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Wohnen auf der IndustriebracheInvestor will Leben ins alte Huwil-Werk 2 in Ruppichteroth bringen

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Das alte Huwil-Werk 2 ist 27.000 Quadratmeter groß

Industriebrache nahe des Ortskerns: 27.000 Quadratmeter stehen zu 95 Prozent leer, hier könnten Wohnungen und Freizeitangebote entstehen sowie  Gewerbe und Gastronomie einziehen. 

Einen Schub für den Ort soll die Wiederbelebung des alten Huwil-Werks 2 bringen - mit Flächen für Wohnen, Gastro, Freizeit, Handel und Kleingewerbe.

Das alte Huwil-Werk 1 hat eine Erfolgsgeschichte geschrieben. Nach Insolvenz und Umbau floriert der Einzelhandelsstandort mit der markanten Sheddach-Silhouette an der Brölstraße. Nun soll auch dem zweiten ehemaligen Industriestandort nahe des Ruppichterother Zentrums dauerhaft Leben eingehaucht werden.

Die Pläne des Investors fürs Huwil-Werk 2 hätten einhelligen Beifall im Ausschuss für Gemeindeentwicklung, Klima- und Umweltschutz gefunden, berichtet Bürgermeister Matthias Jedich. Mit dem Beschluss, das Bebauungsplanverfahren einzuleiten, ist der erste Schritt gemacht. Für die 27.000 Quadratmeter an der Eitorfer Straße schwebt Entwickler Hanspaul Egge ein neues, attraktives Viertel in den alten Backsteingebäuden und Hallen aus den 1960er Jahren vor.

Appartements für junge Leute und Singles fehlten in Ruppichteroth

Erschwingliche Appartements, für junge Leute, für Singles, Pflegekräfte zum Beispiel, sollen im langgestreckten Gebäude hinter dem markanten Bürohaus an der Zufahrt zum Gelände geschaffen werden, „das fehlt in Ruppichteroth“, sagt Egge im Gespräch mit dieser Zeitung.         

Gegenüber sieht er einen Markt mit kleineren Einzelhandelsgeschäften und Maisonettewohnungen. Im hinteren Teil des langgestreckten Areals könnten sich Betriebe mit nicht störendem Gewerbe ansiedeln. Entlang des Waldbrölbaches wäre Platz für Gastronomie, auch für einen Biergarten und Freizeitangebote. Und das Pförtnerhäuschen an der Eitorfer Straße wäre ideal für einen Kiosk oder eine Eisdiele.   

In den vergangenen Jahren gab es im alten Werk 2, das seitdem Bröltalcenter heißt, zwar Gewerbeansiedlungen, aber nicht dauerhaft; vor allem wegen bürokratischer Auflagen, so der Investor, der 2015 das Gelände aus einer Zwangsversteigerung erworben hatte. Die VR-Bank sei zuvor auf ihn, den erfahrenen Entwickler, zugekommen, erzählt der 64-Jährige: „Ich habe mich überreden lassen.“ Das größte Problem: „Aus der Altlastenverdachtsfläche wurde eine Altlastenfläche.“

Das habe die Nutzung erschwert, Egge nennt ein Beispiel: Eine Firma zog aus, eine andere wollte einziehen, Nutzungsänderungen wurden abgelehnt. „Wir sollten einzeichnen, wo die Regale stehen werden und was darin gelagert werden sollte, das aber konnten wir zu diesem frühen Zeitpunkt noch gar nicht wissen.“

Auch die Ableitung des Regenwassers sei plötzlich zum Problem geworden, dabei sei es doch zuvor schon jahrelang auf die Dächer der leeren Hallen geprasselt. Der Investor weiß viel zu erzählen vom Ringen mit der Bürokratie, vor allem mit den Ämtern im Siegburger Kreishaus.

Pförtnerhäuschen vor Bürogebäude

Ins Pförtnerhäuschen könnten ein Kiosk oder eine Eisdiele einziehen.

