Angefangen hat die Lebensgemeinschaft mit einem Ort für Kinder mit geistigen und körperlichen Einschränkungen. INzwischen gibt es elf Wohnhäuser.
Gemeinsam gewachsenLebensgemeinschaft Eichhof in Much feiert 30-jähriges Bestehen

Michael Ziegert (links) und Annette Brittner mit einem Bewohner des Lebensgemeinschaft Eichhof.
Copyright: Markus Peters
Feiern – das kann man am Eichhof. Mit einem großen Sommerfest begingen Bewohner, Mitarbeitende, Familien und Freunde das 30‑jährige Bestehen der Lebensgemeinschaft.
Aus der Eigeninitiative von rund einem Dutzend Familien, die für ihre heranwachsenden Kinder mit geistigen und körperlichen Einschränkungen einen Lebens- und Arbeitsort schaffen wollten, ist inzwischen eine Einrichtung mit elf Wohnhäusern, Werkstätten, Landwirtschaft und einem Bioladen geworden. Heute beherbergt das einstige landwirtschaftliche Areal im Bröltal 112 Menschen stationär und bietet rund 150 Arbeitsplätze in der Werkstatt.
In der Werkstatt enstehen fast ausschließlich Eigenprodukte
Die Entwicklung war keineswegs so geplant, erinnert sich Michael Ziegert, Vorsitzender des Freundeskreises Lebensgemeinschaft Eichhof, in dem vorwiegend die Eltern der Bewohner organisiert sind: „Wir wollten für unsere Kinder einen Ort schaffen, wo sie als Erwachsene dauerhaft leben können.“ Dafür sammelten die Eltern mehrere hunderttausend D‑Mark für den Grundstückskauf. Erst danach sagte der Landschaftsverband Rheinland seine Unterstützung zu. „Anschließend kam der Punkt, dass die Bewohner auch irgendwo arbeiten müssen.“

Eine Stellwand erinnert an die Geschichte des Projekts.
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Als der Landschaftsverband für eine Werkstatt mindestens 120 Mitarbeitende voraussetzte, „ist das quasi eskaliert“, sagt Ziegert. Die Werkstatt unterscheidet sich bewusst von klassischen Industriearbeitsplätzen für Menschen mit Einschränkungen. Hier entstehen fast ausschließlich Eigenprodukte: Kerzen, Holz- und Metallarbeiten, Keramik, Backwaren und landwirtschaftliche Erzeugnisse. „Die Menschen bekommen vom Rohstoff bis zum Endprodukt alles mit“, erzählt Wohnbereichsleiterin Annette Brittner, die seit 2007 dabei ist. Verkauft wird im eigenen Bioladen, online und bei Festen. Angeleitet werden die Beschäftigten von handwerklich und pädagogisch ausgebildeten Fachkräften.
So viel Hilfe wie nötig und so wenig wie möglich.
Auch das Wohnen ist vielfältig organisiert. Neben größeren Wohngruppen gibt es ambulante Wohnungen und Trainingsbereiche, die mehr Selbstständigkeit ermöglichen. „So viel Hilfe wie nötig und so wenig wie möglich“, erläutert Brittner. Die Freiräume der Bewohner sind heute deutlich größer als früher: Rückzugsmöglichkeiten, individuelle Tagesgestaltung und flexible Betreuung gehören zum Konzept. Auch ist es möglich, zwischen den Wohnbereichen zu wechseln.
Ein besonderes Merkmal des Eichhofs ist seine Struktur: Mitarbeitende und Angehörige sind gleichberechtigte Gesellschafter in zwei getrennten Vereinen. Entscheidungen müssen gemeinsam getragen werden – was die Verbundenheit der Gemeinschaft stärkt. Beziehungen und Ehen unter den Bewohnern gehören ebenso selbstverständlich dazu wie ein eigener Friedgarten, in dem Bewohner, Angehörige und Mitarbeitende beerdigt werden können.

Die Tanzgruppe zeigte ihr Können.
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Der Alltag auf dem Eichhof ist klar strukturiert: Pflege und Frühstück ab 6 Uhr, Arbeitsbeginn um 8.30 Uhr, Freizeitangebote am Nachmittag – Sport, Musik, Orchester, Spaziergänge. Rund 30 bis 40 Ehrenamtliche unterstützen regelmäßig.
Idee des eigenen Eichhofer Dreigestirns entstand vor zwölf Jahren
Weithin bekannt ist das Eichhof-Dreigestirn, das auf Initiative einer „ziemlich jecken Mitarbeiterin“ ins Leben gerufen wurde, erinnert sich Brittner. „Vor zwölf Jahren entstand die Idee eines eigenen Dreigestirns, um Inklusion sichtbar zu machen. Seitdem tritt das Dreigestirn in Siegburg, Hennef, Köln und der Region auf – mit großer Resonanz.“
Auch die Anbindung an Much ist eng: „Früher musste man erklären, wer der Eichhof ist. Heute kennt ihn jeder. Die Zusammenarbeit mit der Gemeindeverwaltung ist eng, die Bewohner sind im Alltag präsent – beim Einkaufen, im Café, im Ort.“
Inzwischen sind die ersten Bewohner im Rentenalter – eine neue Herausforderung für die Gemeinschaft. Ein kleiner Bauplatz wäre noch verfügbar, doch Expansion ist nicht das Ziel, sagt Ziegert: „Wir wollen das nicht zu sehr wachsen lassen. Die jetzige Größe ist gut für die Menschen.“ Beim Sommerfest traten das Bewohner-Orchester und die Tanzgruppen auf, für den Abend hatten sich die Bläck Fööss angekündigt.
