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Burscheider KulturvereinWenn die öffentliche Karnevalsparty privat wirkt

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Prinz Roland I. mit Mikrofon in der Hand auf der Karnevalsparty in Burscheid.

Mit viel Energie sorgte Prinz Roland I. für ausgelassene Stimmung.

Öffentliche Feier, aber private Wirkung: Das „kleine, feine“ Format des Burscheider Kulturvereins etabliert sich.

Wenn Kinder durch das Badehaus fliegen, kann das nur eines bedeuten: Der Burscheider Kulturverein feiert seine karnevalistische Kostümparty und heißt dafür – wie auch schon im vergangenen Jahr – die Kindertanzgruppe der Großen Kölner willkommen. Die Pänz im Alter von sechs bis 18 Jahren erweichen mit ihren strahlenden Gesichtern und ihrer Liebe für die fünfte Jahreszeit so ziemlich jedes Herz, wenn sie sich unter dem bunten Luftballonhimmel drehen und springen oder als Pärchen im Dreivierteltakt wiegen.

Sie haben Spaß an der Sache und Spaß an ihrem Publikum, wie Kommandant Michael Thielen bestätigt: „Hier ist es familiär, so etwas haben wir nicht so oft. Die Kinder lieben solche Auftritte, wo sie das Feedback vom Publikum sofort spüren.“ Das Programm der Kostümparty ist seit Jahren schon immer eine Überraschung. An der einen oder anderen Stelle aber auch ein offenes Geheimnis: Oftmals kommen die Freunde des Holzhausener Karnevals als Stammgäste zu Besuch. 

Überraschung bei der Kostümparty: Es wurden 1000 Luftballons geliefert

In diesem Jahr heizt Prinz Roland I. – begleitet von seiner „Lützenkirchener Ehrengarde“, den Flotten Karotten – dem Badehaus-Publikum ein. „Wir haben oben Fastelovend, unten Fastelovend … Fastelovend einfach überall“, singt er und animiert den Saal mit der Aufforderung „Loss mer springe“. Dass die Holzhausener Karnevalsfreunde mitfeiern, ist also für den ein oder anderen weniger unerwartet, dafür gibt es in diesem Jahr eine andere Überraschung: Dass der Kulturverein die Kostümparty überhaupt ausrichten kann.

Die Kindertanzgruppe der KG Große Kölner trat im Burscheider Badehaus auf.

Die Kindertanzgruppe der KG Große Kölner trat im Burscheider Badehaus auf.

Nach dem Rücktritt des alten Vorstands schien das Aus für das Event besiegelt. Doch der Kulturverein konnte sich neu formieren. Eine weitere Überraschung gab es wohl bei der Luftballonbestellung für den Abend: 200 waren nötig, 1000 wurden geliefert. „Die nächsten Jahre sollten damit also bestens abgedeckt sein“, scherzt der Vorstand. 

Seit 2017 veranstaltet der Kulturverein die Kostümparty. Sie ist also noch ein relativ junges Format, das sich laut Vorstand allerdings etabliert, es spreche sich herum. Und das macht sich auch an den Zahlen bemerkbar: „In diesem Jahr haben wir doppelt so viele Karten wie sonst vorverkauft“, berichtet Kassierer Ulli Sandtner.

Den Jecken sagt das Format wohl zu: eine private Karnevalsparty mit einem Programm, das eine private Feier eben nicht realisieren könnte, und Musik in einer Lautstärke, in der man sich noch unterhalten kann. „Es ist gesittet, in einem feinen Rahmen. Es ist überschaubar“, sagt eine Gruppe von Papageien. Sie würden auch die großen Partys mögen, aber die Abwechslung gefalle ihnen. „Weil es so familiär ist, gibt es hier auch den Raum, neue Leute kennenzulernen“, erzählen sie. 

Neue Leute kennenlernen möchte auch eine Karnevalistin, die zum ersten Mal die Kostümparty besucht. Die Bochumerin ist nach Burscheid gezogen und möchte hier nach ihrer Rente Leute kennenlernen. „Das Völkchen hier ist schon sehr offen“, freut sie sich. Und die Feier im kleinen Rahmen ermöglicht eben mehr Austausch, untermauert die Karnevalistin: „Was diese Feier von den Großen in Köln positiv abhebt, ist der menschliche Kontakt.“