Brahim Elhajoui, Migrationsberater der Diakonie an Sieg und Rhein bietet Sprechstunden im Jobcenter an, um zu helfen.
Erstmal kennenlernenBerater aus Rhein-Sieg will Menschen mit Migrationshintergrund in die Berufswelt helfen

Brahim Elhajoui ist erfahrener Migrationsberater und beschäftigt sich mit den Hintergründe der Hilfesuchenden.
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Traumatisiert von der Flucht, als Alleinerziehende stark überlastet, überfordert mit einem unbekannten System, das per verrätselter Fremdsprache kommuniziert: Der Austausch mit Ämtern hierzulande kann schon für Muttersprachler herausfordernd sein, wird nicht selten zur Geduldsprobe – für einige Menschen mit Migrationsgeschichte sind Behörden schlichtweg unverständlich.
Der Migrationsberater der Diakonie an Sieg und Rhein, Brahim Elhajoui, möchte Hilfesuchenden die behördlichen Prozesse näherbringen, ihnen Orientierung geben und sie zu Ansprechpartnern lotsen. Hierfür bietet der 55-Jährige seit Oktober 2025 eine Sprechstunde im Jobcenter Rhein-Sieg in der Kreisstadt an. Die Beratung zielt nach Angaben der Einrichtung darauf ab, Erwachsene ab 27 Jahren bei Behördenpost, Anträgen, Sprachkursen oder der beruflichen Integration zu unterstützen.
Ein Austausch in der Muttersprache trägt zum offenen Austausch bei
Elhajoui ist vor 34 Jahren nach Deutschland gekommen, hat Pädagogik, Soziologie und Psychologie studiert und spricht neben Deutsch fließend Arabisch und Französisch. „Ich arbeite seit etwa 26 Jahren bei der Diakonie An Sieg und Rhein“, berichtet er. Während dieses Zeitraums wurde von 2013 bis 2023 die Migrationsberatung der Diakonie für erwachsene Zuwanderer, auch MBE-Sprechstunde genannt, im Jobcenter in Sankt Augustin angeboten. Elhajoui hat hier Hilfesuchende beraten. Laut Elhajoui musste das Angebot aufgrund der unzulänglichen Räumlichkeiten nach einem Umzug beendet werden.
Bei dem Angebot in Siegburg versteht sich der Berater als Schnittstelle zwischen den Menschen, die vorstellig werden, und dem Jobcenter oder anderen Institutionen. „Es hilft, dass ich die Muttersprache einiger Menschen spreche, das schafft Vertrauen, dass ich ihre Probleme schnell löse.“
Er nehme sich Zeit, um die Personen und ihren Hintergrund kennenzulernen „Wenn jemand eine Beratung verpasst, frage ich erst einmal nach, woran es lag. Das Kind einer Alleinerziehenden war krank? Das muss man verstehen!“ Es komme auch vor, dass behördliche Prozesse ins Stocken gerieten, da Dokumente der Antragstellenden fehlten. Auch hier liege häufig kein böser Wille vor. „Ich gehe der Sache erstmal auf den Grund: Gibt es Sprachprobleme? Familiäre Probleme? Gesundheitliche Probleme?“ Nach der Erfahrung von Elhajou vergessen einige Personen Termine zum Beispiel aufgrund ihrer Medikation. Nach einem offenen Gespräch und der Kooperation mit dem Jobcenter ließen sich derartige Probleme im Regelfall lösen.
Sabine Schultz, die Pressesprecherin des Jobcenter Rhein-Sieg, lobt seine Herangehensweise: „Es braucht manchmal Zeit, die Leute kennenzulernen. Bei Herrn Elhajoui können sich einige Leute eher öffnen.“ Sie selbst habe lange als Vermittlerin gearbeitet und keine Totalverweigerer erlebt, so wie es oftmals medial oder im politischen Diskurs verzerrt werde. „Es gibt Menschen, die fallen einfach durchs Raster“, sagt Schultz.
Brahim Elhajoui lobt im Gegenzug die Mitarbeitenden im Siegburger Jobcenter: „Es wird überwiegend negativ über Jobcenter berichtet. Die Kollegen im Empfangsbereich arbeiten allerdings unter schwierigen Bedingungen und machen eine hervorragende Arbeit.“ Einige Fälle würden mit kurzen Wegen möglichst schnell und unbürokratisch abgewickelt.
