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Interview mit Romina Plonsker„Wir könnten im Rhein-Erft-Kreis Pulsgeber für NRW sein“

5 min
Romina Plonsker hat dunkle Haare und trägt eine runde Brille. Im Hintergrund verschwommenes Grün.

CDU-Kreisparteivorsitzende Romina Plonsker sieht den Kreis auf einem guten Weg.

Romina Plonsker sieht den Rhein-Erft-Kreis auf einem guten Weg. Für den Strukturwandel gebe es aber noch Handlungsbedarf beim Thema Energie.

Romina Plonsker ist CDU-Kreisvorsitzende und Landtagsabgeordnete sowie Vorstandsmitglied der CDU NRW. Im Interview mit Rafael Greboggy und Elena Pintus spricht sie über die politische und wirtschaftliche Zukunft des Rhein-Erft-Kreises.

Frau Plonsker, was hat sie in diesem Jahr bewegt?

Romina Plonsker: Das Jahr war politisch geprägt durch die Bundes- und die Kommunalwahl. Entsprechend arbeitsintensiv war es auch. Die Kommunalwahl ist für uns als CDU Rhein-Erft die wichtigste Wahl. Niemand ist so nah an unseren Wählern dran wie die Ratsmitglieder. Für uns war es ein erfolgreiches Jahr mit vielen Wiederwahlen, etwa der von Georg Kippels als Bundestagsabgeordneten. Wir konnten aber leider nicht überall unsere Ziele erreichen, auch das gehört dazu. Aber die guten Ergebnisse überwiegen eindeutig.

Konnten Sie aus den beiden Wahlen etwas für die Landtagswahl 2027 mitnehmen? Gibt es konkrete Pläne, wie sich die CDU aufstellen will?

Wir befinden uns in den Planungen für unsere Aufstellungsversammlung. Wir werden unsere drei Landtagswahlkreise diesen Sommer aufstellen. Thomas Okos, Gregor Golland und ich wissen, was wir für eine Bank wir auf der kommunalen Seite mit unseren Ratsmitgliedern und Bürgermeistern haben, die wir gerne auch im Kommunalwahlkampf unterstützt haben. Es wäre schön, wenn wir diesen Teamgeist auch in die Landtagswahl tragen könnten. Inhaltlich werden Bildung und Innere Sicherheit sicherlich die Top-Themen bleiben. Da haben wir im Land eine gute Bilanz und vor allem auch gute Ideen, wie wir Nordrhein-Westfalen noch weiter nach vorne bringen wollen.

Welche Ideen wären das?

Zum Beispiel die ABC-Klassen. Hier sollen die Schuleingangsuntersuchungen vorverlegt werden, um zu schauen, ob sprachliche Defizite bestehen. Diese Defizite sollen bis zum Grundschulstart beseitigt werden. Wir haben uns zudem um das Thema Unterrichtsausfälle insofern gekümmert insofern, dass wir unter anderem mehr Lehrerinnen und Lehrer ausbilden.

Rhein-Erft: Romina Plonsker strebt ein Ministeramt nicht aktiv an

Stehen personelle Veränderungen an?

Grundsätzlich kann jedes CDU-Mitglied für den Landtag aufgestellt werden. Ich gehe aber davon aus, dass wir drei, also Thomas Okos, Gregor Golland und ich wieder antreten und gemeinsam mit viel Rückenwind in den Wahlkampf starten.

Herr Okos schien aus der Kommunalwahl etwas geschädigt hervorzugehen.

Thomas Okos macht als Landtagsabgeordneter einfach einen super Job. Unabhängig davon sind Personalentscheidungen in Frechen gefallen, etwa bei der stellvertretenden Bürgermeisterin oder dem Fraktionsvorsitz. Dass sich die CDU in Frechen gewünscht hat, mit einem anderen Ergebnis rauszugehen, ist kein Geheimnis. Wir sind dort tiefer in die Wahlanalyse eingestiegen. Der Eindruck, den man gemeinhin von der Wahl in Frechen hat, ist ein anderer, als das, was die Zahlen sagen. Wir haben insgesamt als CDU verloren, auch wenn wir alle unsere Ratsmandate gewonnen haben. Das Ergebnis der Kommunalwahl schmälert jedenfalls nicht die Arbeit, die Thomas Okos als Landtagsabgeordneter macht.

Haben Sie Ambitionen, Ministerin zu werden?

Ich bin sehr glücklich mit dem, was ich machen kann. Ich strebe kein Amt aktiv an, und kämpfe mit Hendrik Wüst für ein starkes CDU-Ergebnis und dann setzen wir uns für starke Positionen und Personen für unseren Kreis ein. Allerdings bin ich schon sehr gern vor Ort bei den Menschen.

Wenn Sie weiter in die Zukunft schauen, wie plant die CDU mit der AfD umzugehen?

