Für viele Vereine werden GEMA-Gebühren zunehmend zur finanziellen Belastung. Eigentlich möchte das Land NRW dieses Jahr Abhilfe schaffen.
„Wir können nur verlieren“Steigende GEMA-Gebühren setzen Vereine in Rhein-Sieg unter Druck

Für die Weibersitzung der Birker Wönk werden die GEMA-Gebühren zur Herausforderung.
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Ob Karnevalsfeier, Kirmes oder Tanzvorführungen: GEMA-Gebühren müssen gezahlt werden, sobald eine Veranstaltung öffentlich ist und Musik dort gespielt wird. Ausgenommen sind private Feiern wie Geburtstage oder Hochzeiten, aber nicht zum Beispiel Abibälle. Wer vergisst, die Veranstaltung bei der GEMA anzumelden, dem drohen hohe Strafgebühren.
Hinter der Abkürzung steckt die „Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte“; sie soll die Rechte von Komponisten, Textautoren und Musikverlegern wahrnehmen. Die Höhe der Gebühren hängt davon ab, wie groß die Veranstaltung hinsichtlich Personenzahl und Fläche ist, ob Eintritt verlangt wird, ob Essen und Getränke enthalten sind und ob Livemusik gespielt wird. Gerade für kleine Vereine seien die GEMA-Gebühren unverhältnismäßig, findet Werner Zuber vom Ortsring Birk. Der Lohmarer Verein richtet unter anderem den Birker Karnevalszug aus.
Unterstützung vom Land soll kommen, wann und wie ist noch unklar
„Für Zug und Zugausklang zahlen wir mittlerweile alles in allem rund 800 Euro“, berichtet Zuber. Zusätzlich ist er in der Männertanzgruppe der Ehrengarde Birker Wönk aktiv. „Damit wir ungefähr ab Anfang Oktober proben können, müssen wir das ganze Jahr durchgehend fast 400 Euro an die GEMA zahlen. Dabei proben wir nur auf zwei, drei Lieder.“
Anfang des Jahres kommunizierte das Land NRW, Vereine für die Übernahme von GEMA-Gebühren für nicht-kommerzielle, ehrenamtlich organisierte Veranstaltungen unterstützen zu wollen. Hierfür seien für das Jahr 2026 Haushaltsmittel vorgesehen. Er habe mehrfach erfolglos versucht, die GEMA dahingehend telefonisch zu kontaktieren, ebenfalls das dafür zuständige Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Digitalisierung des Landes Nordrhein-Westfalen, berichtet Werner Zuber. Eine verbindliche Antwort erhielt er nicht.
„Die Vereine leiden deutlich unter der Gebührenlast“, sagt Werner Zuber. „Es ist ja immer schwerer, Leute in einen Saal oder auf ein Fest zu bekommen – das Geld ist einfach nicht mehr so locker“. Er sehe die Gefahr, dass das Vereinsleben und öffentliche Feste dadurch immer weniger würden.
So schnell wie die GEMA die Beiträge erhöht, können wir unsere Kartenpreise gar nicht erhöhen.
Das befürchtet auch Sonja Schmitz vom Karnevalsverein Birker Wönk. Mit der Weibersitzung organisiert der Verein nur eine Veranstaltung im Jahr. Hier spielen in der Regel vier externe Bands, den Rest stemmen die Frauen mit eigenen Auftritten, Tänzen und Sketchen. „Trotzdem müssen wir mittlerweile 1180 Euro für diese Veranstaltung an die GEMA abgeben. Und so schnell, wie die GEMA die Beiträge erhöht, können wir unsere Kartenpreise gar nicht erhöhen“, so Schmitz. „Also, egal wie wir es machen, wir können eigentlich nur verlieren.“

Die Birker Wönk mussten die Preise für ihre nächste Weibersitzung erhöhen. (Archivbild)
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Für das kommende Jahr mussten die Birker Wönk die Kartenpreise von 28 auf 33 Euro anheben. „Das ist schon eine satte Preiserhöhung, fünf Euro pro Karte – aber sonst kriegen wir das einfach nicht mehr gestemmt.“ Grund seien nicht die GEMA-Gebühren allein, in anderen Bereichen steigen die Kosten ebenfalls. Dazu komme, dass die Veranstalterinnen wegen neuer Auflagen 20 Plätze weniger im Birker Bürgerzentrum besetzen können; daran könnte die nächste Weibersitzung scheitern. Sonja Schmitz ist der Meinung, dass es hinsichtlich der GEMA-Zahlungen andere Regeln für kleine, ehrenamtliche Vereine geben sollte, um diese zu entlasten.
Da es aktuell kaum Förderprogramme gibt, versuchen die Birker Wönk, sich neben dem Kartenverkauf zusätzlich durch Spenden und Werbung zu finanzieren. „Würden wir das nicht machen, wäre es schon längst vorbei. Wir sind uns aber nicht zu schade, überall anzuklopfen“, so Sonja Schmitz. Auch hier komme aber zunehmend weniger, da das Geld natürlich überall knapp sei.
Dorfgrenadiere Birkenfeld: GEMA-Gebühren sind für kleine Vereine ein Problem von vielen
Für die Dorfgrenadiere Birkenfeld seien die GEMA-Gebühren nicht das Hauptproblem, aber ein erschwerender Faktor, sagt der 1. Vorsitzende Jörg Sengpiel. Einmal im Jahr organisiert der Verein eine Karnevalsfeier in der Mehrzweckhalle Seelscheid, immer im November. „Wir wollen, dass alle die Möglichkeit haben, unsere Veranstaltung zu besuchen – deswegen nehmen wir keinen Eintritt. Damit sind die GEMA-Gebühren, die wir zahlen, auch deutlich geringer.“
Die Veranstaltung finanziert der Verein ausschließlich über den Getränkeverkauf und Spenden. Bisher habe das auch funktioniert. „Jetzt hat die Gemeinde uns aber leider mitgeteilt, die Gebühren für die Saalmiete erhöhen zu müssen – weil die ja alle Schulden haben.“ Zu den GEMA-Gebühren kommen Kosten für die Ausschankgenehmigung, Genehmigungen für jeden Stuhl, Sicherheitsprüfung. Da komme für einen Verein immer wieder die Frage auf, ob sich das alles noch lohne. „Wenn so viele Auflagen zusammenkommen, ist das für einen kleinen Verein irgendwann nicht mehr tragbar“, so Sengpiel. „Wir machen das zwar alles ehrenamtlich, aber das ist schon monatelang enorm viel Arbeit.“
Sengpiel betont auch, wie wichtig die GEMA-Gebühren für Musikerinnen und Musiker seien, die davon leben. „Klar – die Leute, die Musik machen, sollen auch ihr Geld bekommen. Aber das ist eben für einen Verein, gerade wenn man im Brauchtumsbereich unterwegs ist, nicht so einfach. Da sollte man schon überlegen, ob die Gebühren wirklich so hoch sein müssen.“
Die Redaktion hat beim zuständigen Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Digitalisierung des Landes Nordrhein-Westfalen eine Stellungnahme zu den geplanten Entlastungen für Vereine angefragt. Ein Sprecher des Ministeriums wollte zum aktuellen Zeitpunkt keine Auskunft geben.
