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Infografik

Umzug in Kaufhof-Zentrale
Stadt Köln will 16 Büroimmobilien aufgeben

4 min
Die Stadt Köln hat die frühere Kaufhof-Zentrale bereits 2022 gemietet. Nach dem Umbau sollen erste Bereiche nun Ende 2026 übergeben werden.

Die Stadt Köln hat die frühere Kaufhof-Zentrale bereits 2022 gemietet. Nach dem Umbau sollen erste Bereiche nun Ende 2026 übergeben werden.

Die Stadt Köln macht ernst mit ihrer Umzug-Strategie: Sobald sie die Kaufhof-Zentrale und das Rossio-Gebäude nutzen kann, will sie nach und nach 16 andere Büroimmobilien aufgeben.

Wie geht es weiter mit der ehemaligen Kaufhof-Zentrale an der Leonhard-Tietz-Straße, die die Stadt Köln bereits 2022 angemietet hat, um dort Ämter und Dienststellen unterzubringen? Angesichts zusätzlicher Umbaukosten in Höhe von 50 Millionen Euro und jahrelanger Verzögerungen hatte diese Frage im Oberbürgermeister-Wahlkampf für viel Wirbel gesorgt. Bis heute steht der Vorwurf im Raum, die Konditionen seien unvorteilhaft für die Stadt Köln. SPD und Grüne hatten das Thema zu scharfen Angriffen auf den Baudezernenten und CDU-OB-Kandidaten Markus Greitemann genutzt. Er schaffte es nicht in die Stichwahl.

Nun hat Greitemann in einer nicht-öffentlichen Mitteilung an den Rechnungsprüfungsausschuss ausführlich Stellung zu dem Vorgang bezogen. Darin legt er nach Rundschau-Informationen insbesondere dar, welche Büroflächenstrategie die Stadt Köln mit der Anmietung der Kaufhof-Zentrale mit rund 45.000 Quadratmetern Bürofläche und dem Kauf des „Rossio“-Gebäudes in Deutz (rund 23.000 Quadratmeter) verfolgt.

Demnach will die Stadt Köln im Gegenzug für die künftige Belegung der Leonhard-Tietz-Straße und des Rossio 16 bisherige Bürostandorte mit einer Gesamtfläche von knapp 126.000 Quadratmetern aufgeben, um Geld zu sparen. Außerdem ist die Teilabmietung einer Fläche von rund 400 Quadratmetern geplant. Auswahlkriterien seien der bauliche Zustand, die Vertragssituation, der Mietpreis, die Flächeneffizienz und die IT-technische Ausstattung.

Mietverträge laufen bis 2029 sukzessive aus

Zu den Objekten, die die Stadt abmieten will, zählt bekanntermaßen das Ostgebäude des Stadthauses in Deutz, auch „Technisches Rathaus“ genannt. Es hat rund 30.000 Quadratmeter Nutzfläche, ist stark modernisierungsbedürftig, und die Mietkonditionen sind ungünstig für die Stadt. Der Mietvertrag mit dem Eigentümer, der Branicks Group AG, läuft am 28. Februar 2029 aus, der Vertrag für das Westgebäude (mit 70.000 Quadratmetern Nutzfläche) am 31. Januar 2029.

Laut Auflistung der Gebäudewirtschaft sind im Rahmen der Umzug-Strategie bereits zwei Objekte mit einer Fläche von 2700 Quadratmetern abgemietet. „Bei zehn weiteren Objekten im Umfang von rund 105.000 Quadratmetern laufen die Mietverträge sukzessive bis 2029 aus.“ Die dort verorteten Dienststellen würden in Bestandsobjekten untergebracht, in denen durch Homeoffice, Desksharing und eine effizientere Nutzung Leerstände entstehen.

Zwei weitere Objekte mit rund 8000 Quadratmetern dienen zurzeit als Interim für das im Bau befindliche Bezirksrathaus Rodenkirchen. Sie würden abgemietet, wenn der Neubau fertig ist, so die Stadt. Bei einem Mietobjekt mit 5100 Quadratmetern laufe der Mietvertrag erst 2035 aus. Man werde mit dem Vermieter über eine vorzeitige Auflösung des Mietvertrags verhandeln.

