Ein Kostenloses Friedhofscafé in Overath-Rappenhohn soll Trauernden Trost und Gesellschaft bieten.
OverathWo Trauernde kostenlos Kaffee, Kuchen und Gesellschaft finden

Vorfreude auf das neue Angebot herrschte beim Pressetermin zur Spendenübergabe für das neue Friedhofscafé in Overath-Rappenhohn unter den Beteiligten.
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„Ich habe es ja selbst erlebt, nach sechs Monaten muss man wieder funktionieren“, erzählt Brigitte Bosbach beim Pressetermin für die Spendenübergabe an das Friedhofscafé, das auf dem Friedhof in Overath-Rappenhohn bald seine Pforten öffnen wird. Nach dem verfrühten Tod ihres Mannes musste Bosbach feststellen, dass man als Trauernde nicht mehr Teil der Gesellschaft ist. „Gerade bei befreundeten Paaren ist man raus.“ Warum? So genau weiß sie es auch nicht. „Das Thema Trauer ist aber für viele Menschen ganz weit weg“, meint sie. Wenn man sich nicht selbst darum kümmere, zurück ins Leben und Anschluss zu finden, werde es schwierig.
Aus diesem Grund hat sie sich entschlossen, als Ehrenamtliche im Friedhofscafé zu arbeiten. Das Seniorenbüro der Stadt Overath, der Ökumenische Hospizdienst Rösrath und das städtische Friedhofsamt haben ihre Kräfte gebündelt, um das Projekt auf die Beine zu stellen. In weniger als vier Wochen, am 26. April, wird es zum ersten Mal öffnen und kostenlos Kaffee, Kuchen und Gesellschaft anbieten.
Ansprache und Lebensfreude schenken
Beim Termin für die Spendenübergabe der Dr.-Rembold-Stiftung ist ganz schön was los in der Trauerhalle. Einige Ehrenamtliche sind gekommen, die später das Café betreiben oder im Hintergrund Kuchen backen oder den Auf- und Abbau organisieren werden. Jeden vierten Sonntag im Monat werden sie von 14 bis 16 Uhr für Trauernde da sein, um ihnen nicht nur Trost zu spenden, sondern auch Ansprache und ein Stück Lebensfreude.
Bürgermeister Michael Eyer betonte, wie wichtig es sei, dass Trauernde, die ein ähnliches Schicksal teilen, einen Ort der Gemeinschaft hätten. Deshalb finde das Projekt die Unterstützung der Stadt.
Rappenhohn war direkt der Favorit
Wie die Inklusions- und Gleichstellungsbeauftragte der Stadt, Simone Partsch, erklärte, sei das Projekt auf Initiative des Seniorenrates entstanden. Partsch habe das Projekt dann übernommen und die Akteure zusammengebracht. „In Rösrath gab es das Angebot bereits und da war den Seniorenratsmitgliedern klar, dass wir das in Overath auch brauchen“, meint Partsch. Dass der Friedhof in Rappenhohn der Favorit war, lag vor allem daran, dass er die größte Trauerhalle hat und gut zu erreichen ist. „Es gibt eine Bushaltestelle vor dem Eingang und auch der Parkplatz ist von der Trauerhalle nicht weit entfernt.“ Dazu kommt, dass die vielen Glaswände den Raum mit Licht durchfluten, was für eine warme Atmosphäre sorgt. Schlussendlich soll das Friedhofscafé die Besucher wieder aufbauen.
Dafür würden bis zur Eröffnung Tische, Geschirr und Dekoration gekauft, damit das Café nett aussieht. Bezahlt werde das Inventar von der Stiftungsspende, die mit 1500 Euro die sogenannte Gründungspatenschaft darstellt. Dr. Jürgen Rembold erklärte vor Ort, dass auch er sich mit seinem Ableben beschäftigt habe. „Da ich keine Kinder habe, kümmere ich mich darum, dass mein Erbe weiterhin so genutzt wird wie heute.“ Er wolle sichergehen, dass auch nach seinem Tod damit kleinere Projekte aus bürgerschaftlichem Engagement unterstütz würden.

ie werden ehrenamtlich im Friedhofscafé für die Besucher und Besucherinnen da sein (v.l.): Simone Partsch, Christa Kellerson, Brigitte Bosbach, Lara Kühlwetter, Angela Sternenberg und Susanne Stephens.
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In die Quere kommen sich bevorstehende Bestattungen und das Friedhofscafé nicht, wie Lara Kühlwetter vom Friedhofsamt erklärt. Sonntags gibt es nämlich keine Bestattungen. Sie werde, wie Simone Partsch, ebenfalls ehrenamtlich mitanpacken.
Ehrenamtliche, so erklärte Partsch, hätten sie mittlerweile genügend. Auf den Aufruf der Stadt hätten sich zwölf Personen gemeldet. Zwei professionell geschulte Trauerbegleiter des Hospizdienstes Rösrath, die die Leitung des Cafés übernehmen werden, und zwei der Ehrenamtlichen sollen als vor Ort sein. „Vergangenes Wochenende hat die Schulung für die Ehrenamtlichen stattgefunden“, erzählt sie. So hätten sie Gelegenheit gehabt, sich vorab kennenzulernen.
"Friedhöfe sind für Trauernde gemacht"
Die Schulung wurde von Pütz und Roth, einem Bestattungshaus, das auch Trauerbegleitung anbietet, geleitet. David Roth, Geschäftsführungsmitglied von Pütz und Roth, zeigte sich begeistert. „Friedhöfe sind für Trauernde gemacht. Das heißt aber nicht, dass das Café bieder sein muss. Im Gegenteil, es darf schön sein.“ Das fand auch André Dung, Vorstandsmitglied des Ökumenischen Hospizdienstes Rösrath. „Es ist richtig, dass das Thema aus dem Dunklen geholt wird und Licht und Farbe reinkommt.“
„Ich habe auch andere Betroffene kennengelernt und mir hat es geholfen. Man merkt, dass man nicht alleine ist. Letztendlich fühlen wir alle dasselbe“, zieht Bosbach ihr Fazit aus solchen Angeboten.

