Mannheim – Pavel Dotchev saß im verwaisten Presseraum des Carl-Benz-Stadions und war ratlos. Der frischgebackene Rekordtrainer der 3. Liga hat im Fußball zwar schon einiges mitgemacht. Dennoch gibt es hin und wieder mal Spiele, deren Ausgang sich auch der gebürtige Bulgare nicht so recht erklären kann. Eine dieser Partien war das 1:2 (1:0) des FC Viktoria Köln am Samstag vor erneut leeren Rängen bei Waldhof Mannheim.
„Wir haben verloren, ohne genau zu wissen, warum eigentlich“, rätselte Dotchev nach der knappen Niederlage beim Tabellenzweiten, die aus einem Gegentor in der 84. Minute resultierte. Der Schaden hielt sich allerdings in Grenzen: Vor dem am Dienstag (19 Uhr) folgenden Heimspiel gegen den SV Meppen beträgt der Kölner Vorsprung auf den ersten Abstiegsplatz unverändert fünf Zähler.
Bunjaku lange Zeit nur auf der Bank
Pavel Dotchev hatte zum Abschluss der ersten von fünf Englischen Wochen in Folge kräftig die Rotationsmaschine angeschmissen. Dabei herausgekommen war eine auf gleich sieben Positionen veränderte Startelf gegenüber dem 3:0-Sieg gegen Zwickau. „Es ging darum, frische Leute zu bringen, ohne dabei einen Leistungsabfall zu erleiden. Ich finde, das ist uns relativ gut gelungen“, meinte Kölns Trainer, der selbst vor großen Namen keine Rücksicht nahm.
So saß der bereits 17 Mal erfolgreiche Albert Bunjaku in Mannheim lange Zeit nur auf der Bank. Linksverteidiger Jonas Carls hatte die Reise zum Mitaufsteiger aufgrund muskulärer Probleme gar nicht erst angetreten. Daheim geblieben war auch Steven Lewerenz – wegen zuletzt schwacher Leistungen. Einen Tausch hatte Dotchev allerdings unfreiwillig vornehmen müssen: Weil sich Stammtorhüter André Weis beim Aufwärmen vermutlich schwerer an der Hüfte verletzte (eine genauere Untersuchung erfolgt am Montag), war Sebastian Patzler kurzfristig zwischen die Pfosten gerückt.
Trotz vieler Wechsel die überlegene Mannschaft
Obwohl der letzte Einsatz des 29-Jährigen mehr als fünf Monate zurückgelegen hatte, bot der Weis-Ersatz eine starke Vorstellung. Dass Patzler diesmal den Vorzug vor Daniel Mesenhöler erhalten hatte, erklärte der Sportliche Leiter Marcus Steegmann als „Belohnung für gute Trainingsleistungen“.
Trotz der vielen Wechsel waren die Kölner 45 Minuten lang die überlegene Mannschaft gewesen. Der anstelle von Bunjaku aufgebotene Sven Kreyer (7.) sowie Sead Hajrovic (21./zur Halbzeit mit Adduktorenbeschwerden ausgewechselt) scheiterten nach Eckstößen jedoch am Pfosten. Zielsicherer zeigte sich Kreyer, als er aus 20 Metern Torentfernung mit einem Flachschuss ins lange Eck seinen langersehnten ersten Saisontreffer erzielte (36.). „Wir haben in der ersten Halbzeit ein gutes Spiel gemacht, hätten allerdings noch das eine oder andere Tor mehr machen können“, sagte Kreyer.
Am Ende gleich doppelt Pech
Stattdessen drehten die Hausherren mit Beginn des zweiten Durchgangs auf. Nach einem von Patrick Koronkiewicz zu kurz abgewehrten Eckstoß gelang Gianluca Korte per Direktabnahme der Ausgleich (47.). „Das schnelle Tor hat Mannheim in die Karten gespielt“, haderte Kreyer. Waldhof drängte fortan auf die Führung. Doch Sebastian Patzler verhinderte mehrfach einen Doppelschlag. Am Ende hatten die Kölner gleich doppelt Pech: Zuerst war eine Notbremse an Kai Klefisch ungeahndet geblieben. „Das hätte zwingend Rot geben müssen“, ärgerte sich Marcus Steegmann. Im Gegenzug trafen die Gastgeber zum Sieg. Nach einem starken Spielzug war Korte aus kurzer Distanz zum Abschluss gekommen. Das Spielgerät prallte gegen den Querbalken, dann auf den am Boden liegenden Patzler und von dort hinter die Torlinie (84.).
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Köln war auch im zweiten Auswärtsspiel nach dem Drittliga-Neustart geschlagen. „Das war bitter, auch wenn es keine Schande ist, in Mannheim zu verlieren“, sagte Pavel Dotchev. Auf der Suche nach einem Grund für die Niederlage wurde der 54-Jährige dann doch noch fündig: „Wir haben zweimal den Pfosten getroffen, bei Waldhof ist der Ball reingegangen. Das war der Unterschied.“



