Dietmar Boosten, Vorsitzender des Jugendausschusses des Fußballkreises Rhein-Sieg, will Spaß und Erfolgserlebnisse für alle kleinen Kicker.
Neue SpielformenMini-Tore sollen Nachwuchs auf die Fußballplätze in Rhein-Sieg locken

Dietmar Boosten, Vorsitzender des Jugendausschusses des Fußballkreises Rhein-Sieg Fußballverband Mittelrhein, mit Toren verschiedener Größe
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Musiala, Wirtz, Havertz, die Liste der Hoffnungsträger, die den heiß ersehnten Titel für die Nationalmannschaft holen sollen, lässt sich fortsetzen. Alle fingen sie einmal klein an: Wie das am besten geht, und woher der Nachwuchs von heute und die Nationalspieler von morgen herkommen sollen, beschäftigt auch Dietmar Boosten, den Vorsitzenden des Jugendausschusses des Fußballkreises Rhein-Sieg im Fußballverband Mittelrhein: „Wir hoffen, dass die WM da einen Anschub bringt.“ Allerdings seien die Anpfiffzeiten teils mitten in der Nacht für Kinder und Jugendliche wohl nicht das Richtige.
„Der Fußball ist dynamischer geworden“, stellt Boosten fest, schneller und athletischer. Aus Sicht des Kinder- und Jugendsports machte das neue Spielformen erforderlich. Ein wichtiges Element sind Mini-Tore, die der Jugendausschuss zur Verfügung stellt, und deren Größe an die jeweiligen Altersgruppen angepasst werden können.
Mehr Ballkontakte, verschiedene Spielanlagen
„Wir spielen dann nicht mehr wie früher sieben gegen sieben, sondern drei gegen drei vier gegen vier oder vier plus eins gegen vier plus eins, also mit Torwart“, erläutert Boosten. Das habe eine ganze Reihe von Vorteilen: „Es gibt viel mehr Ballkontakte, und verschiedene Spielanlagen werden gefördert.“ Dass gesagt werde, der ist nicht gut, den spiele ich nicht mehr an, das gehe gar nicht mehr. Auch „Klatschen“ wie ein 13 zu eins eines deutlich überlegenen Teams gehörten so eher der Vergangenheit an.
Relativ neu sei auch die Regelung, bis zur E-Jugend keine Spielergebnisse mehr zu veröffentlichen, auch wenn das umstritten ist. „Ich stehe voll dahinter“, sagt Boosten, „die Kinder sollen sich erst einmal entwickeln können. Ansonsten drohe, dass junge Kicker den Spaß an der Sache verlieren. „Für mich geht es immer um das Kind und das positive Erlebnis.“

Der Fußball-Kreis Sieg hat knapp 50 der rund 80 Vereine mit einem Aluminium-Mini-Tor unterstützt. Vierter von links: Dietmar Boosten.
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„Ich würde ein Kind immer in den Mannschaftssport bringen“, betont Boosten, da biete sich der Fußball an. Teamgeist werde dort gelernt, aber auch Frustrationstoleranz und die Breitschaft, sich mit anderen auseinander zu setzen. „Teilweise ist es auch Sozialarbeit, was die Vereine leisten.“ Über mangelndes Interesse am Fußball kann Boosten nicht klagen, zumindest bei den Jungs. Im Mädchenfußball sei es schon schwieriger einen Spielbetrieb aufrechtzuerhalten, das gehe oft nur durch überregionale Kooperationen.
Fußball kann der 63-Jährige auch aus seiner ganz persönlichen Erfahrung mit bestem Gewissen empfehlen. Sein fußballbegeisterter Vater führte ihn im Grundschulalter an den Sport heran, seine sportliche Heimat wurde der ASV Sankt Augustin. „Anfangs habe ich Verteidiger gespielt“, erinnert sich Boosten, „dann bin aber einmal zu spät zu einem Spiel gekommen und wurde als Stürmer eingesetzt. Dabei ist es dann geblieben.“
Die Weltmeisterschaft 1974 ist die erste WM, an die er sich erinnern kann, auch an den unvergesslichen Moment als Gerd Müller eine Flanke von Rainer Bonhof gegen die Niederlande verwandelte und Deutschland zum Weltmeister schoss. Trotz der großen Namen von damals: Ein Spieler-Idol und auch einen Lieblingsverein habe er nie gehabt: „Mir ging es immer um den puren Sport.“
Boosten wurde Trainer und Schiedsrichter, kickte auf großen Feldern und kleinen Bolzplätzen, so ziemlich in jeder freien Minute. „Fußball ist auch gut für den Stressebbbau. Zehn Minuten auf dem Platz, und alles andere ist vergessen.“
Boosten ist seit zwölf Jahren Vorsitzender des Jugendausschusses, am 7. Februar wurde er auf dem Jugendtag des Fußball-Kreises Rhein-Sieg von den den Deliegerten aus 54 Vereinen wiedergewählt und trat seine vierte Amtszeit an.
Neue Spielformen
Dem Fußballverband Mittelrhein zufolge soll der neue Kinderfußball den Spaß am Spiel und die Kinder in den Mittelpunkt rücken. „Erlebnis steht vor Ergebnis“ gilt dabei, und die Devise „Alle Kinder sind aktiv und gehören dazu - unabhängig von Talent und Entwicklungsstand“. Die Kinder sollen selbstständig spielen und für Fairplay sorgen, wobei jedes Kind Aktionen und Erfolgserlebnisse bekommen soll.
„Coaching und Reize von außen werden minimiert“, heißt es auf der Homepage, die Größe der Teams, der Tore und des Spielfelds wächst mit den Kindern. Jungen und Mädchen sollen so noch einfacher gemeinsam spielen können. Nach einer bundesweiten Pilotphase wurden die neuen Spielformen ab 2024/2025 verbindlich in die DFB-Jugendordnung aufgenommen. Die Größe der Minitore ist flexibel und kann maximal auf zwei mal 1,20 Meter eingestellt werden. Torhüter komme erst ab der E-Jugend regelmäßig zum Einsatz, ab dann ergebe es auch Sinn, diese spezifischer auszubilden.
Ergebnisse werden zwar nicht festgehalten, aber die einzelnen Spiele gewertet. Während eines Turniers steigen Mannschaften in ein nächstes Feld auf oder ab. Insofern gebe es durchaus Sieger und Verlierer, was als Erfahrung für Kinder wichtig sei. Tabellen aber werden nicht geführt.
