Der 1. FC Köln stand beim VfB Stuttgart vor einem Punktgewinn, konnte aber am Ende keinen seiner Flüche brechen.
1. FC KölnGeißböcke erleben einen Abend der Gesetzmäßigkeiten

Bitterer Moment für den 1. FC Köln und den enttäuschten Torwart Marvin Schwäbe (sitzend): Ermedin Demirovic (l.) hat das 2:1 für den VfB Stuttgart erzielt.
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Sebastian Hoeneß war erleichtert und sehr zufrieden. Die Gefühlswelt des Stuttgarter Trainers nach dem hart und spät erkämpften 3:1 (1:0) gegen den 1. FC Köln beschrieb das Glück aufseiten des siegreichen Favoriten und durfte zugleich als großes Kompliment für den tapferen Gegner verstanden werden. „Die Kölner sind immer schwer zu bespielen, ich habe sie eigentlich noch nie wirklich unterlegen gesehen“, lobte Hoeneß. Der VfB-Coach steckte damit aber auch seinen Finger in die inzwischen tiefe Wunde der Geißböcke.
„Und täglich grüßt uns das samstagabendliche Murmeltier. Eine mehr als ordentliche Leistung gegen einen Topgegner und am Ende stehst du leider mit leeren Händen da“, drückte sich auf der anderen Seite Lukas Kwasniok. Der Kölner Cheftrainer versuchte seine Verzweiflung zu überspielen, sie war aber zu spüren. Kein Wunder, denn wie vor Wochenfrist beim 1:2 gegen RB Leipzig stand sein Team vor einer Überraschung.
Dreifach-Fluch aus Karneval, Topspiel und Topgegner
Ragnar Ache belohnte mit seinem vierten Saisontreffer zum 1:1 (79.) die langen Mühen des FC nach dem 1:0 von Ermedin Demirovic (15.) und schwierigen ersten 25 Minuten. Vieles sprach für einen Punktgewinn, vielleicht sogar für mehr, bevor Demirovic einen traumhaften VfB-Angriff über die eingewechselten Bilal El Khannouss sowie Ramon Hendriks volley veredelte (84.) und Deniz Undav nach einer Kölner Fehlerkette zum Endstand traf (90.+2).
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Die sechste Kölner Niederlage dieser Saison in einem Samstagabend-Topspiel war perfekt und der Negativ-Rekord des Hamburger SV aus dem Jahr 2013 mit fünf Pleiten in fünf Spielen Geschichte. Der Misserfolg an Karneval begleitet den FC auch fleißig weiter. Nur drei Siege sprangen in den vergangenen 26 Jahren an den jecken Tagen heraus, wobei erwähnt sei, dass es sich ausschließlich um Auswärtsspiele gehandelt hat.
Wieder ein schnelles Gegentor nach einem eigenen Treffer
„Es ist absolut ernüchternd“, kommentierte FC-Kapitän Marvin Schwäbe die neunte Niederlage gegen ein Bundesliga-Topteam und trauerte nach den Ergebnissen der Konkurrenz im Bundesliga-Abstiegskampf der vergebenen Chance nach: „Der Punkt wäre Gold wert gewesen.“ Der Vorsprung auf Relegationsplatz 16 bleibt so bei vier Punkten plus eines deutlich besseren Torverhältnisses stehen. Der FC ist durch die Siege von Augsburg und des HSV aber von Platz zehn auf Rang zwölf zurückgefallen.
Knackpunkt in der mit 60.000 Zuschauern ausverkauften MHP-Arena war neben der schwierigen Anfangsphase erneut die Sequenz nach dem eigenen Treffer. Wie schon gegen Freiburg und Leipzig dauerte es keine fünf Minuten, ehe der Gegner zurückschlagen konnte. „Wir waren nach dem 1:1 wieder zu passiv. Wenn wir uns hinten reinfallen lassen, hat der VfB die Qualitäten. Da hätten wir aktiver und höher verteidigen müssen. Manchmal gibt es diesen Schutzgedanken, um das 1:1 zu halten und zu verteidigen, anstatt das Spiel weiter zu gestalten“, analysierte Keeper Marvin Schwäbe.
Ache vermutete derweil „unbewusst fehlende Konzentration“ und auch Jan Thielmann hatte eine Antwort parat: „Wir investieren viel, um das 1:1 zu machen und haben das Gefühl, es im Griff zu haben. Diese Phasen sind tückisch, wir müssen da unser Spannungsniveau hochhalten.“
Ich werde jetzt solange davon erzählen, bis einen Elfmeter bekommen.
Kwasnioks Sicht auf die verhängnisvolle Schlussphase war eine etwas andere. „Jeder hat so seine subjektive Wahrnehmung, gerade unmittelbar nach dem Spiel, wenn der Puls noch hoch ist. Wir haben nach dem 1:1 versucht, weiter Mann-gegen-Mann zu bleiben. Der VfB bringt halt ganz gute Jungs. Wenn Stiller, Vagnoman, El Khannouss und Hendriks frisch aufs Feld kommen, ist das echt sehr viel Qualität und dann kannst du nicht zwangsläufig im Mann-gegen-Mann bleiben. Du willst ins Duell, aber bist du da bist, ist der Ball schon wieder weg“, erklärte der FC-Coach und schützte seine Spieler: „Die Jungs wollten nicht passiv werden, der VfB hat es in dem Moment einfach gut gemacht, wir sind hinterhergelaufen und hatten das Gefühl, passiv zu werden.“
Zum Kölner Dilemma an diesem verregneten Samstag gehörte neben der Abwesenheit der aktiven Fanszene, dass der FC einen Abend der Gesetzmäßigkeiten erlebte. Neben dem Dreifach-Fluch, aus Topspiel, Karnevalsspiel und Topgegner hielt auch das Problem mit den Schiedsrichter-Entscheidungen stand. Der Unparteiische Robert Hartmann war jedenfalls nicht der Meinung, dass das leichte Schubsen von Maximilian Mittelstädt gegen den einschussbereiten Ache (7.) zu ahnden sei.

Elfmeter oder nicht? Maximilian Mittelstaedt (l.) hat FC-Torjäger Ragnar Ache geschubst.
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„Wenn man in der Luft ist und köpfen will, reicht ein Schubser, um zu 100 Prozent aus der Balance zu kommen. Wenn er nicht schubst, komme ich an den Ball, es steht vielleicht 1:0 und es wird ein anderes Spiel“, beschwerte sich Ache. „Elfmeter“, beantwortete Kwasniok die Frage nach seiner Meinung: „Ragnar ist bei der Flanke in der besseren Position für einen Kopfball und wird geschubst. Es ist kein Muss-Elfmeter, es kann einer sein. Aber wir kriegen keine Elfmeter“, haderte der 44-Jährige mit dem Schicksal und kündigte an, nicht aufzugeben: „Ich werde jetzt so lange davon erzählen, bis wir irgendwann einen Elfmeter bekommen.“
Die nächste Gelegenheit gibt es am kommenden Samstag um 15.30 Uhr, wenn der Tabellendritte TSG Hoffenheim nach Müngersdorf kommt. Das einzige Team der aktuellen Top-Sechs der Bundesliga, das der FC beim 1:0 im Hinspiel besiegen konnte. Eine Wiederholung ist erwünscht und zwar nicht nur im Lager der Geißböcke: „Die Kölner machen es gut und sie sind auf einen guten Weg. Das wird sich auch zeigen. Hoffentlich schon nächstes Wochenende“, wünschte sich Sebastian Hoeneß für den VfB Stuttgart einen FC-Sieg gegen den Champions League-Platz-Konkurrenten Hoffenheim.
