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Alter Markt in KölnKonfettikanonen trotzen dem Regen – OB als „Bob der Burmester“ verkleidet

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Echten Jecken können Regentropfen nichts anhaben. Am Alter Markt wird trotzdem gefeiert, auch wenn es etwas leerer ist als in den Vorjahren.

Echten Jecken können Regentropfen nichts anhaben. Am Alter Markt wird trotzdem gefeiert, auch wenn es etwas leerer ist als in den Vorjahren.

Das Dreigestirn begrüßt die Menge vor dem grauen Himmel, aber mit bester Laune. 

Pünktlich um 11.11 Uhr donnern die Konfettikanonen der Altstädter auf dem Alter Markt rote und grüne Papierschnipsel in den grauen Himmel. Der Straßenkarneval ist eröffnet. Das Dreigestirn mit Jungfrau Aenne, Prinz Niklas I. und Bauer Clemens grüßt zusammen mit Oberbürgermeister Torsten Burmester die Narren – und die grüßen begeistert zurück. Allerdings: Es sind deutlich weniger als normalerweise, der Dauerregen fordert seinen Tribut. Zumindest von denen, die nicht mit Kölnisch Wasser getauft sind. Echten Jecken können Regentropfen nichts anhaben.

Erika (87) ist definitiv eine echte Jecke. „Ich war heute Morgen schon um 5 Uhr hier auf dem Alter Markt. Wie immer“, sagt die Urkölnerin, die in die erste Reihe vor der Bühne gehört wie die Kamelle zu den Zöch. „Zum Straßenkarneval geht man als Kölner einfach auf den Alter Markt. Das gehört sich einfach so“, sagt auch Eliott. Der 25-jährige Kölner steht rosa geschminkt in einer auffallend kurzen Schlange vor einem der Toilettenwagen. Die Tribünen am Alter Markt und der Platz vor der Bühne sind zum Start des Straßenkarnevals zwar voll, aber je mehr man sich an diesem verregneten Vormittag von der Bühne entfernt, desto größer werden die Lücken zwischen den Jecken.

Lange Schlangen vor den Kneipen

Engel, Teufel, rot-weiße Clowns, allerhand Getier, Pflanzen, Schlümpfe, Krankenschwestern und Piraten trotzen dem Nass. Fast immer dabei: der Regenumhang aus Plastik, seltener der Schirm. „So leer war es noch nie in der Altstadt“, findet Saskia aus Oberhausen, die mit zwei Freundinnen möglichst bald in eine Kneipe möchte. Der Wunsch, im Trockenen zu sein, treibt die Menschen in Scharen in die Kneipen. Es gibt lange Schlangen vor dem Einlass.

Bevor sich die drei Freundinnen aus Oberhausen aufmachen, um in der „Wiener Steffi“ zu feiern, haben sie die offizielle Eröffnung des Straßenkarnevals gesehen. „Das gehört für uns einfach zum Kölner Karneval“, sagt Saskia.

Das Dreigestirn heizte den Jecken am Alter Markt ein

Das Dreigestirn heizte den Jecken am Alter Markt ein.

Nasse Bühne sorgt für Sturz von Marita Kölner

Ein buntes Bühnenprogramm hat das Traditionskorps der Altstädter auf die Beine gestellt - unter anderem mit den Höhnern, den Räubern, den Funky Marys und Marita Köllner. Die feiert dieses Jahr ihr 60. Bühnenjubiläum. Und was für ein Profi sie ist, stellte sie unter Beweis, als sie nach einem Sturz auf der regennassen Bühne sofort wieder steht. „Dat is live“, ist alles, was sie sagt, bevor sie wieder voller Elan lossingt.

„Wir verzichten lieber auf den Mariechentanz“, stellen die Altstädter etwas später fest. Der nasse Bühnenboden ist zu gefährlich für gewagte Sprünge und Figuren. Das rot-grüne Traditionskorps geht auf Nummer Sicher.

Wenig anhaben kann dagegen der Regen einem Freundespaar aus dem Sauerland. Andi und Andŕe sind aufwändig als Siegfried und Roy verkleidet. Und: Sie sind unter einem Rosenbogen mit Schirm unterwegs. Das ist zwar recht unpraktisch, wenn man in eine Kneipe möchte, macht aber doch großen Eindruck bei vielen Jecken. Die beiden Sauerländer fallen auf. „Ein Autogramm, ein Autogramm“, ruft eine Gruppe von jungen Männern und drängt sich um Andi und Andŕe. Die sind vorbereitet, zücken ihren Edding-Stift und signieren die Arme der Männer. Alternativ haben sie auch Autogrammkarten von Siegfried und Roy dabei.

„Wir verkleiden uns schon seit Jahren als Prominentenpaare“, verraten Andi und Andre. Drei Tage wollen sie in Köln bleiben und feiern. Regen hin oder her. „Und wenn wir in die Kneipe gehen, parken wir den Rosenbogen draußen“, sagt Andi.


Oberbürgermeister als „Bob der Burmester“ verkleidet

Oberbürgermeister Torsten Burmester in seinem kreativen Kostüm im Rathaus

Oberbürgermeister Torsten Burmester in seinem kreativen Kostüm im Rathaus.

Schon um 10 Uhr empfing Oberbürgermeister Torsten Burmester (SPD) das Dreigestirn und geladene Gäste im Hansasaal des Rathauses. Sein Kostüm: „Bob der Burmester“, abgewandelt von „Bob der Baumeister“, dem lustigen Handwerker aus dem TV-Kinderprogramm, dessen Motto lautet „Ja, wir schaffen das!“

Bodenständig und im Wortsinn hemdsärmelig ehrte Burmester die Ehrenamtlichen – im Karneval und darüber hinaus. „Karneval passiert nicht von selbst. Er wird gemacht von Menschen“, sagte der OB. „Viele dieser Menschen stehen nie auf einer Bühne, aber ohne sie wäre die Stadt leiser, kälter und ärmer.“

Sein Wunsch für Köln geht über den Karneval hinaus. Er wünsche sich für Köln einen Mentalitätswechsel. Statt schnell „Nein“ zu sagen, weil etwas kompliziert sei, solle jeder im Rahmen seiner Möglichkeiten einen Beitrag leisten. Seine Vision: „Eine Stadt, in der man sich traut, Ja zu sagen.“ Den Jecken wünschte der OB „viele tolle Begegnungen“ beim Karneval. Prinz Niklas I. plädierte in seiner Rede für den Wert der Vielfalt.