Ein notwendiges Beratungsangebot
Warum braucht es diese Beratung für Menschen mit Migrationshintergrund? „Es ist bedarfsorientiert“, erläutert Elhajoui. Die Diakonie habe vorher die entsprechenden Daten erhoben und eine hohe Nachfrage festgestellt. Auch für das Angebot im Jobcenter in Siegburg sei eine statistische Erfassung geplant. Die Einrichtung in der Kreisstadt zeichnet für die rechtsrheinischen Kommunen Lohmar, Neunkirchen-Seelscheid, Much, Ruppichteroth, Hennef und Siegburg verantwortlich. Falls jemand aus einer anderen Kommune bei Elhajoui vorstellig werde, verweise er die Person an die zuständige Stelle.
Verschlechterte Rahmenbedingungen für Integrationskurse
Nicht nur der Bedarf an Beratung sei ausschlaggebend, Brahim Elhajoui verweist auch auf eine herausfordernde Lage der Hilfesuchenden: „Leider sind die Folgen der veränderten Bedingungen von Integrationskursen bereits spürbar. Es dauert lange, einen Platz zu finden.“ Er bezieht sich damit auf das Trägerrundschreiben, das das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) am 9. Februar 2026 verschickt hatte. Demnach werden im laufenden Haushaltsjahr bis auf Weiteres keine Zulassungen zur Teilnahme an Integrationskursen (nach Paragraf 44 Absatz 4 des Aufenthaltsgesetzes) mehr erteilt. Das ist faktisch ein Zulassungsstopp, der unter anderem Geduldete, Asylbewerber und -bewerberinnen, Ukrainerinnen und Ukrainer sowie Menschen aus der EU betrifft.
Der Anlage des Rundschreibens ist zu entnehmen, dass Anträge, die dem BAMF vorliegen, schrittweise abgelehnt werden. Bereits zugelassene Kursanträge behielten ihre Gültigkeit. In Ablehnungsbescheiden weise man künftig auf Selbstlernangebote hin. Die Gründe für den Stopp sind nach Angaben des BAMF finanzieller Natur. Man wolle eine dauerhaft tragfähige Finanzierung des Kurssystems sicherstellen, müsse die Ausgaben strikter an den verfügbaren Haushaltsmitteln ausrichten.
„Das ist eine katastrophale integrationspolitische Fehlentscheidung, die sofort zurückgenommen werden muss“, wird Joachim Rock, Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbandes, vom Verband Der Paritätische NRW zitiert: „Integrationskurse sind weit mehr als Deutschunterricht. Sie sind die Grundlage dafür, dass zugewanderte Menschen Zugang zu gesellschaftlicher Teilhabe und Arbeit erhalten.“
Brahim Elhajoui lädt Hilfesuchende zu seiner Sprechstunde ein
Brahim Elhajoui berichtet, einige spezifische Kursangebote seien gekürzt worden, etwa zur Alphabetisierung oder für Jugendliche. Es fehle auch an Betreuungsangeboten für Kinder, das erschwere vielen Eltern die Kursteilnahme oder mache sie unmöglich. Dabei sei das Erlernen der Sprache Schlüssel zur Kommunikation und Integration, ist der Berater sicher. In einigen aktuellen politischen Entscheidungen spiegle sich das jedoch nicht wider.
Trotz verschärfter Rahmenbedingungen spricht sich der Berater dafür aus, eine optimistische Sicht zu bewahren. „Ich möchte Menschen helfen und ihnen Wege aufzeigen, wenn ich das beruflich machen kann – umso besser.“ Beim Andrang in seiner Sprechstunde sieht er noch Luft nach oben. „Es braucht noch ein bisschen, bis das Angebot so richtig anläuft“, sagt Elhajoui. Mundpropaganda nach erfolgreichen Beratungen trage die Existenz der Sprechstunde bereits weiter in den Kreis, aber sie könnte nach Einschätzung von Elhajoui noch bekannter werden. „Ich wünsche mir, dass noch mehr Ratsuchende den Weg hierhin finden.“
