Drei von sieben Vorstandsmitgliedern sind zurückgetreten. Das Führungsduo will daraus nur begrenzt Konsequenzen ziehen.

VorstandskriseBei den Grünen in Rhein-Erft gehört alles auf den Prüfstand

Ein Riss geht durch den Vorstand der Grünen im Rhein-Erft-Kreis. Zieht sich dieser auch durch die Partei
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Schon nach der Kommunalwahl im September vorigen Jahres war bei den Grünen Wunden lecken angesagt. Sie mussten deutliche Verluste hinnehmen, gerade im Norden des Kreises – in Elsdorf, Bedburg und Bergheim fiel das Ergebnis ernüchternd aus. Zudem fanden sie sich in zwei Städten, in denen sie in den Jahren zuvor als Teil einer Ratsmehrheit mitgestalten konnten, plötzlich in der Opposition wieder: in Brühl und in Wesseling.
In beiden Städten setzte die siegreiche CDU auf die SPD als Partnerin. Dass die Christdemokraten in Erftstadt einen Koalitionsvertrag mit den Grünen eingingen, konnte da nur als schwacher Trost gelten. Immerhin: Die Grüne Simone Holderied vermochte in Brühl den späteren Amtsinhaber Dr. Marc Prokop (CDU) in eine Stichwahl zu zwingen.
Die Jamaikakoalition im Kreistag hat trotz Verlusten weiter Bestand
Christian Schubert, einer der beiden Vorsitzenden der Kreispartei, fand das Abschneiden seiner Grünen gleichwohl gar nicht so schlecht: Während Umfragen die Grünen im Herbst bei rund elf Prozent im Bund sahen, hätten sie im Rhein-Erft-Kreis 13 Prozent erreicht. Und, das soll nicht verschwiegen werden, die Jamaika-Koalition im Kreistag hat weiter Bestand. Darauf legt ein Teil der Grünen ein besonders großes Interesse – wogegen für Otto-Normalverbraucher das, was in der Kreisstadt debattiert und entschieden wird, oft nicht nur geografisch weit weg erscheint.
Zeitlich näher als manchem lieb sein kann, ist dagegen die Landtagswahl im April 2027. Ganze zwölf Monate bleiben den Parteien, um die Wählerinnen und Wähler davon zu überzeugen, dass sie bei ihnen das beste inhaltliche Angebot vorfinden, um bei ihnen ihr Kreuz zu machen. Und natürlich, dass die Personen, die die jeweiligen Programme vertreten, Vertrauen wecken und Sympathie genießen.

Thommy Mewes hat den Vorstand der Grünen im Rhein-Erft-Kreis verlassen.
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Die SPD schafft am heutigen Samstag als erste der Parteien im Rhein-Erft-Kreis die Voraussetzungen dafür. In Bedburg werden die Kandidatinnen und Kandidaten für die drei Landtagswahlkreise gewählt. So weit sind die Grünen längst noch nicht. Gegenwärtig kursieren ein paar Namen potenzieller Bewerber, ein kürzlich anberaumtes Treffen im engeren Zirkel der Entscheider wurde jedoch abgesagt.
Was nicht wundert, denn die Grünen haben ganz andere Probleme, vor allem mit sich. Wie diese Zeitung in dieser Woche exklusiv berichtet hat, wird die Partei von Querelen im Kreisvorstand erschüttert. Ende März war zunächst Kassierer Thommy Mewes zurückgetreten. Ihm folgten die Beisitzerinnen Britta Sonntag und Elisabeth Kühl. Alle drei waren erst 2025 in den siebenköpfigen Vorstand gewählt worden.
Mewes beklagt, dass „der Wille zu internen Veränderungen sehr schwach ausgeprägt sei“ und der Vorstand „in seiner aktuellen Zusammensetzung und Arbeitsweise nicht handlungsfähig ist“. Sonntag und Kühl zeigen sich ebenfalls enttäuscht darüber, dass es nicht gelinge, Reformen auf den Weg zu bringen.
Was läge angesichts einer solchen Vertrauenskrise näher, als einen kompletten neuen Vorstand wählen zu lassen? Das aber haben Schubert und die Co-Vorsitzende Janina Zensus nicht vor. Im Mai sollen nur die drei frei gewordenen Positionen mit dem Votum der Basis neu besetzt werden.
Damit blendet das Führungsduo aus, dass sich die Kritik der ehemaligen Vorstandskollegen auch gegen sie richtet und es schließlich nicht gelungen ist, Reformen gegen Widerstände aus der Kreistagsfraktion durchzusetzen.
Bei den Grünen muss alles auf den Prüfstand. Das wäre ehrliche Politik.
