Der 1. FC Köln hat im Rheinderby beim 3:3 gegen Borussia Mönchengladbach eine Niederlage verhindert. Der Punkt ist im Abstiegskampf aber zu wenig und wird Trainer Lukas Kwasniok wohl den Job kosten. Ein möglicher Nachfolger war bereits im Stadion.
1. FC KölnThomas Kessler verweigert Bekenntnis zu Trainer Lukas Kwasniok

Diskussionsbedarf nach dem Derby: Eric Martel, der zum 3:3-Endstand traf und Gelb-Rot sah (rote Jacke) und Trainer Lukas Kwasniok, der wohl vor der Ablösung steht.
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Dem emotionalen Derby folgte das fehlende Bekenntnis. Eric Martel hat dem 1. FC Köln mit seinem Kopfballtreffer gegen den rheinischen Erzrivalen Borussia Mönchengladbach beim wilden 3:3 (2:2) zwar noch ein Remis gerettet, der eine Punkt ist im Abstiegskampf der Fußball-Bundesliga aber zu wenig für die Geißböcke und dürfte Trainer Lukas Kwasniok wohl den Job kosten.
„Das war ein Wechselbad der Gefühle. Die Mannschaft hat nach dem 0:1 eine tolle Reaktion gezeigt, muss sich aber vorwerfen lassen, dass 2:1 nicht in die Pause zu bekommen. Unter dem Strich ist der Punkt zu wenig. Wir können die Tabelle lesen,“ sagte FC-Sportchef Thomas Kessler und vermied ein Bekenntnis zu Trainer Kwasniok: „Das ist heute eine große Enttäuschung für uns. Wir sind in der Saisonphase angekommen, in der wir zwingend Spiele gewinnen müssen. Wir gehen jetzt in die Länderspielpause und werden die Situation sachlich und rational analysieren. Ich muss da eine Nacht drüber schlafen.“

Stehen womöglich vor einer möglichen Trainerentlassung: FC-Präsident Jörn Stobbe, Sportchef Thomas Kessler und Vizepräsident Jörg Alvermann (v.l.n.r.). Bild: Herbert Bucco
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Lukas Kwasniok hatte von diesen Aussagen offenbar nichts mitbekommen und hielt auf der Pressekonferenz erneut ein flammendes Plädoyer für seine Weiterbeschäftigung: „Sie wissen um meine Qualität und ich weiß um den tollen Job, den ich hier habe. Am Ende muss man aus Überzeugung handeln und wir werden alles ruhig und sachlich analysieren“, sagte der 44-Jährige.
Dann begann er zu kämpfen: „Man muss erst einmal einen finden, der mehr Überzeugung in sich trägt. Das spüre ich bei der Mannschaft. Wir sind ein Team zu 100 Prozent und ich werde um diesen verdammten Job kämpfen. Ich bin der richtige Mann am richtigen Ort mit der richtigen Mannschaft im richtigen Verein. Ich spüre die Rückdeckung der Verantwortlichen zu 100 Prozent.“ Sein Schlusswort klang dann aber schon etwas nach Verzweiflung: „Ich werde, solange ich das darf, 100 Prozent geben. Die Überzeugung fühle ich, weil mir der Verein das Gefühl gibt.“
Ich spüre die Rückendeckung der Verantwortlichen zu 100 Prozent.
Der seit sieben Spielen mit seinem Team sieglose Kwasniok hatte abgesehen von den aktuellen Ausfällen offenbar rechtzeitig zu seinem persönlichen Endspiel seine Wunsch-Startformation gefunden. Im Vergleich zum 1:1 in Hamburg tauschte der FC-Coach zunächst wieder nur auf einer Position. Linton Maina war nach seinem Rippenbruch und anschließendem Infekt erstmals wieder für einen Einsatz von Beginn an bereit und ersetzte Youngster Youssoupha Niang. Cenk Özkacar lief erneut für den noch gesperrten Jahmai Simpson auf.
Kwasniok musste vor dem Anpfiff aber kurzfristig umstellen. Tom Krauß, der schon in Hamburg in der Schlussphase mit Muskelproblemen ausgewechselt wurde, war aufgrund von Knieproblemen gezwungen,das Aufwärmen abzubrechen und verschwand in die Kabine. Der 19-jährige Cenny Neumann rückte zum Anpfiff für den 24-Jährigen in der Viererkette auf die Rechtsverteidiger-Position und feierte ausgerechnet im Derby sein Startelf-Debüt. Ein Spiel, das zum Albtraum für den Youngster werden sollte.