Eine Zusammenarbeit wird es weiterhin nicht geben. Der Kreistag und die Räte haben sich erst vor kurzem konstituiert, aber im Landtag können wir bereits feststellen, dass die AfD deutlich roher agiert als die anderen Fraktionen. Daher gibt es für CDU, SPD, Grüne und FDP weder menschlich noch inhaltlich eine Grundlage zur Zusammenarbeit mit der AfD.

Romina Plonsker sieht Handlungsbedarf beim Thema Energie

Haben Sie bei den Themen Strukturwandel und Energie das Gefühl, dass es im Rhein-Erft-Kreis in die richtige Richtung geht?

Wir bauen massiv an erneuerbaren Energien aus und wir brauchen diese Energien auch. Ich bin überzeugt, dass die Braunkohle auf absehbare Zeit Geschichte sein wird.

Müssen wir noch mehr tun und was sind die nächsten Schritte?

Auf jeden Fall müssen wir noch mehr tun. Wir müssen mehr erneuerbare Energien ausbauen, aber wir benötigen auch Gaskraftwerke als Übergangstechnologie. Wir müssen die bestehende Industrie mit Energie versorgen, ebenso kleine und mittelständische Unternehmen vor Ort. Hendrik Wüst hat bereits deutlich gemacht: kein Ausstieg ohne Einstieg.

Ist Gas denn unter Umweltaspekten eine Alternative zur Kohle?

Es ist nicht grün. Es ist keine regenerative Energie. Es ist eine Zwischenlösung, die auf lange Sicht umgerüstet werden muss auf Wasserstoff. Die Alternative wäre, die Industrie vor Ort komplett zu verlieren mit ihren Arbeitsplätzen und ihre Gewerbesteuer. Das ist für mich keine Option.

Es gibt unter anderem Umweltverbände, die kritisieren, dass man nicht schon viel früher erneuerbare Energien ausgebaut hat. Schauen sie auch kritisch auf die Vergangenheit?

Im Nachhinein ist man immer schlauer. Ich bemerke aber auch eine deutliche Abnahme der Akzeptanz von Windenergie. Viele Menschen wollen das Windrad nicht vor der eigenen Haustür haben. Es gibt aber nun mal keine Energieform, die nur Vorteile hat. Ein Vorteil etwa von Braunkohle ist eben, dass es ein großes Kraftwerk gibt und nicht wie bei der Windkraft, dass sich die Anlagen auf einer größeren Fläche verteilen. Aber die Auswirkungen der Kohlekraft auf die Umwelt sind insgesamt negativ zu betrachten. Hinzu kommen Umsiedlungen für den Tagebau. Alles hat Vor- und Nachteile, aber wir haben hier im Rhein-Erft-Kreis die Möglichkeit, Zukunft zu gestalten im Rahmen des Strukturwandels.

Lob für AI-Village in Hürth und Haus der Bildung in Kerpen

Gibt es konkrete Projekte, an denen Sie sehen, dass dem Kreis eine gute Zukunft bevorsteht?

Da fällt mir vieles ein, etwa mit dem Hyperscalern in Bergheim, Bedburg und Elsdorf, das AI-Village in Hürth oder auch das IQ REK in Kerpen, also das ursprüngliche Haus der Bildung. Natürlich können solche Projekte Nachteile nach sich ziehen, aber wir müssen wieder anfangen, die Chancen darin zu sehen. Ich glaube, wir könnten im Rhein-Erft-Kreis der Pulsgeber Nordrhein-Westfalens in diesen Themen sein.

Wenn wir auf kommende politische Veränderung schauen: In Kerpen ist der Bürgermeister nun auf nicht absehbare Zeit erkrankt. Rechnet die CDU mit Neuwahlen in Kerpen?

Nein, ich weiß aktuell nichts von Neuwahlen. Sollte es aber so kommen, wären wir sofort bereit und handlungsfähig.

Der Kerpener Bürgermeister ist nicht der erste im Kreis, der wegen Krankheit ausfällt. Ist aus Ihrer Sicht der Druck in diesem Amt zu hoch, vor allem, seit es keine Doppelspitzen aus Stadtdirektor und Bürgermeister mehr gibt?

Ich glaube, die Ansprüche an einen Bürgermeister sind hoch, aber das waren sie schon immer. Der Bürgermeister ist der erste Ansprechpartner der Bürgerinnen und Bürger und steht in der Öffentlichkeit. Jeder Schritt wird beobachtet. Aber sie können sich auch auf ihr Team aus Dezernenten und Beigeordneten verlassen. Diese Aspekte zeigen, welch kontinuierlicher Einsatz und welche persönliche Verantwortung mit dem Amt verbunden sind, auf die es bei der Kandidatenauswahl und im späteren Amt zu beachten gilt.