Rund um die Dorfkirche in Seelscheid beteiligte sich der Evangelische Kirchenkreis An Sieg und Rhein erstmals an der bundesweiten Aktion.
Aktion Einfach HeiratenGeistliche und Paare feierten die Liebe in Seelscheid

Einfach heiraten hieß die bundesweite Aktion, an der sich auch der evangelische Kirchenkreis An Sieg und Rhein in Seelscheid beteiligte.
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Der Traum in Weiß, das rauschende Fest, ein Event mit Hochzeitsfotografen und Fahrt zur Kirche im Oldtimer, Hochzeitstorte mit vier Etagen: All das sollte die Aktion „#Einfach Heiraten“ gerade nicht sein. Stattdessen galt es am 26.6.2026, so die Verantwortlichen des Evangelischen Kirchenkreises An Sieg und Rhein, „die Liebe in einem feierlichen unkomplizierten Rahmen unter Gottes Segen zu stellen“.
Noch am Vortag gingen Anmeldungen beim Kirchenkreis in Siegburg ein
54 Anmeldungen hatte es im Vorfeld gegeben, noch am Vortag hätten sich Paare gemeldet, berichtete Kirchenkreissprecherin Anna Neumann in Seelscheid. „Ich denke, dass Paare die Chance ergreifen, weil die Schwelle so niedrig ist“, sagte Superintendentin Almut van Niekerk. Es sei „ein Angebot“ in einer Zeit, da die Berührungspunkte mit Kirche oft klein seien. „Es geht um die Paare“, betonte van Niekerk. „Es ist aber auch eine tolle Aktion im Sinne von kreuz und quer verbinden“ – dem Motto des Kirchenkreises.

In der sommerlich-ländlich geschmückten Remise am Gasthof Röttgen ließen sich Fabian und Hanna Banzer aus Wuppertal kirchlich trauen. Vor sechs Jahren hatten sie standesamtlich geheiratet.
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In der Dorfkirche, im Rondell nebenan und unter dem Segensschirm auf der anderen Seite der Kirche, aber auch in der Remise gegenüber des Gasthofs Röttgen feierten die Geistlichen die Liturgie. Dort zelebrierte Sabrina Frackenpohl-Koberski beispielsweise die kirchliche Trauung von Hanna und Fabian Banzer. Am 27. Juni 2020 hatten sie standesamtlich geheiratet, am 26. Juni 2021 wollten sie die kirchliche Trauung feiern. Corona aber durchkreuzte auch ihre Pläne.
Im sommerlich-weißen Hosenanzug – „den hatte ich auf dem Standesamt getragen“ – war die Braut, die aus Much stammt und mit ihrer Familie in Wuppertal lebt, nach Seelscheid gekommen. Der Bräutigam trug Shorts und T-Shirts; die zwei Kinder schauten zu, während ein leichter Wind die Luftballons am Tor leicht bewegte. „Wir wollten nicht viel Bohei darum machen“, erklärte Hanna Banzer die Entscheidung, unaufgeregt sollte der Tag weitergehen: „Wir gehen was Leckeres essen und verbringen einen schönen Tag zusammen.“

„Ein Angebot“ sei das ungewöhnliche Format, sagte Superintendentin Almut van Niekerk.
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Anders, als der Name vermuten lässt, gab es keineswegs nur Trauungen an diesem Tag. „So unterschiedlich, wie man sich das vorstellen kann“ seien die Anmeldungen, sagte die Superintendentin: Unverheiratete Paare konnten ihre Beziehung segnen lassen, Ehepartner, die nach 45 Jahren nicht noch einmal fünf Jahre auf die Erneuerung des Segens warten wollten. Auch zwei Frauen hätten sich als Paar zur Segnung angemeldet, wusste Sprecherin Anna Neumann. Eine halbe Stunde vor der Zeremonie lernten sich Geistliche und Paare bei einem Vorgespräch kennen.
Das Schöne ist, dass man den Segen nicht nur bekommt, wenn man heiratet
Eine der vielen Lebensgeschichten, die am Freitag in Seelscheid erzählt wurden, ist die von Angelika Fischer und Heiner Hentschel aus Troisdorf und Siegburg. Mehr als 20 Jahre waren die beiden schon einmal verheiratet gewesen, ehe sie sich scheiden ließen. Aber sie hätten sich nie aus den Augen verloren, nicht zuletzt dank der gemeinsamen Tochter Ann-Christin hätten sie immer einen guten Kontakt. Und sind seit eineinhalb Jahren wieder ein Paar – in einer Beziehung, die sie segnen ließen.

Pfarrerin Sabrina Frackenpohl-Koberski ist Pfarrerin in Much.
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„Ich habe immer sehr bedauert, dass ich nicht kirchlich geheiratet hatte“, berichtete Angelika Fischer. „Das Schöne ist, dass man den Segen nicht nur bekommt, wenn man heiratet.“ Ob sie auch noch einmal heiraten? Das, so die Antwort der beiden, stehe noch nicht fest.
Mit viel Einsatz hatten ehrenamtlich und hauptamtlich Aktive die einzelnen Orte geschmückt. Rosafarbene Herzen auf dem Asphalt und Luftballons wiesen den Weg, Kirchenbänke und Gartenpavillons waren mit Schleifen und Blumen dekoriert, einen kleinen Biergarten, Planschbecken und Foto-Box hatte der Kirchenkreis spendiert. Und auch auf die Kirchenmusik musste niemand verzichten: In Kirche und Rondell spielten Kirchenmusikerinnen und ihre Kollegen live, für die Trauung eines Paares aus Sankt Augustin waren sogar Mitglieder des dortigen Posaunenchores angereist.

„Basislager“ der beteiligten Haupt- und Ehrenamtlichen: Der Gasthof Röttgen
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Die Stimmung des Augenblicks, das Besondere des Moments spürten an diesem Tag nicht nur die Paare, sondern auch die Geistlichen. „Stark wie der Tod ist die Liebe“, hatte die Hennefer Pfarrerin Antje Bertenrath als Bibelwort für eine Feier ausgewählt, zu der nur eine Person gekommen war. „Sie kennen sich seit 16 Jahren“, erzählte Bertenrath; nun sei der Partner schwer krank, die Zukunft ungewiss. Nach Seelscheid konnte der Partner nicht kommen, die Segensfeier in der Kirche hielt die Geistliche für beide – und zeigte sich nachher tief bewegt. „Dafür hat sich der Tag schon gelohnt für mich.“
