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1. FC KölnUnd täglich grüßt das samstagsabendliche Murmeltier

6 min
Verzweiflung: Marius Bülter und der 1. FC Köln verpassten auch beim VfB Stuttgart einen Punktgewinn.

Verzweiflung: Marius Bülter und der 1. FC Köln verpassten auch beim VfB Stuttgart einen Punktgewinn. 

Der 1. FC Köln war wieder einmal nah dran, stand nach dem 1:3 bei Pokalsieger VfB Stuttgart aber erneut mit leeren Händen da. 

Der 1. FC Köln hat die Patzer seiner Konkurrenz im Abstiegskampf am 23. Spieltag der Bundesliga-Saison nicht für sich nutzen können. Die Chance war beim 1:3 (0:1) gegen den VfB Stuttgart wieder einmal da. Durch zwei späte Tore des DFB-Pokalsiegers und Europa League-Teilnehmers durch Ermedin Demirovic und Deniz Undav verpassten die Geißböcke den Sprung auf Platz neun und etwas mehr Abstand zwischen sich und die Plätze 16 bis 18 zu legen. „Es ist bitter, wir waren sehr nah dran, hier etwas zu holen und wir hätten es nach der zweiten Halbzeit auch verdient“, sagte Stürmer Marius Bülter enttäuscht.

Der Kölner Fanblock war nicht ganz gefüllt. Von den rund 5100 Plätzen blieben etwa 700 leer, weil die aktive Fanszene auf ihrer Reise nach Stuttgart von der Polizei auf der Raststätte Siegburg gestoppt und die zwölf Busse zurück nach Köln geschickt wurde. Grund war laut Polizei eine drohende Auseinandersetzung mit den Anhängern von Borussia Mönchengladbach, die ebenfalls auf der A3 unterwegs waren, um ihr Team beim Spiel in Frankfurt (0:3) zu unterstützen. „Es wird leiser werden“, kommentierte FC-Coach Lukas Kwasniok den ärgerlichen Vorfall.

Die Stimmung unter den restlichen Kölner war trotzdem gut. In der Hochzeit des rheinischen Straßenkarnevals fährt der FC-Fan natürlich bunt kostümiert und bestens gelaunt nach Stuttgart. Auch, wenn es in den vergangenen sechs Jahren bei den Karnevalsspielen keinen Sieg für die Geißböcke gab. Lukas Kwasniok und sein Team wollten diese Negativserie brechen und auch den Fluch der Samstagabend-Topspiele in der Saison 2025/26 im sechsten Anlauf besiegen.

Comeback von Joel Schmied

Der FC-Trainer änderte seine Startelf im Vergleich zum unglücklichen 1:2 gegen RB Leipzig auf zwei Positionen. Joel Schmied gab nach seiner Muskel-Sehnen-Verletzung aus dem Heimspiel gegen Eintracht Frankfurt am 22. November 2025 (3:4) sein Comeback in der Innenverteidigung und Marius Bülter stürmte für Said El Mala, den Kwasniok  lieber in die Joker-Rolle steckte.

Kwasniok hatte sich für eine Dreierkette mit Schmied, Eric Martel und Cenk Özkacar entschieden und musste nach 70 Sekunden das erste Mal durchatmen. Ein verunglückter Abschlag von FC-Keeper Marvin Schwäbe kam postwendend zurück und brachte Deniz Undav in Position. Der Nationalspieler tauchte frei vor Schwäbe auf, sein Lupfer misslang aber, so dass der Kölner Kapitän abwehren konnte (2.).

Ragnar Ache (r.) lupft den Ball zum 1:1-Ausgleich für den 1. FC Köln ins Tor.

Ragnar Ache (r.) lupft den Ball zum 1:1-Ausgleich für den 1. FC Köln ins Tor.

Eine Szene, die die Kölner Defensive verunsicherte. Schmied ließ sich den Ball am eigenen Strafraum abjagen (5.) und hatte Glück, dass seine Kollegen ausbügelten. Nachdem ein leichter Schubser von Maximilian Mittelstädt gegen Ragnar Ache im Strafraum ungeahndet blieb (7.) und Jakub Kaminski die erste Chance der Gäste vergeben hatte (9.), ging der Pokalsieger in Führung. Der Ex-Kölner Chris Führich durfte eine Halbfeldflanke schlagen. Jamie Leweling setzte sich leicht im Kopfballduell gegen Kristoffer Lund durch und legte auf Ermedin Demirovic ab, der keine Mühe hatte, das 1:0 zu erzielen (15.).

Ein Treffer, der Fragezeichen aufwarf, denn Demirovic stand bei Führichs Flanke im Abseits und verschaffte sich so vor der Kopfballvorlage von Leweling einen Vorteil gegenüber Eric Martel, der anschließend zu weit weg war vom VfB-Torjäger, der in der neuen Spielsituation nicht mehr in der verbotenen Zone stand.