Historisch: Drei Derby-Tore in den ersten sieben Minuten
Das Aufwärmen des FC mündete in einer Versammlung neben dem Tor vor der Südkurve und dem Banner „Die Nummer eins am Rhein sind wir!“ Stefan Schell empfing als Vorsinger der Kölner Ultras die Kölner Profis und stimmte sie wild umherhüpfend über Mikrofon mit einer emotionalen Ansprache auf das wichtigste Spiel der Saison ein.

Da war die FC-Welt noch in Ordnung: Die Torschützen Ragnar Ache (l.) und Said El Mala jubeln nach dem Treffer zum 2:1.
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Die Extramotivation wirkte - allerdings mit Verzögerung. Gladbach kombinierte sich nämlich beim ersten Angriff per Direktspiel durchs Zentrum und brachte Frank Honorat rechts in Position. Der Franzose versendete einen Diagonalball und profitierte von Neumanns Unerfahrenheit. Der FC-Youngster zögerte einen kurzen Moment und verschaffte Jens Castrop den entscheidenden Vorsprung. Der Ex-Kölner tunnelte Marvin Schwäbe und nach 28 Sekunden führte die Borussia mit 1:0.
Die Geißböcke schüttelten das Gegentor wie eine lästige Fliege ab und drehten das Derby innerhalb von nur drei Minuten. Isak Johannesson schickte einen Ball in die Tiefe, den man so gerne öfter von dem Isländer sehen würde. Said El Mala pflückte den Pass im Strafraum vor Joe Scally herunter und schloss mit dem zweiten Kontakt aus elf Metern ab. Von Scally noch leicht abgefälscht flog der Rechtsschuss Gladbachs Keeper Moritz Nicolas zum 1:1 durch die Beine (4.). Es war das zehnte Saisontor für den 19-Jährigen in seiner ersten Bundesliga-Saison.
Ragnar Ache dreht das Spiel
Der schnelle Ausgleich pushte die Kölner, die nachlegten. Kristoffer Lund hieß diesmal der Absender des langen Balls aus dem Zentrum, der rechts bei Jakub Kaminski landete. Der Pole flankte sofort scharf an den Fünfer, wo Ragnar Ache ungestört einlief und zum 2:1 einschob (7.). Müngersdorf stand kopf. Ein solch furioser Auftakt war allein schon aufgrund der Konstellation im Abstiegskampf keineswegs zu erwarten gewesen. Und historisch gesehen schon mal gar nicht: In den 99 rheinischen Bundesliga-Derbys zuvor waren noch nie so schnell drei Tore gefallen.
Philipp Sander trifft im zweiten Versuch zum 2:2
Es sollte in der ersten Hälfte noch ein viertes folgen, weil sich die rechte Abwehrseite der Kölner mit dem unerfahrenen Neumann als Achillesferse manifestierte. Erst kam Castrop gegen den Nachwuchsspieler zu leicht zum Kopfball (14.), dann ließ Neumann seinem Gegenspieler wieder zu viel Platz. Castrop flankte auf den nachgerückten Philipp Sander, der im ersten Versuch von Eric Martel geblockt wurde und im zweiten Versuch den Ball zum 2:2 im kurzen Eck unterbrachte (21.). El Mala hatte es versäumt, seinem Gegenspieler in den eigenen Strafraum zu folgen.
Das Spiel nahm sich nach dem Gladbacher Ausgleich eine erste Atempause, bis Ache in Nicolas Arme köpfte (30.) und Johannesson aus 20 Metern knapp links oben vorbeizielte (37.). Auf der anderen Seite fiel noch ein eleganter Lupfer von Diks am rechten Pfosten runter (40.), bis das kurzweilige Derby in die Pause ging.
Cenny Neumann überfordert, Jens Castrop mit Doppelpack
Beide Teams kamen unverändert aus der Pause und es ging zunächst munter weiter. Nico Elvedi musste nach einem energischen Solo von Kaminski alles riskieren, um El Malas zweites Tor zu verhindern (49.).Das nächste gelungene Kaminski-Dribbling endete in den Armen von Nicolas (54.).
Der FC suchte die Offensive und geriet zum zweiten Mal in Rückstand, weil Cenny Neumann mit diesem Spiel und Jens Castrop überfordert blieb. Der im Kölner Nachwuchs ausgebildete 22-Jährige hatte wieder zu viel Platz, schlug einen Haken nach innen und setzte den Ball aus 20 Metern akkurat zum 2:3 rechts oben in den Winkel (60.).
