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Herrliche AnekdotenFrühere Postboten aus Wipperfürth trafen sich zum 25. Kegelabend

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Blick auf zwölf Männer auf einer Kegelbahn.

Sie haben Wipperfürth mit Briefen versorgt: Die ehemaligen Landzusteller halten nach wie vor freundschaftlichen Kontakt.

Einmal im Jahr treffen sich die ehemaligen Postboten aus Wipperfürth. Dann werden Anekdoten ausgetauscht, was das Zeug hält.

Immer, wenn das neue Jahr begonnen hat, warten sie auf seinen Anruf: Alfons Schmitz, ehemaliger Landzusteller bei der Wipperfürther Post, organisiert einmal im Jahr ein Treffen mit seinen ehemaligen Kollegen an der Kegelbahn. Am Anfang des Jahres ruft er alle an, wenige Wochen später treffen sie sich dann, um gemeinsam die Kugel rollen zu lassen. Dieses Jahr jährte sich das Kegeln der Ex-Postler zum 25. Mal.

Wipperfürther Jubiläumskegler trafen sich im Napoleon-Hotel

„Nachdem ich im Jahr 2000 in Rente gegangen bin, habe ich gedacht, es wäre zu schade, wenn wir uns jetzt nur noch auf den Beerdigungen treffen“, sagt Schmitz schmunzelnd: „Darum hab ich dieses Kegeln ins Leben gerufen.“ Das heißt, ganz neu war war die Idee nicht. „Wir hatten schon zu Dienstzeiten in der Zeit nach Weihnachten ein Kegeln mit den Kollegen. Das haben wir uns von den Trinkgeldern und Weihnachts- Präsentchen gegönnt“, erzählt Schmitz.

Das Jubiläumskegeln fand jetzt im Landhotel Napoleon in Wipperfürth-Lamsfuß statt. Reiner Braun, Otto Wingenbach, Willi Hungenberg, Willi Berghaus, Manfred Stever, Paul Schindler, Josef Kürten, Paul Rainer Wasserfuhr, Klaus Heider, Herbert Steinbach, Dieter Klein und Alfons Schmitz waren die Jubiläumskegler. 13 der ehemaligen Postkollegen sind bereits verstorben. Paul Schindler ist mit stolzen 91 Jahren der älteste der Truppe, dicht gefolgt von von Paul Wasserfuhr mit 90 Jahren.

Die Leute waren noch zu Hause und man hatte Kontakt zu ihnen, zum Beispiel wenn Nachnahme-Sendungen bezahlt wurden.
aus den Erinnerungen der Wipperfürther Postboten

Der Jüngste ist Manfred Stever mit 73 Jahren. Er hatte auch die weiteste Anreise aus der Nähe von Dormagen, alle anderen wohnen noch in und um Wipperfürth. Von allen Seiten kommt immer wieder: Es war eine schöne Zeit! „Die Leute waren noch zu Hause und man hatte Kontakt zu ihnen, zum Beispiel wenn Nachnahme-Sendungen bezahlt wurden“, erinnern sich die ehemaligen Zusteller.

In Erinnerungen zu schwelgen, gehört beim Kegeln dazu. Ein Schnäpschen an der Türe, welches es damals ab und an gab, habe sie auf den Beinen gehalten, erinnern sich die Postboten. Manch ein Kommunionkind, dem der Zusteller auch gratulieren wollte, habe schon an der Haustüre die zugeklebten Umschläge – die mit Geld – herausgefischt.

Geburtshilfe im Stall in Wipperfürth-Egen

Willi Hungenberg wurde in Egen einst zum Geburtshelfer im Stall. Da der Bauer unterwegs war, half der Zusteller der Bäuerin kurzerhand beim Ziehen am Kälbchen, aber als der Hausherr zurückkehrte scherzte der nur derbe: „Geh weg, wenn die Kuh sich umdreht, denkt sie, sie hat schon gekalbt.“

Oder diese Geschichte: Die Zusteller mussten regelmäßig zur Verkehrsschulung ins Wipperfürther Postamt. Gerade im Winter, nach dem frühen Aufstehen und mehreren Stunden laufen an der frischen Luft sei da der Kampf gegen die Müdigkeit zur Herausforderung geworden. Kollege Schmitz sei da einmal eingeschlafen. Als sein Sitznachbar ihn vorsichtig weckte antwortete er schlagfertig in Anspielung auf den Beamtenstatus: „Ach, das ist doch das Schlafzimmer vom Chef.“

Beendet wurden die Zustellrunden immer in der Gaststätte am Bahnhof, auch, um die Neuigkeiten untereinander auszutauschen – stets, bis der Frikadellen-Teller leer war. Die frohe Runde scherzt: „Aus diesem Kreis kommt man nur durch Sterben raus“. Hoffentlich können sie sich noch oft treffen.