Umzug in Kaufhof-Zentrale könnte bereits 2027 beginnen

Freiziehen will die Stadt auch das ihr gehörende Gebäude Laurenzplatz 1-3, um die Immobilie zu verwerten. Dort befindet sich das Kundenzentrum Innenstadt. Es soll in die ehemalige Kaufhof-Zentrale umziehen, die nach jüngsten Aussagen der Gebäudewirtschaft jetzt sukzessive zwischen Ende 2026 und Ende 2029 an die Stadt übergeben werden soll. Dort sollen etwa das Sozial-, Gesundheits- und Jugendamt untergebracht werden (siehe Grafik).

Die Grafik zeigt den vorläufigen Belegungsplan der Stadt Köln für die ehemalige Kaufhof-Zentrale in der Leonhard-Tietz-Strasse.

Die Grafik zeigt den vorläufigen Belegungsplan der Stadt Köln für die ehemalige Kaufhof-Zentrale in der Leonhard-Tietz-Strasse.

Noch im Dezember 2025 hatte die Stadt erklärt, dass die Übergabe der Gebäude nach dem Umbau „spätestens zum 31. März 2030 erfolgen kann“ - also erst in vier Jahren. Jetzt präzisierte eine Stadtsprecherin auf Anfrage der Rundschau, dass der Erweiterungsbau, der Brücken- und B-Bau sowie die Villa bereits Ende 2026 übergeben werden sollen. Lediglich beim Hochhaus und der Kantine solle die Übergabe bis Ende 2029 dauern.

Weitere bauliche Maßnahmen wie zum Beispiel IT-Verkabelung seien nach der Übergabe nicht mehr nötig. Demnach könnten erste Ämter und Dienststellen der Stadt theoretisch bereits ab Anfang 2027 in Teile der früheren Kaufhof-Zentrale umziehen. Das wäre drei Jahre früher als zuletzt kommuniziert. Allerdings sah der ursprüngliche Plan mal vor, dass der Umzug zwischen Januar 2024 und Dezember 2025 stattfindet.

Konkrete Daten oder Zeitpläne für den Umzug wollte die Stadtsprecherin auf Nachfrage nicht nennen. Sie erklärte lediglich, die einziehenden Dienststellen, der Personalrat und die Schwerbehindertenvertretung seien „aktuell in die Umzugsszenarien und Planungen eingebunden. Nach Abschluss dieses Prozesses wird natürlich die Öffentlichkeit über die Orte, wo die einzelnen Ansprechpartner*innen der Bürger*innen sitzen werden, proaktiv informiert.“

Eigentümer lehnt Ankaufsrecht der Stadt für die Kaufhof-Zentrale ab

Grundlage für das neue Büroflächenmanagement ist eine neue Dienstvereinbarung der Stadt Köln zum Desksharing, die am 3. September 2025 unterschrieben wurde. Desksharing ist ein flexibles Arbeitsplatzmodell, bei dem die Beschäftigten keinen festen Schreibtisch haben, sondern sich Arbeitsplätze teilen. Seit Sommer 2025 wurde mit allen Dezernaten detailliert besprochen, welche Auswirkungen Desksharing und die Abmietstrategie auf die Ämter haben und welche Dienststellen konkret in die Objekte Leonhard-Tietz-Straße und Rossio ziehen sollen.

Laut der Mitteilung des Baudezernenten wurde der dritte Nachtrag zum Mietvertrag für die ehemalige Kaufhof-Zentrale am 20. Januar 2026 vom Eigentümer, der „Agrippa Quartier GmbH“, einer Tochtergesellschaft der Versicherung Swiss Life, gezeichnet. Den Wunsch der Politik nach einem Ankaufsrecht der Stadt für die Immobilie habe Swiss Life abgelehnt. Begründung: Die Agrippa Quartier GmbH sei eine geschlossene Investmentkommanditgesellschaft. Laut Gesetz müsse sie „im ausschließlichen Interesse der Gesellschafter/Anleger“ handeln und dürfe daher kein Ankaufsrecht vereinbaren.