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Über Jahre gewachsenAntoniuskolleg in Neunkirchen-Seelscheid feiert 125-jähriges Bestehen

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Anfänge im Kuh- und Ziegenstall: Das Antoniuskolleg in Neunkirchen feiert sein 125-Jähriges Bestehen. 

Neunkirchen-Seelscheid Gymnasium Malteser Werke

Anfänge im Kuh- und Ziegenstall: Das Antoniuskolleg in Neunkirchen feiert sein 125-Jähriges Bestehen. Neunkirchen-Seelscheid Gymnasium Malteser Werke

Die Schülerinnen und Schüler vergruben zum Fest eine Zeitkapsel mit Dokumenten vom Jubiläum für die Nachwelt.

Nur für Jungen war das Antoniuskolleg einst gedacht – das war nicht ungewöhnlich. Denn 1899, im ersten Jahr der Schule, war Mädchen in Deutschland der Weg zum Abitur verbaut; Ausnahmefall war Baden. In Preußen war die höhere Bildung erst ab 1908 für das weibliche Geschlecht zugänglich. Die Koedukation, der gemeinsame Unterricht, wurde in West-Deutschland erst in den 1950er und 1960er Jahren als Regelfall eingeführt, am Gymnasium in Neunkirchen-Seelscheid erst 1970/1971.

Eine Zeitkapsel mit Dokumenten vom Jubiläum haben die Schülerinnen und Schüler für die Nachwelt vergraben.

Eine Zeitkapsel mit Dokumenten vom Jubiläum haben die Schülerinnen und Schüler für die Nachwelt vergraben.

Das Antoniuskolleg feiert in diesem Jahr sein 125-jähriges Bestehen. Aber halt, da passt doch etwas nicht: Von 1899, als Pfarrer Heinrich Schaaf die ersten 17 Schüler im früheren Kuh- und Ziegenstall unterrichtete, bis 2026 sind es 127 Jahre. Erläuterung: Im dritten Schuljahrgang wurde die ehemalige Vikarie zum Konvikt für die 50 Pennäler ausgebaut, 1901 gilt daher als Gründungsjahr.

NS-Regierung löste kirchliche Einrichtung auf – Wiedereröffnung erst 18 Jahre danach

Nun konnten alle Internatsschüler untergebracht werden, die Privatschule erhielt die staatliche Anerkennung. In den folgenden Jahren wuchs die Schule und es wurde gebaut und angebaut. Lange überwog die Zahl der Internatsbewohner. Ab August 1925 leitete Prälat Peter Lewen als Direktor die höhere Schule, musste jedoch zum 1. April 1939 die Schließung verkünden – die nationalsozialistische Regierung löste die kirchliche Einrichtung auf. Bis zur Wiedereröffnung sollte es 18 Jahre dauern.

Die Gebäude dienten zunächst als Erziehungsanstalt der Nazis, gegen Ende des Zweiten Weltkrieges zogen sich die Elitetruppen Hitlers (1944) dorthin zurück. Es war Seuchenlazarett für Soldaten der Alliierten, dann Kinderheim. 1957 wurde ein Vertrag zwischen den Salesianern Don Boscos und dem durch Prälat Peter Lewen vertretenen „Verein zur Förderung des höheren Studiums“ geschlossen, am 25. April begann der Schulbetrieb unter dem neuen Namen „Antoniuskolleg“ mit 34 Internatsschülern. 1958 wurde das Schwesternhaus eingeweiht, in dem die für die Hauswirtschaft zuständigen Ordensschwestern wohnten.

1080 Schülerinnen und Schüler zur Jahrtausendwende

Eine Turnhalle, 1959 durch Prälat Lewen eingeweiht, und weitere Bauten kamen im Lauf der Jahrzehnte hinzu. Im Februar 1998 wurde der Internatsbetrieb eingestellt, zur Jahrtausendwende besuchten 1080 externe Schüler und Schülerinnen das Antoniuskolleg. 2008 zogen sich die Salesianer Don Boscos zurück, die Malteser Werke stiegen ein und übernahmen 2014 offiziell die Trägerschaft. Und wieder wurde gebaut, modernisiert und abgerissen. 2015 wurde der Eingang mit der 1958 entstandenen Schutzengel-Figur von Heribert Calleen, die zuvor als Wetterfahne gedient hatte, neu gestaltet. 1200 Schülerinnen und Schüler besuchen heute das Gymnasium, das weit über die Gemeindegrenzen hinaus seine Anziehungskraft entfaltet.

Hier ist einiges anders: Zum Beispiel fand bis 2001 der Unterricht an sechs Tagen in der Woche statt. Bis zum Abitur ist das Fach Religion mindestens als Grundkurs zu belegen. Und früher als an anderen Schulen wurde damals sogenannte Turbo-Abitur nach zwölf Jahren eingeführt.

Zu den prominenten ehemaligen Absolventen gehören Andreas Pinkwart, Ex-Wissenschaftsminister von NRW; Joe Chialo, Ex-Kultursenator von Berlin; Sportreporterin Claudia Neumann und Ralph Caspers; Fernsehmoderator und Schauspieler. Beim Fest zum 125-jährigen standen Gegenwart und Zukunft im Mittelpunkt. Feierlich wurde eine Zeitkapsel zur Erinnerung an das Fest auf dem oberen Schulhof vergraben, wie Lehrerin Daniela Halft berichtet. Für unbestimmte Zeit – bis die Box vielleicht bei den nächsten Bauarbeiten ans Licht geholt wird.