Viele Zuschauerinnen und Zuschauer kamen nach Neunkirchen-Seelscheid, um die Sonnenfinsternis zu beobachten.
„Sieht aus wie Pacman“So erlebten die Menschen im Rhein-Sieg-Kreis die Sonnenfinsternis

Der Mond schiebt sich vor die Sonne - gesehen von Neunkirchen-Seelscheid aus.
Copyright: Marius Fuhrmann
Auch im Rhein-Sieg-Kreis versuchten zahlreiche Menschen am Mittwochabend (12. August), einen guten Blick auf die Sonnenfinsternis zu erlangen. In Neunkirchen-Seelscheid und Lohmar etwa versammelten sich viele Schaulustige auf den Höhenrücken.
Ein Geheimtipp sind die Feldwege zwischen Hove und Straßen in Neunkirchen-Seelscheid nicht, wer regelmäßig die B56 entlangfährt, kennt die Sicht auf das Panorama mit Kölner Dom und Colonius. An diesem Abend am wichtigsten: Dort ist Westen.
Familie Peth kam mit dem Campingbus für das Spektakel
Gegen 19 Uhr parken die ersten Autos am Wegesrand, bis zu 50 werden es eine Stunde später sein. Zwei Frauen haben sich auf ein Fahrzeugdach gesetzt, die Beine baumeln durchs Schiebedach. „Die Sonne sieht aus wie Pacman“, ruft eine von ihnen. Wer keine spezielle Brille dabei hat, hat keine Chance auf die Kontur zwischen Dunkel und Hell – selbst im Abendlicht ist die Sonne zu grell.

Foto durch die Brille: Anders als 1999 versuchten viele, das Spektakel fotografisch festzuhalten.
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Aus einem Campingbus heraus blickt Familie Peth auf den hellen Lichtkegel, der über einem Maisfeld gen Horizont sinkt. Vater Christian zaubert eine Schachtel mit Plastikbrillen hervor und verteilt sie an seine beiden Kinder. „Freunde haben die bei Amazon bestellt und uns ein paar Brillen überlassen. Bei uns im Dorf sitzen die Leute in ihren Gärten, aber wir dachten, wir suchen uns einen besseren Platz“, schildert er. Sein Sohn, fast zwei, und seine Tochter, bald vier, interessiert das Spektakel jedoch eher wenig, sie wälzen sich zum Unmut der Eltern im Staub.
Dabei sein ist alles: Sie kriegen es vielleicht nicht mit, aber später können sie sagen, dass sie dabei waren.
„Dabei sein ist alles: Sie kriegen es vielleicht nicht mit, aber später können sie sagen, dass sie dabei waren“, sagt Jen Peth. Wie sie bei der Sonnenfinsternis von 1999: „An das Ereignis kann ich mich nicht erinnern, aber alle hatten diese Brillen auf.“ Ihre SoFi-Gestelle, die nichts durchlassen außer dem, was sie sollen, reichen sie gern an Umstehende weiter, damit die auch einen kurzen Blick erleben können. „Ich habe das Gefühl, es wird schon dunkler“, stellt Christian Peth fest.

Marco Schmors und Veronique Binder schauen bei Hove durch zwei Schweißer-Brillen.
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Währenddessen nesteln Marco Schmors und Veronique noch an ihren Schweißer-Brillen herum. „Ich kann schweißen und habe welche zu Hause“, erklärt der Familienvater. Man müsse einen Knopf gedrückt halten, um durch die Scheibe gucken zu können – das klappt aber tatsächlich ganz gut, der Blick auf Sonne und Mond ist klar. „Fotos kann man so leider nicht machen, das macht man für sich und den Moment“, sagt der Neunkirchen-Seelscheider.
Lange Schlange an Autos steht an der Kapelle in Lohmar-Halberg
Gegen 20.15 Uhr erreicht die Verdunkelung ihr Maximum, die Szenerie wirkt wie ein Tag ohne Nacht am nördlichen Polarkreis. Tatsächlich werden die Schatten der Menschen und Autos länger, aber irgendwie anders als in einer normalen Abenddämmerung. Es wird merklich kühler. Bei jedem Blick steht der dunkle Schatten ein wenig mehr vor der Sonne.
Auch an der Kapelle in Halberg in Lohmar ist der Blick nach Westen gut, die Autos stehen hier in einer langen Schlange den Feldweg hinunter. Selbst die Feuerwehr ist da: Die Ehrenamtlichen sitzen ebenfalls auf den Dächern ihrer Fahrzeuge. Mehrere Schaulustige fläzen sich in Campingstühlen und auf Picknickdecken.
Darunter sind Leon, Louisa, Emma und Anja aus Lohmar. Ihre Nachnamen möchten sie nicht nennen. Anja kann sich noch gut an die Sonnenfinsternis von vor 27 Jahren erinnern. „Brillen hat man damals keine bekommen“, sagt sie. „Aber es war hier in der Region auch sehr bewölkt, man sah die Sonne gar nicht. Heute spielt das Wetter mit, das ist schon ein einmaliges Erlebnis. Halberg ist ein Hotspot, wegen der Kölner Skyline im Hintergrund, auch an Silvester.“

Leon, Louisa, Emma und Anja (v.l.n.r.) beobachteten die Sonnenfinsternis in Halberg auf Campingstühlen.
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Emma schmerzen dagegen die Augen ein wenig. „Ich habe blaue Augen, solche Menschen sind empfindlicher, selbst wenn sie durch eine spezielle Brille schauen“, sagt sie. Aber entgehen lassen wollen sie sich die Sonnenfinsternis alle nicht. Der Mondschatten tritt da bereits wieder aus der Bahn der Sonne heraus, die nun neben Dom und Fernsehturm versinkt. Viele genießen noch den Sonnenuntergang, dann löst sich auch der Pulk in Halberg auf.
