Bensberg – Ein ruhiges Wohnviertel nahe der Straßenbahnhaltestelle Neuenweg. Als Nikolas Sievert um kurz vor Mitternacht in der Nacht zum Freitag sein Haus betreten will, steht er vorschlossener Tür: Zusätzlich zum normalen Schloss ist auch der Sicherheitsriegel von innen zugesperrt. Aber es ist doch niemand zu Hause. Über die Garage kommt er in den Garten und sieht die Bescherung: Die Tür zu, Wintergarten ist aufgestemmt worden und steht sperrangelweit auf. Ehefrau Maya Sievert berichtet: „Das Erdgeschoss war auf den ersten Blick unberührt, aber im ersten Stock waren in meinem Büro Schubladen herausgerissen und Schränke ausgeleert.“ Schmuckkästen, Münzsammlungen, Urlaubskasse und Erbschmuck sind komplett gestohlen worden waren.“
Damit aber nicht genug: „In unserem Schlafzimmer war auch alles komplett durchwühlt. Hier war der Inhalt unserer ,Schatztruhe’ (einem Hochzeitsgeschenk, einer mit Sand und Münzen gefüllten Kiste) gestohlen worden, die Täter hatten den Sand übers Bett gekippt und die Münzen heraus gesammelt. “ Auch der PC ist weg, und mit ihm die Fotos von den Wertsachen.
Polizei kommt, nimmt den Einbruch auf. Maya Sievert: „Ich hatte einen ziemlichen Nervenzusammenbruch und konnte nicht aufhören zu zittern.“ Sie vermutet, ihr Mann habe die Täter gestört, als er nach Hause kam.
Am nächsten Morgen kommt erneut eine Mitarbeiterin der Spurensicherung und macht Fotos. Maya Sievert: „Wir waren ziemlich neben der Spur und hatten ganz schön Paranoia, das Haus zu verlassen. Die Spurensicherungsmitarbeiterin sagte uns aber, wir könnten uns entspannen, die seien hier durch gewesen und das Haus wäre jetzt von deren Liste.“ Die Sieverts verrammeln die aufgestemmte Tür, fangen an aufzuräumen und fahren mittags zur Arbeit.
Als sie abends gegen 22.30 Uhr wieder nach Hause kommen, entdecken sie das ganz und gar Unwahrscheinliche: den Schein einer Taschenlampe im Arbeitszimmer. Die Täter sind anscheinend zurückgekommen. Maya Sievert läuft zur Eingangstür, ihr Mann zur Hinterseite des Hauses. Maya Sievert: „In dem Moment, wo es mir gelang, mit vor Angstschweiß nassen Händen endlich die Tür zu öffnen, hörte ich im Obergeschoss einen lauten Krach und schrie nach meinem Mann, der sofort zu mir rannte, um mich zu beschützen. Wir gingen gemeinsam ins Haus (mein Mann wieder mit einem Spazierstock bewaffnet) und ich rief sofort 110. Das durfte ja wohl echt nicht wahr sein. Als ich mir das Telefon von der Ladestation schnappte, bemerkte ich mit einem Blick, dass diese Schweine sich dieses Mal das Erdgeschoss vorgeknöpft hatten.“
Das Tafelsilber, zum Teil Erbstücke, ist weg. Wieder kommt die Polizei, sichtet den Tatort, spürt Unmut und Hilflosigkeit der Opfer über den zweiten Einbruch in nur zwei Nächten. Als die Beamten wieder weg sind, bemerken die Sieverts, dass die zuvor verschlossene Garagentür nun offen steht: „Es sah ganz so aus, als hätten sich die Täter, während wir mit den Polizisten sprachen, die ganze Zeit nur meterweit von uns entfernt in der Garage versteckt.“
Maya Sievert: „So eine unfassbare Dreistigkeit und Unverfrorenheit! An zwei Nächten hintereinander einzusteigen! Natürlich haben wir Angst und fühlen uns wie auf dem Präsentierteller. Es wird lange dauern, bis wir uns in unserem Haus wieder sicher fühlen. Das Schlimmste ist diese Übergriffigkeit, das Eindringen von Fremden in die Privatsphäre. Das Gefühl des Ausgeliefertseins.“
Dennoch wollen sich die Sieverts als Bürger nicht entmutigen lassen: „Mein Mann hat gestern eine Alarmanlage gekauft und installiert.“ Maya Sievert selbst, in der siebten Woche schwanger, ist um den Block gegangen und hat an jedem einzelnen Haus geklingelt. Sie hat den Nachbarn berichtet, was passiert ist, und sie hat sie gewarnt.
