aus dem Jahr 2024 noch einmal um etwa 17.000 Besuche übertroffen. „Allein an den 1261 organisierten Umweltbildungs- und Naturerlebnisveranstaltungen nahmen im vergangenen Jahr mehr als 22.300 Personen teil“, heißt es im Bericht für das Jahr 2025.

Dass der Nationalpark Eifel nicht nur wichtig ist für den Tourismus in der Region, sondern auch ein echtes Aushängeschild für den Naturschutz in Nordrhein-Westfalen, belegen die weiteren Zahlen im aktuellen Jahresbericht: Inzwischen sind demnach in dem Großschutzgebiet 11.582 verschiedene Tier- und Pflanzenarten nachgewiesen, von denen 2638 auf den Roten Listen stehen.

157 Arten wurden erstmals im Schutzgebiet dokumentiert

Allein im Jahr 2025 konnten Forscherinnen und Forscher im Nationalpark weitere 157 Arten erstmals dokumentieren. „Viele dieser Arten sind auf Wälder mit Alt- und Totholz angewiesen. Sie sind der lebende Beweis dafür, dass die zunehmende Strukturvielfalt im Nationalpark den benötigten Lebensraum für bedrohte Spezialisten schafft“, erklärte Dr. Christa Lang, Leiterin des Fachgebiets Forschung und Dokumentation: „Ein Beispiel dafür ist die Faulholzmotte, die sich nur in verrottendem Totholz entwickeln kann, oder der Schmetterling Weißes Ordensband, der in NRW sehr selten ist und als Indikator für alte Eichenwälder gilt.“

Wir sind ein Entwicklungsnationalpark, daher sind solche Eingriffe derzeit noch zulässig.
Michael Lammertz

Wo es notwendig ist, unterstützt die Nationalparkverwaltung die Entwicklung der heimischen Lebensräume. „Wir sind ein Entwicklungsnationalpark, daher sind solche Eingriffe derzeit noch zulässig“, so Lammertz. Eine zentrale Maßnahme ist dabei das Pflanzen von Laubbäumen unter alte Fichtenwälder, die in der Eifel von Natur aus nicht heimisch sind.

„Um den genetisch passenden Nachwuchs zu sichern, ernten wir das Saatgut über Sammelnetze direkt unter den Altbäumen des Nationalparks“, berichtet Ignaz Berens, Leiter des Nationalpark-Bezirks Wahlerscheid, der gleichzeitig auch Saatgutbeauftragter des Nationalparks ist.

Junge Bäume steigern die Artenvielfalt

Nach zweijähriger Aufzucht in einer spezialisierten Baumschule folgt im Herbst das Einpflanzen von circa 27.000 jungen Buchen. 2025 wurden auch erstmals junge Bergahornpflanzen eingesetzt, um diese ebenfalls natürlich in der Nordeifel vorkommende Baumart zu ergänzen und die Artenvielfalt zu steigern.

„Wer sich auskennt, weiß, dass man Ahornsamen nicht so leicht wie Bucheckern aufsammeln kann“, so Berens weiter: „Denn die Samen werden vom Wind fortgetragen.“ Deshalb habe man die Ahornsamen vor zwei Jahren „grün“ geerntet und unter kontrollierten Bedingungen nachreifen lassen.


Im Totholz des Nationalparks Eifel werden neue Arten entdeckt

Zu den 157 Arten, die im Jahr 2025 erstmals im Nationalpark Eifel dokumentiert werden konnten, gehören auch einige ausgemachte Spezialisten. Der seltene Pseudoskorpion Dendrochernes cyrneus beispielsweise hat die Bohrlöcher von Borkenkäfern und anderen Insekten zu seinem Lebensraum erkoren. Das nur wenige Millimeter große Tier ist außerdem nicht besonders gut zu Fuß: Als „blinder Passagier“ nutzt es die Flugfähigkeit der Käfer, um sich im Wald auszubreiten.

Das Tier hat Zangen wie ein Skorpion, aber einen runden Hinterleib.

Erkundet als blinder Passagier auf Fluginsekten neue Lebensräume: Der seltene Pseudoskorpion (Dendrochernes cyrneus) wurde im 2025 erstmals im Nationalpark Eifel nachgewiesen.

Das Insekt zeigt eine schwarz-gelbe Zeichnung.

Sie liebt verpilztes Holz: Die Faulholzmotte (Schiffermuelleria schaeferella) ist nur dort zu finden, wo es ein kontinuierliches Angebot an liegendem und stehendem Totholz gibt, das bereits stark zersetzt ist.

An einem Brett wächst ein schwammartiger Pilz.

Der Scheinbuchen-Fadenstachelpilz wächst auf abgestorbenen und morschen Stämmen und Ästen von Buchen. Im Nationalpark Eifel wurde er vier Mal nachgewiesen.

Als klassischer Altwaldzeiger gilt die Faulholzmotte (lat. Schiffermuelleria schaeferella). „Sie ist nur dort zu finden, wo es ein kontinuierliches Angebot an liegendem und stehendem Totholz gibt, das bereits stark zersetzt ist“, erklärt Dr. Christa Lang. Der Totholzanteil ist in den Nationalpark-Wäldern in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen: „2013 hatten wir rund 20,4 Kubikmeter je Hektar, 2023 bereits 75 Kubikmeter“, so Lang. Allerdings macht die Fichte rund 80 Prozent des Totholzes aus. „Wir hätten gerne mehr Totholz bei anderen Baumarten, was auch der Artenvielfalt weiter nutzen würde“, so Lang.

So gebe es zum Beispiel Pilzarten, die sich auf das Zersetzen von Buchen- oder Eichenholz spezialisiert haben. Mycoacia nothofagi Fagus, der Scheinbuchen-Fadenstachelpilz, ist ein wichtiger Zersetzer von Totholz und wächst ganzjährig in abgestorbenen und morschen Stämmen und Ästen von Buchen. Im Nationalpark Eifel wurde er bislang vier Mal nachgewiesen, davon drei Mal in Bereichen, die bereits seit etwa 50 Jahren aus der wirtschaftlichen Nutzung herausgefallen sind.  


Der Nationalpark hat ein neues Logo

Der Jahresbericht 2025 ist die erste Publikation des Nationalparks Eifel, die von einem neuen Logo geschmückt wird. „Wir haben ein neues Corporate Design umgesetzt“, erklärt Tobias Wiesen, der das Fachgebiet Besuchermanagement und Kommunikation leitet: „Dabei haben wir uns an den Vorgaben unseres Dachverbands orientiert.“ Das bekannte Signet mit Sonne, Wald und Wasser wird nun in einem Kreis dargestellt. Als zweites Symbol kommt eine gelb-blaue Korkade hinzu.