Eric Martel trifft und fliegt
Castrops zweiter Treffer zeigte bei den Kölnern Wirkung. Sie zweifelten, waren verunsichert und verloren ihre Linie. Lukas Kwasniok reagierte, erlöste mit der Einwechslung von Jan Thielmann Cenny Neumann und brachte Felipe Chavez für Isak Johannesson (71.). Sechs Minuten später folgte ein Dreierwechsel. Marius Bülter, Florian Kainz und Luca Waldschmidt sollten die Derby-Pleite und Kwasnioks mögliche Demission verhindern.
Und tatsächlich gelang der Ausgleich. Waldschmidt holte die fünfte Kölner Ecke heraus, die Kainz auf dem Kopf von Eric Martel schlug, der sich gegen Scally und Elvedi durchsetzte und aus fünf Metern zum 3:3 ins linke Eck köpfte (84.). Der nächste Rückstand folgte auf dem FuZwei Minuten später war das Derby für den Kölner Sechser vorzeitig beendet. Der 23-Jährige sah nach einem Ellbogeneinsatz im Luftduell mit Scally Gelb-Rot (86.). Eine von vielen Entscheidungen von Schiedsrichter Sören Storks, die auf Kölner Seite für Kopfschütteln sorgte.
Wir können die Tabelle lesen und klar ist, dass wir bei den schweren Aufgaben, die kommen, Stellschrauben drehen müssen, um wieder Spiele gewinnen zu können.
Es blieb auch wegen Martels Platzverweis beim 3:3, das für Lukas Kwasniok zu wenig sein dürfte, um seinen ersten Job als Bundesliga-Trainer zu behalten.„ Heute wurde hier viel geboten, nur keine drei Punkte für den 1. FC Köln. Wir sind immer weiter an den Strich gerutscht und haben über einen langen Zeitraum keine Spiele gewonnen. Bremen hat gewonnen und St. Pauli kann am Sonntag gegen Freiburg auch gewinnen“, rechnete Thomas Kessler vor, dass der FC nach dem 27. Spieltag auf Relagtionsplatz 16 abrutschen kann.
Möglicher Nachfolger Thomas Letsch verfolgt das Derby als Zuschauer im Stadion
„Wir haben heute wieder die Chance gehabt, zu gewinnen, einen Rivalen zu schlagen und ihn in der Tabelle zu überholen. Die Qualität ist da, um die Klasse zu halten. Es steht über allem, dass der 1. FC Köln in der Bundesliga bleibt. Wir können die Tabelle lessen und klar ist, dass wir bei den schweren Aufgaben, die kommen, Stellschrauben drehen müssen, um wieder Spiele gewinnen zu können“, deutete Kessler einen zeitnahen Trainerwechsel an.
In dieses Bild passt, dass mit Thomas Letsch ein möglicher Kwasniok-Nachfolger am Samstag im Stadion war. Der ehemalige Trainer des VfL Bochum war zuletzt bis Februar 2026 bei RB Salzburg tätig. Der 57-Jährige könnte den FC in der Länderspielpause und auf die nächsten drei wichtigen Partien bei Eintracht Frankfurt und gegen die direkten Mitkonkurrenten Werder Bremen und FC St. Pauli vorbereiten.
Statistik:
1. FC Köln: Schwäbe; Neumann (71. Chavez), Van den Berg, Özkacar, Lund; Martel, Johannesson (71. Thielmann); Maina (77. Waldschmidt), Kaminski, El Mala (77. Kainz); Ache (77. Bülter). - Borussia Mönchengladbach: Nicolas; Sander, Elvedi, Diks; Scally (88. Friedrich), Reitz, Engelhardt; Castrop (85. Ullrich); Honorat (88. Machino), Stöger (85. Bolin); Tabakovic. - SR.: Storks (Ramsdorf). - Zuschauer: 50.000 (ausverkauft). - Tore: 0:1 Castrop (1.), 1:1 El Mala (4.), 2:1 Ache (7.), 2:2 Sander (21.), 2:3 Castrop (60.), 3:3 Martel (84.). - Gelb-Rote Karte: Martel (86.). - Gelbe Karten: Johannesson, Schwäbe, Kaminski, Özkacar, Thielmann, Kainz; Tabakovic, Reitz.