Ein großes Lob spricht er hingegen dem neuen Bürgermeister aus. Mit Matthias Jedich sei neuer Schwung in Ruppichteroth eingekehrt. Nach vielen Untersuchungen, Bohrungen und Gutachten wähnt sich Hanspaul Egge nun auf einem guten Weg.

Von den Altlasten gehe laut der vorgelegten Expertisen keine Gefahr aus, diese seien „geostationär“, also in nicht durchlässigen Bodenschichten  konserviert. Die Gebäude sollten schließlich nicht abgerissen werden, sondern saniert und modernisiert. Einige Neubauten plant er auch.

Zu viel, das ist klar
Investor Hanspaul Egge über den Kaufpreis für das Areal, das er 2015 aus einer Zwangsversteigerung erwarb

Zu 95 Prozent stehen die Häuser und Hallen leer, lediglich in einem früheren Fitness-Studio, das die Gemeinde anmietete, sind Geflüchtete untergebracht, laut Gemeindeverwaltung ohnehin nur als Übergangslösung. 

Man müsse in seinem Metier langen Atem haben, erzählt Hanspaul Egge. Den hat er schon in Siegburg bewiesen auf dem alten, 35.000 Quadratmeter großen Phrix-Areal. Rund um den markanten Uhrenturm, der weithin zu sehen ist und Namensgeber war für das neue Turm-Gelände, ist in den vergangenen Jahren ein Mix aus Gewerbe, Freizeit und Gastro entstanden.  

Ein zweistelliger Millionenbetrag soll in die Industriebrache in Ruppichteroth fließen

Im Bröltal will er einen „unteren zweistelligen Millionenbetrag“ investieren, allerdings erst nach und nach. Wieviel er 2015 für das Gelände bezahlt hat, darüber möchte der Investor nicht sprechen, nur so viel: „Zu viel, das ist klar.“ Bis die Industriebrache Gewinne abwirft, darüber könnten noch Jahre ins Land gehen, zumal im Bergischen, wo ein anderes Preisgefüge herrsche als in Köln oder Siegburg.       

Egges Firma, die Ostia GmbH, hat kürzlich ihren Sitz von Köln nach Sankt Augustin verlagert, so ist zumindest der Weg nach Ruppichteroth ein wenig kürzer geworden. Das angestoßene Bebauungsplanverfahren ist der erste Schritt, die Unterlagen liegen noch bis zum 21. Juni öffentlich im Rathaus Schönenberg, Zimmer 106, aus und sind auf der Internetseite der Gemeinde einsehbar. Die beteiligten Behörden und Träger öffentlicher Belange werden beteiligt.

Investor Hanspaul Egge hat schon das Turm-Center in Siegburg entwickelt.

Investor Hanspaul Egge hat schon das Turm-Center in Siegburg entwickelt.

Drei bis fünf Jahre könnte das Verfahren dauern, schätzt der Bürgermeister. Der Investor werde von der Gemeinde jegliche Unterstützung erhalten. Er habe für das „nicht einfache Gelände eine realistisch umsetzbare Vision entwickelt“, lobt Matthias Jedich: „Das Projekt ist ein Riesen-Gewinn für Ruppichteroth.“   


Aus der Geschichte

Die Gebrüder Willach legten 1889 in Ruppichteroth mit ihrem Handelsgeschäft für Schlösser und Beschläger den Grundstein für das  Familienunternehmen, 1952 in Huwil (nach Hubert Willach) umbenannt.  1904 wurde das erste Werk an der Brölstraße errichtet, von dem nur noch die markanten Sheddach-Hallen erhalten sind. Es folgten die Erweiterungen mit den Standorten an der Eitorfer Straße (1960er-Jahre) und in Waldbröl (1970). Zu Hochzeiten hatte Huwil mehr als 1000  Beschäftigte. 2004 kam die erste Insolvenz, 2006 stieg die britische Firma Titus ein, 2010 folgte das endgültige Aus. 2010 erwarb die Schoofsgruppe Huwil 1, auf den 21.000 Quadratmetern entstand das 2015 eröffnete  Einzelhandelszentrum. Huwil 2 wurde 2015 zwangsversteigert.