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Statistik der PolizeiWeniger Kriminalität, aber mehr Einbrüche im Rhein-Erft-Kreis

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ILLUSTRATION - Ein "Einbrecher" hebelt mit einem Brecheisen eine Tür im Keller eines Wohnhauses auf (gestellte Szene).

Im Jahr 2025 kam es im Rhein-Erft-Kreis zu mehr Einbruchsdelikten (Symbolbild). 

Erfolge konnte die Polizei bei der Bekämpfung von sexuellem Kindesmissbrauch erzielen. In Wesseling ist die Anzahl an Straftaten gestiegen.

Die Kriminalität im Rhein-Erft-Kreis ist gesunken. Das geht aus der Statistik hervor, die Heike Beyer, seit Oktober Leiterin der Direktion Kriminalität im Rhein-Erft-Kreis, am Montag (2. Februar) vorgestellt hat. Im Jahr 2025 erfasste die Polizei im Bereich Kriminalität 30 961 Fälle und damit knapp ein Prozent weniger als im Vorjahr (31 276). Nicht darin enthalten sind Verkehrs-, Auslandsstraftaten und Staatsschutzdelikte.

Den Löwenanteil machen dabei Diebstahlsdelikte mit knapp über 36 Prozent aus. Vermögens- und Fälschungsdelikte (20 Prozent) und Rohheitsdelikte (18,12 Prozent) haben hohe Anteile. Unter Rohheitstaten fasst die Polizei Körperverletzungsdelikte, Raub, räuberische Erpressung, Freiheitsberaubung, Nötigung und Bedrohung zusammen. Dagegen machen Straftaten gegen das Leben 0,03 Prozent (10 Fälle).

Sinkende Zahlen bei Raubdelikten und sexuellen Straftaten

Bei Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung verzeichnet die Polizei sinkende Fallzahlen (508), 2024 waren es 546). Konkret sind die Fälle von sexuellem Kindesmissbrauch von 113 im Jahr 2024 auf 68 im vergangenen Jahr gesunken. Auch die Verbreitung, Erwerb, Herstellung und der Besitz von Kinderpornografie ist von 128 (2024) auf 102 Fälle gesunken. „Das dürfte insbesondere den erheblichen Anstrengungen geschuldet sein, die auf Landesebene und im Rhein-Erft-Kreis unternommen worden sind“, sagt Beyer. Dagegen sind die Zahlen von sexueller Belästigung um etwa 15 Przent auf 94 Fälle gestiegen. Ebenfalls angestiegen sind die Taten im Bereich Vergewaltigung, sexueller Nötigung und sexuellem Übergriff im besonders schweren Fall von 71 (2024) auf 80 im vergangenen Jahr.

Bei Raubdelikten sind die Fallzahlen von 206 auf 194 leicht gesunken, aber leider sank auch die Aufklärungsquote von über 62 Prozent auf 51 ab. „Das werden wir stärker in den Blick nehmen“, sagte Beyer, wobei es in den vergangenen Jahren vermehrt Serienstraftaten gegeben habe, in denen die Polizei viele Fälle auf einmal klären konnte, was die Quote verbessert habe.

Kriminelle Einbrecherbanden im Kreis aktiv

Sorgen bereitet der Polizei der Bereich der Einbruchskriminalität. Hier sind die Fallzahlen um knapp 100 Taten auf 1538 gestiegen. Darin enthalten sind neben Einbrüchen in Häuser und Wohnungen auch Taten in Büros oder Dienstgebäude sowie in Kellerräume von Mehrfamilienhäusern. Betrachtet man nur die Fälle von Wohnungseinbrüchen, so ist die Zahl der Taten um knapp 90 auf 699 gesunken. Aufgeklärt werden konnten davon nur 11 Prozent der Taten. „Das dürfte dem geschuldet sein, dass viele professionelle Täter und Banden aktiv sind, die hochmobil sind“, sagt Beyer. Die Aufklärungsquote bei lokalen Tätern sei höher.

Mit der Legalisierung von Cannabis sind die Rauschgiftdelikte weiterhin gesunken (489 Fälle, 2024: 887). Dafür habe die Polizei im letzten Jahr zwei große Fälle gehabt. „Einmal haben wir 535 Kilo Haschisch sichergestellt“, sagt Beyer. In einem anderen Fall sei es der Polizei gelungen, eine angebliche Lieferung Tortilla-Wraps sicherzustellen, in der zwar auch eine Palette der Wraps enthalten war, aber auch 165 Kilogramm Marihuana.

Entgegen des Landes- und Bundestrend habe die Polizei aber nicht vermehrt Kokain sichergestellt. 2023 habe die Polizei noch 15 Kilogramm Kokain sichergestellt, 2024 nur noch 2,5 Kilogramm und 2025 nur noch 250 Gramm. Die Kontrollintensität sei gleichbleibend hoch geblieben.

Starker Anstieg der Straftaten in Wesseling

Aufgeschlüsselt auf die Kommunen verzeichnen die bevölkerungsreichsten Städte die meisten Straftaten. „Wir haben steigende Fallzahlen in Pulheim“, sagt Beyer. „Das sind insbesondere Körperverletzungsdelikte, schwerer Diebstahl und sonstiger Betrug gewesen.“ Wesseling (2706 Fälle) verzeichnet den höchsten Anstieg an Fällen. Hier erfasste die Polizei 9,96 Prozent mehr Straftaten als im Vorjahr – insbesondere Körperverletzung, Diebstahl und Kelleraufbrüche und Sachbeschädigung haben zugenommen.

In Erftstadt (2512 Fälle, 4,23 Prozent Anstieg) nahmen Fälle von Betrug, Ladendiebstahl und sonstiger schwerer Diebstahl. In Frechen ist die Anzahl an Straftaten um 9,34 Prozent gesunken  „Das betrifft insbesondere Betäubungsmitteldelikte, die im Zusammenhang mit dem Postverteilzentrum stehen“, sagt Beyer. In Bedburg erfasste die Polizei knapp 5 Prozent weniger Straftaten (1886 Fälle).

Weniger Kinder unter den Tatverdächtigen

Die Tatverdächtige bei den ermittelten Straftaten sind dabei mit 73,7 Prozent in großer Mehrheit Männer. Ihr Anteil ist aber im Vergleich zum Vorjahr um knapp zwei Prozent gesunken, wohingegen der Anteil weiblicher Tatverdächtiger um 6,51 Prozent zugenommen hat. „Das sind überwiegend Diebstahlsdelikte, bei denen Frauen stärker in Erscheinung getreten sind“, sagt Beyer.

Erfreulich sei auch, dass es weniger Kinder unter den Tatverdächtigen gegebben habe. 2025 sind 447 Kinder tatverdächtig geworden, im Vorjahr waren es noch etwa 50 mehr. „Wir haben natürlich auch Präventionsprogramme, um Kinder, die straffällig werden, frühzeitig abzuholen“, so Beyer. Die meisten Tatverdächtige sind über 21 Jahre alt (10.324). Fast unverändert sind die Zahlen bei den Jugendlichen von 14 bis unter 18 Jahren (973) und Heranwachsenden (779).

In diesem Jahr will sich die Polizei das Thema Straßenkriminalität vornehmen und einen Fokus auf die Bekämpfung von Intensivtätern legen.