Wie hoch ist der Preis für Sicherheit und Ordnung? Eitorf, Windeck, Ruppichteroth, Much und Neunkirchen-Seelscheid müssen sich neu aufstellen.
OrdnungsdienstNeunkirchen-Seelscheid setzt auf Sommer-Security und Selbstverteidigung

Die Ordnungsämter haben aufgerüstet: In Neunkirchen-Seelscheid gibt es Stichschutzwesten und eine Sommer-Security, aber, anders als in Bad Honnef, keine Bodycams.
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Der Ordnungsaußendienst rüstet auf, auch in kleineren Kommunen ohne Kriminalitätshotspots. Stichsichere Westen wurden flächendeckend angeschafft, mancherorts auch Bodycams. Doch wie hoch darf der Preis für Sicherheit und Ordnung sein? Damit befassen sich derzeit Verwaltung und Politik in Neunkirchen-Seelscheid.
Jörg Schneider, als Beigeordneter zuständig fürs Ordnungsamt, hat einfachere Zeiten erlebt: Einst rückte die Polizei nachts zu Kleinigkeiten wie Ruhestörungen aus, obwohl das nie ihre Aufgabe war. Ab 2019 machten sich nach Dienstschluss Beschäftigte der Stadt Lohmar auf den Weg ins Bergische, an die Obere Sieg und nach Sankt Augustin - finanziert aus dem großen Topf, in den die Kooperationspartner gestaffelt nach Einwohner einzahlten.
In Neunkirchen-Seelscheid gibt es eine Rufbereitschaft nach Dienstschluss
Doch nach dem Ausstieg von Sankt Augustin kündigte die Stadt Lohmar zum Jahresende 2025 den Vertrag und macht seitdem ihr eigenes Ding. Eitorf, Windeck, Much, Ruppichteroth und Neunkirchen-Seelscheid müssen sich nun neu aufstellen. Auch Hennef ist an einer Zusammenarbeit interessiert. Entschieden, so Schneider, sei noch nichts.
Hauptproblem seien die Personalkosten, erläutert der Beigeordnete. Beim Hennefer Modell, das tägliche Fahrten von 15.30 bis 22.30 Uhr bot, hätte allein die Gemeinde Neunkirchen-Seelscheid mit jährlichen Ausgaben von rund 165.000 Euro rechnen müssen – wenn die übrigen vier Kommunen auch eingestiegen wären. Ohne Much, das sofort abwinkte, wären es 200.000 Euro gewesen, mehr als sechsmal so viel wie einst für die Lohmarer Nachtstreife.

Jörg Schneider ist als Beigeordneter in Neunkirchen-Seelscheid zuständig für die Nachtstreife
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Zudem wachsen die Ordnungsaußendienstler nicht auf Bäumen, salopp gesagt. Im Rathaus gab Vakanzen durch Krankheit und Ruhestand, eine seit Anfang Januar unbesetzte Stelle könne voraussichtlich im September besetzt werden. Die Bediensteten sind zwar nicht Tag und Nacht im Einsatz, es gibt aber eine Rufbereitschaft außerhalb der Öffnungszeiten.
Flexibilität ist nötig, auch eine gewisse Standfestigkeit und Ruhe. Schließlich steckt in vielen Begegnungen mit aufgebrachten Bürgern Konfliktpotenzial. „Wer einen ruhigen Bürojob erwartet, ist fehl am Platz.“ Die Beschäftigten müssen zudem eine Verwaltungsausbildung oder Ähnliches vorweisen, die Gesetze kennen, Verwarnungen ausgesprechen, Verfahren einleiten.
Deeskalationsschulungen werden angeboten als Fortbildung, demnächst sollen Abwehrtrainings hinzukommen. Übungen aus dem Kampfsport, nicht um anzugreifen, sondern zur Selbstverteidigung, im Ernstfall. „Wir sind da im Gespräch mit Nikki Adler, unsere Aquarena-Leitung ist ja mehrfache Box-Weltmeisterin.“
Eine gewisse Balance sei wichtig, sagt der Beigeordnete, „das Auftreten in Montur kann auch provozieren“. Schutzwesten habe die Gemeinde nach den Attentaten von Solingen angeschafft, auf Bodycams, wie sie die Stadt Bad Honnef einsetzt, will man im Bergisch-Ländlichen vorerst verzichten.
Auf den Straßen sei ja doch überwiegend ruhig, es gebe wenig Kriminalität, die soziale Kontrolle wirke, „man kennt sich“. Gerade, wenn es sich um notorische Störenfriede handelt. Nichtsdestotrotz sei Sicherheit und Ordnung im öffentlichen Raum eine Pflichtaufgabe.
Sicherheitsdienst fährt in Neunkirchen-Seelscheid Schulgelände und Sportanlagen ab
Im Sommer ist mehr los. Dann klappert ein Sicherheitsdienst Plätze, Schulgelände, Sport- und Grünanlagen ab. Vandalismus, Graffiti, Einbrüche gibt es auch in kleinen Orten. Die Kosten für die beauftragte Firma lägen bei einigen tausend Euro, so Schneider. „Das alles mit eigenen Leuten zu stemmen, wäre viel teurer.“ Die Kompetenzen der Security seien aber begrenzt, die Kräfte dürften lediglich die Personalien feststellen, die Nachbearbeitung müsse im Rathaus erledigt werden.
Wenn alles klappt mit der Nachbesetzung der Ordnungsaußendienststelle im September hat der Beigeordnete nur eine Sorge weniger. Das Amt brauche dringend ein Dienstfahrzeug, in dem entlaufene oder verletzte Tiere gefahrlos transportiert werden können. Der kleine Toyota mit Heckklappe sei nicht geeignet. Früher habe das der Tierschutz Oberberg für sie erledigt. Seit 2025 läuft der Vertrag mit dem Tierheim Troisdorf.
Im Idealfall hat der Außendienst ein Herz und Händchen für Tiere, wie ein ehemaliger Beschäftigter. Der sammelte mal einen Collie ein, der nicht mehr zu seinem Herrchen zurück konnte. Er nahm ihn erstmal mit zu sich - und gab ihm ein Für-immer-Zuhause.
Fünf Städte haben eigene Teams im Nachteinsatz
Für die gemeinsame Nachtstreife lagen die Gesamtkosten 2019 bei knapp 200 000 Euro pro Jahr, Sankt Augustin zahlte den höchsten Anteil (65.920 Euro), Neunkirchen-Seelscheid 23.250, zuletzt stieg der Aufwand auf knapp 30.000 Euro. Das Team aus einer Vollzeitkraft und vier Halbtagskräften war an Wochenenden, freitags und samstags sowie vor Feiertagen jeweils von 22 bis 4 Uhr im Einsatz. Die Bürger melden sich bei der Polizei, die leitet die Anrufe an die Kommunalstreife weiter. Wird es brenzlig, ruft das Ordnungsamt sie hinzu. Siegburg hat ein eigenes Team im Nachteinsatz, ebenso Hennef, Troisdorf und seit kurzem Niederkassel und Sankt Augustin.
