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Jahrestag der Befreiung von AuschwitzTroisdorfer und Siegburger gedenken der Holocaust-Opfer

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Gedenken an den Holocaust, Mahnwache der Evangelischen Allianz Rhein-Sieg vor dem ehemaligen Kaufhofgebäude

Gedenken an den Holocaust, Mahnwache der Evangelischen Allianz Rhein-Sieg vor dem ehemaligen Kaufhofgebäude

In Siegburg lud die Evangelische Allianz zur Mahnwache, das Troisdorfer Aktionsbündnis für Demokratie kümmerte sich um Stolpersteine in der Stadt.

Weltweit gedachten jetzt Menschen der Opfer des Holocaust, auch in Siegburg, wo die Evangelische Allianz zu einer stillen Mahnwache aufgerufen hatte. Rund 60 Teilnehmende versammelten sich vor dem ehemaligen Kaufhofgebäude und entzündeten kleine Lichter. Viktor Fröse, Pastor der Evangelischen Freikirche Siegburg, erinnerte anhand des Zeitzeugenberichts eines Soldaten an die Befreiung des Lagers von Auschwitz am 27. Januar 1945.

Rotarmist Jakow Wintschenko schrieb über diesen Tag: „Es war kein Wachtraum, ein lebender Toter stand mir gegenüber. Hinter ihm waren im nebligen Dunkel Dutzende anderer Schattenwesen zu erahnen, lebende Skelette. Die Luft roch unerträglich nach Exkrementen und verbranntem Fleisch.“

Holocaust war „das Ende von Mitgefühl, Verantwortung und Menschlichkeit“

Wintschenko, so Fröse, habe das Ausmaß des Grauens damals nicht begreifen können. „Nicht, weil er gleichgültig war, sondern weil es jenseits dessen lag, was ein Mensch sich vorstellen kann.“ Der Holocaust sei nicht nur ein Massenmord gewesen, sondern der Versuch, „Menschen ihre Würde abzusprechen, sie zu Nummern zu machen, zu Schatten, zu lebenden Skeletten“.

„Es war das systematische Ende von Mitgefühl, Verantwortung und Menschlichkeit.“ Der Gedenktag rufe nicht nur zum Trauern auf, sondern zum Wachen. „Zum Widerstehen gegen jede Form von Entmenschlichung. Zum Schutz des Lebens. Zur Achtung jedes Menschen, ohne Ausnahme“, so der Pastor. 

Nach Much deportiert, in Treblinka ermordet

Ein Dutzend Menschen schloss sich der Einladung des überparteilichen Troisdorfer Aktionsbündnisses für Demokratie (Tadü) an. Die Aktiven hatten in den Tagen zuvor sämtliche Stolpersteine in Troisdorf gereinigt und nahmen sich am Gedenktag die Erinnerungsorte in Bergheim vor.

Dort lebten zur Zeit des Nationalsozialismus die Familien Hirsch und Levy. Sie wurden in Konzentrationslagern umgebracht. Monika Marner, Mitglied des Tadü, erinnerte mit kurzen Ansprachen an den drei Wohnorten der acht Ermordeten an ihr Schicksal.

Die Aktiven polierten die Stolpersteine, sodass sie wieder lesbar wurden.

Die Aktiven polierten die Stolpersteine, sodass sie wieder lesbar wurden.

In Bergheim lebten die Geschwister Mathilde und Emanuel Levy gemeinsam an der Bergstraße 8. Sie waren bereits im hohen Alter, als sie 1941 zunächst ins KZ-Außenlager Much deportiert wurden und von dort ins Ghetto von Treblinka. Dort starb Mathilde ein Jahr später, Emanuel wurde in Treblinka ermordet.

An der Siegstraße 35 lebte das Ehepaar Johanna und David Levy. Der Viehhändler und Metzger wurde mit seiner Frau ebenfalls nach Much und Theresienstadt deportiert, sie wurden für tot erklärt. An der Bergstraße 27 wohnten Selma und Max Hirsch mit ihren Kindern Ilse und Alfred. Sie arbeiteten als Viehhändler und Hausgehilfin und wurden nach Much und Izbica deportiert. Auch sie überlebten den Holocaust nicht.

Mit einem Schwamm und einer speziellen Reinigungspaste für Messing-Elemente wischten die Tadü-Aktiven die Stolpersteine wieder blank, stellten eine Kerze auf und legten Blumen ab. „Für einen Rundgang bietet sich Bergheim an, da die Gedenkorte nah beieinander liegen. Die Stolpersteine bieten einen Ort, an dem man gedenken kann. Sie sind personalisiert, was gut ist, denn es gibt heute nicht mehr viele Möglichkeiten, an Einzelschicksale zu erinnern“, sagte Monika Marner.