Die ersten 20 Minuten ging es gefühlt nur ums Überleben.
Marvin Schwäbe, FC-Kapitän und Torwart

Eine offensive Antwort der Kölner blieb bis zur Halbzeit aus. Auf dem von Dauerregen aufgeweichten Rasen fiel den FC-Profis die Ballkontrolle schwer. Die VfB-Abwehr um den aufmerksamen Ex-Kölner Jeff Chabot hatte wenig Mühe, die FC-Angriffe zu kontrollieren. Immerhin stabilisierte sich die Defensive der Gäste, nachdem Demirovic beinahe den Doppelpack geschnürt hatte (23.). „Die ersten 20 Minuten ging es gefühlt nur ums Überleben“, erklärte Marvin Schwäbe.

„Wir haben zu viele einfache Ballverluste und müssen hinterherlaufen. Dann wird es gegen einen solchen Topgegner schwer“, sagte Frank Kaspari zur Pause. Der FC-Co-Trainer hatte zuvor noch den zweiten Abschluss seiner Mannschaft gesehen, den Jan Thielmann aus 16 Metern aber zu zentral auf VfB-Keeper Alexander Nübel setzte (38.).

Ragnar Aches herrlicher Lupfer

Die Geißböcke hatten sich aber immerhin ins Spiel gearbeitet und sich ein gutes Gefühl für die zweite Hälfte geholt. Das zeigte sich nach der Pause. Ragnar Ache rutschte aber in aussichtsreicher Position weg (47.) und Marius Bülter misslang ein Drehschuss, der aus fünf Metern zentral rechts nicht einmal knapp am Tor vorbeiging (59.). das hätte der Ausgleich sein können, vielleicht sogar müssen.

Der FC blieb am Drücker und Lukas Kwasniok stellte mutig auf Viererkette um, indem er Schmied und Cenk Özkacar für Said El Mala und Luca Waldschmidt vom Feld nahm (68.). Das hätte im ersten Moment fast das 0:2 bedeutet, Undav traf den Ball aber nicht richtig, sein Schuss flog rechts vorbei (69.).

Im zweiten Moment zahlten sich die Wechsel aus. El Mala zielte zunächst noch knapp vorbei und übersah dabei den blank stehenden Ache (78.). Eine Minute später fiel aber der verdiente Ausgleich. Luca Waldschmidt fing einen Aufbaupass von Chabot ab und bediente Ache, der erst Finn Jeltsch ausstiegen ließ und dann Nübel herrlich per Lupfer überwand (79.).

Die Jungs opfern sich auf, es fehlt nicht viel, aber aktuell eben ein bisschen, um gegen die Großen etwas mitnehmen zu können. 
Lukas Kwasniok, Trainer 1. FC Köln

Die Freude im FC-Lager hielt erneut nicht lange. Wie in Freiburg und gegen Leipzig kam die Antwort des Gegners prompt. Sebastian Hoeneß wechselte nach Josha Vagnoman, Bilal El Khannouss und Ramon Hendriks mit  Angelo Stiller und Tiago Tomas noch mehr Qualität ein (83.)  Sebulonsen schaffte es dann nicht mehr Hendriks nach einer traumhaften El Khannouss Hackenvorlage zu stellen. Es folgte eine scharfe Linksflanke vor den kurz stehenden Eric Martel, in dessen Rücken Demirovic erneut per Volleyschuss traf (84.). „Eine sensationelle Aktion der Stuttgarter, die ihre ganze Qualität gezeigt hat“, gratulierte Lukas Kwasniok Hoeneß zu seinen Spielern.

Die Kölner waren geschlagen und mussten in der Nachspielzeit auch noch das 1:3 hinnehmen. Nach einem Ballverlust von Florian Kainz und einem Fehler von Sebulonsen im Strafraum, legte Angelo Stiller erfolgreich auf Undav ab (90.+2). „Täglich grüßt das samstagabendliche Murmeltier. Die Jungs opfern sich auf, es fehlt nicht viel, aber aktuell eben ein bisschen, um gegen die Großen etwas mitzunehmen zu können“, kommentierte Lukas Kwasniok die knappe und erneut bittere Niederlage.


Statistik:

VfB Stuttgart: A. Nübel; Assignon (77. Vagnoman), Jeltsch, Chabot, Mittelstädt (77. Hendriks); Andrés (83. Stiller), Karazor; Leweling (84. Tiago Tomas), Undav, Führich (70. El Khannouss); Demirovic. - 1. FC Köln: Schwäbe; Sebulonsen, Schmied (68. Waldschmidt), Martel (89. Kainz), Özkacar (68. El Mala), Lund Hansen; Thielmann, Krauß (89. Schenten) , J. Kaminski; Ache, Bülter (84. Huseinbasic). – SR.: Robert Hartmann (Wangen im Allgäu). – Tore: 1:0 Demirovic (15), 1:1 Ache (79), 2:1 Demirovic (84.), 3:1 Undav (90.+2). – Zuschauer: 60.000. – Gelbe Karten: Führich, Chabot, Demirovic. El Khannouss; Kaminski.