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Bensberger leidet an BlutkrebsJeder Tag nach der Zeit im Hospiz wird zum Geschenk

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Bergisch Gladbach – Es erscheint ihm selbst wie ein Wunder. Und in der Tat ist Rüdiger Thomas in einer Verfassung, die im Mai wohl kaum jemand für möglich gehalten hätte. Damals wurde der 75-Jährige, bei dem vor vier Jahren eine seltene Form von Blutkrebs (Plasmozytom) diagnostiziert worden war, in das Hospiz im Vinzenz-Pallotti-Hospital in Bensberg gebracht. Nach einem schweren Schub seiner Krankheit war er bettlägerig, an Infusionen angeschlossen. Zu schwach, um zu essen und zu trinken, aber mit dem festen Willen, seinem Leben notfalls selbst ein Ende zu setzen.

Drei Monate später ist Thomas wieder zu Hause in Schildgen, etwas blass und schmal, aber schon wieder in der Lage, die Treppenstufen hinunter zum Keller selbst zu bewältigen. Die unheilbare Krankheit ist nicht dauerhaft zu besiegen, darüber ist sich Rüdiger Thomas im Klaren, aber die Therapie im Hospiz gab ihm ein Stück Leben zurück: geschenkte Zeit, befristete Zeit – aber eben Zeit; selbstbestimmt und lebenswert.

Erweiterung geplant

Ein Hospiz verbinden viele Menschen mit den Begriffen Endstation, letzter Lebensabschnitt und Ort zum Sterben. „Viele denken, wir machen hier nur Sterbebegleitung“, bedauert Dr. Dirk Hennesser, Oberarzt der Inneren Abteilung, Hämato-Onkologe und Palliativmediziner. Tatsächlich ist das bei einem Viertel der rund 200 Patienten, die hier im Jahr betreut werden, nicht der Fall: „Jeder vierte Patient kann wieder entlassen werden“, berichtet der Mediziner. Das Hospiz verfügt über sieben Betten, die stets belegt sind. Eine Erweiterung auf zehn Plätze ist geplant, für die Aufnahme existiert eine Warteliste.

Das Augenmerk der Therapeuten liege bei jedem Patienten darauf, was noch machbar sei, und dies dann auch zu tun, wenn es dem Willen des Kranken entspreche. „Bei Herrn Thomas hatten wir schnell das Gefühl, dass noch Perspektiven bestehen, und haben den ganzen Krankheitsfall noch einmal aufgerollt“, erinnert sich Hennesser. Und die Ärzte sollten Recht behalten. Mit ihrer ganzheitlichen Therapie kehrten nach und nach Rüdiger Thomas’ Kräfte zurück. Dabei sei nicht die medizinische Behandlung die größte Herausforderung gewesen, sondern die Entwicklung neuer Perspektiven für den Patienten.

Thomas war früher als Redakteur und stellvertretender Leiter des Ostkollegs tätig, eine Einrichtung der Bundeszentrale für politische Bildung in Köln. Als gebildeter Mann mit vielfältigen Interessen, der auch während seiner Krankheit weiter an seiner jüngsten Buchveröffentlichung schrieb, die seit wenigen Tagen gedruckt vorliegt, musste er erst lernen, dass Lebensqualität auch in kleinen Dingen liegen kann: vielleicht nicht mehr die gewohnte Fahrt zu den Salzburger Festspielen, aber wieder die Arbeit am heimischen Schreibtisch. Kleine Schritte, die zunächst mühsam waren. Hennesser: „Wir wollten zeigen, dass es nicht nur Schwarz und Weiß gibt, nicht nur die komplette Selbstständigkeit oder die Entscheidung, das Leben zu beenden, sondern noch etwas dazwischen.“

Nicht die Angst vor dem Tod, sondern vor einem qualvollen Sterben hatten Thomas so stark bedrängt, dass er fest entschlossen war, notfalls aktive Sterbehilfe in Anspruch zu nehmen. „Bei einem Patienten wie Herrn Thomas, der sehr bewusst und klar ist, dessen Überlegungen aber vielleicht von falschen Vorstellungen ausgehen, bei dem gehen bei uns alle Alarmglocken an“, sagt Hennesser. „Der assistierte Suizid erledigt sich sofort, wenn Hospizbetreuung greift.“ Denn mit dem Sterben und seinen Begleitumständen seien große Ängste verbinden, „Ängste vor Dingen, die in der Realität eigentlich so gut wie nie auftreten“, betont der Palliativmediziner.

In vielen offenen Gesprächen verlor auch Thomas langsam viele seiner Ängste; ein Prozess, der seinen Lebenswillen wieder stärkte. „Ich habe erst gedacht, das sind doch Spinner hier“, sagt Thomas lächelnd. „Und eigentlich ist es für mich immer noch ein Mirakel.“ Jeden Tag nutzt er bewusst. Thomas: „Alles, was jetzt zusätzlich kommt, ist ein Geschenk.“