„Die Zeit wurde nicht genutzt“Für die Unternehmer in Königswinter fehlt die Strategie

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Gerüstet für eine Wiedereröffnung: Frank Rösgen, Chef des Saunaparks Siebengebirge und Vorsitzender des Oberpleiser Werbekreises, mit einer Lieferung Selbsttests für die Mitarbeiter und Fläschchen mit Hygienegel für potenzielle Kunden.

Königswinter-Oberpleis – Es scheint als schlügen zwei Herzen in der Brust von Frank Rösgen. „Die Hilfe ist schon gut“, sagt der Chef des Saunaparks Siebengebirge und Vorsitzende des Werbekreises Oberpleis über die finanzielle Unterstützung des Staates in der Corona-Krise. „Auch wenn die Zahlungen nicht so schnell ankamen wie erhofft.“

Aber auf der anderen Seite fehlt dem Unternehmer, dessen Freizeitzentrum nun wegen des erneuten Lockdowns schon seit über einem halben Jahr am Stück in weiten Teilen ruhen muss, ein Plan der Politik.

Ob digitale Nachverfolgbarkeit per App, ob Testkonzepte oder Impfungen – es fehle eine Strategie zur Bewältigung der Pandemie, beklagt Frank Rösgen. Und das, obwohl der zweite Shutdown nun schon in den siebten Monat geht und auch im Frühjahr 2020 bereits für drei Monate geschlossen war. Rösgen rückblickend: „Die Zeit wurde nicht genutzt. Es wurde zu wenig gemacht, um der Pandemie Herr zu werden.“

Freibad vermutlich erneut für Öffentlichkeit geschlossen

Von Verärgerung hört der Oberpleiser Unternehmer auch in Gesprächen mit Kollegen, wie er auf Anfrage der Redaktion betont. Die Einzelhändler, die dem Werbekreis Oberpleis angehören, zu dem mehr als 160 Unternehmen zählen, tun sich nach Beobachtungen Rösgens teils schwer mit der Umsetzung der aktuellen Auflagen, die das Einkaufen im Rhein-Sieg-Kreis in Geschäften, die nicht durch den Verkauf von Waren für den täglichen Bedarf privilegiert sind, nur mit negativem Test vorsieht, der nicht älter als 24 Stunden sein darf.

Werbekreis Oberpleis

Der Vorstand des Oberpleiser Werbekreises tendiert dazu, den Grünen Sonntag – er findet traditionell am 3. Sonntag im Mai statt – wie 2020 auch in diesem Jahr abzusagen, erklärt Vorsitzender Frank Rösgen.

Einen Beschluss gebe es zwar noch nicht, aber es sei zurzeit schwer abzuschätzen, wann die Geschäfte wieder normal öffnen könnten und die Zeit für die Planung werde knapp. Im ersten Corona-Jahr 2020 hatte der Werbekreis statt der Oberpleiser Apfelbörse, die seit mehr als 20 Jahren am 1. Sonntag im September stattfand, eine „Oberpleiser Apfelwoche“ unter anderem mit Hofführungen angeboten. „Die Apfelwoche war sehr erfolgreich“, sagt Rösgen, sie solle deshalb erneut stattfinden. Auch die Gutscheinaktion über die Plattform „Wir sind Rhein-Sieg“ solle fortgesetzt werden. (csc)

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„Sie sitzen zwischen den Stühlen“, sagt der Werbekreisvorsitzende. Schließlich machten sie nur sehr eingeschränkten Umsatz, auf der anderen Seite könnten sie so nicht zu 100 Prozent von den staatlichen Corona-Hilfen profitieren. Handwerkern gehe es dagegen vergleichsweise gut, auch weil viele Unternehmen die Zeit des Lockdowns für Instandhaltungen nutzten.

Das hat auch Frank Rösgen in seinem Saunapark Siebengebirge gemacht, in dem die Digitalisierung vorangebracht und einige Bereiche saniert worden sind. Von den 66 Mitarbeitern, die zum größten Teil weiter in Kurzarbeit sind, habe man noch niemanden entlassen müssen. „Wir sind sehr froh darüber“, sagt Rösgen. Und: „Wirtschaftlich halten wir das durch.“

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Für eine Wiedereröffnung sei man gerüstet. Nach dem ersten, dreimonatigen Lockdown im Frühjahr 2020 hatte der Saunapark Siebengebirge nur 50 Prozent der Gäste in die Anlage lassen dürfen, ein funktionierendes Hygienekonzept habe man damals schon gehabt. Allerdings war das Strandbad, das kleine Freibad am Lützbach, dessen Ursprünge bis 1935 zurückreichen, das die Familie Rösgen seit Anfang der 1980er Jahre betreibt und in dessen Sanierung und Ausbau sie 2005 viel Geld investierte, für die Öffentlichkeit den Sommer über geschlossen; nur Saunagäste konnten rein. Die Auflagen zur Datenerhebung und Nachverfolgung seien zu hoch gewesen, so Frank Rösgen, der nach eigenen Angaben auch in diesem Jahr dazu tendiert, das Freibad für die Öffentlichkeit wohl eher nicht zu eröffnen. Auch das ein wirtschaftlicher Verlust für das Oberpleiser Unternehmen.  

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