Bergisch Gladbach – Ein Vierteljahrhundert lang hat er die Denkmäler des Rheinisch-Bergischen Kreises „bewacht“ , am 1. Juni gab Dr. Andreas Stürmer (54), Gebietsreferent des Landeskonservators, sein rechtsrheinisches Revier auf, nachdem er sich bereits vor einem Jahr von der Stadt Bonn getrennt hat. Künftig betreut er als Denkmalpfleger des Landschaftsverbandes den Rhein-Erft-Kreis und den Kreis Kleve.
Am Montag tourte er nochmals durch den alten Beritt, um seinem Nachfolger Diplom-Ingenieur Thorsten Schrolle (39) seine „Juwelen“ vorzustellen: Schloss Bensberg und den Altenberger Dom. „Der Dom, das war die schönste Baustelle meines Lebens“, schwärmt er noch heute über die zehnjährigen Restaurierungsarbeiten, die er begleitet hatte. Doch er zieht auch ansonsten eine positive Bilanz: Die Denkmallandschaft insbesondere der Kreisstadt sei intakter, als bisweilen dargestellt: „Die meisten Verluste hatten wir doch in der Nachkriegszeit, vor allem was das viel beweinte Fachwerk angeht. Seit wir das Denkmalschutzgesetz haben, betreiben wir da genaugenommen nur eine Resteverwaltung.“
Als Beispiel für gelungenen Denkmalschutz hebt er etwa den Umbau von Haus Lerbach hervor: „Vorher war das ein Tagungshaus, dann eine Filmkulisse, im Hof standen Baracken. Die Umsetzung zum Hotel ist hervorragend geglückt, die gründerzeitliche Architektur wird erheblich besser präsentiert als zuvor.“ Weniger glücklich ist Stürmer mit Bensberg: „Normalerweise gibt das Land so eine Immobilie nicht wieder her, wenn es sie mal hat. Warum muss so ein Objekt in die Wirtschaftlichkeitsberechnung eingestellt werden? Wenn ich heute Bonn mit seinen Klimakonferenzen sehe, da hätten wir uns als Schauplatz internationaler Kongresse wunderbar dran hängen können.“ Die jetzige Nutzung sieht er als Kompromiss, mit dem der Denkmalschutz aber leben könne.
Lob hat Stürmer für die Bemühungen der Kreisstadt übrig: „Seit Jahren setzt die Stadt zum Beispiel für die Sanierung des Böhmschen Rathauses in Bensberg immer wieder Mittel ein, auch in haushaltspolitisch schwerer Zeit.“ Sie gehe privaten Denkmalseigentümer mit gutem Vorbild voran.
Es fehlt allerdings der im Gesetz vorgesehene Denkmalpflegeplan. „Die Formulierung im Gesetz ist interpretationsbedürftig“, so Stürmer. „Es soll ein Denkmalpflegeplan erstellt werden. Das ,soll’ übersetzen die einen mit ,muss’, die anderen mit ,kann’.“ Seine Erfahrungen mit dem Bonner Denkmalpflegeplan machen den Konservator eher skeptisch, ob der Plan ein geeignetes Instrument des Denkmalschutzes ist. „Der kostet einen Haufen Geld und liegt dann in der Schublade: Wir Denkplanpfleger brauchen ihn nicht, denn wir kennen unsere Objekte. Und die Stadtplaner lesen ihn nicht.“ Vorausschauende Stadtplanung werde kaum noch gemacht, „nur noch reine Bedarfsplanung“.
Stadtbaurat Stephan Schmickler schätzt die Kosten eines solchen Plans auf 40- bis 50 000 Euro „und wir könnten damit auch nicht mehr machen, als wir jetzt schon tun im Rahmen der Bebauungsplanverfahren.“
Ohne Einsicht und Konsens geht es nicht. Stürmer: „Sie können kein Denkmal gegen den Willen des Eigentümers erhalten, nur den Verfall verzögern.“ Man muss Bewusstsein wecken. Denkmäler sind Hingucker, die Unverwechselbarkeit bringen: „Auf jedem Prospekt einer Kommune sind vorne die Denkmäler drauf.“ Mit Geld ist dieser Wert schwer zu messen.
