Nach schwierigem Start hat sich Tom Krauß vor dem Duell gegen seinen Heimatclub RB Leipzig zur Stammkraft des 1. FC Köln entwickelt. Wie ihm das gelang, verrät er im Interview.
Tom Krauß beim 1. FC Köln etabliert„Der Trainer soll wissen, dass ich immer da bin“

Antreiber im Mittelfeld: Tom Krauß (24) kam bislang 17-mal für den 1. FC Köln zum Einsatz.
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Es ist kein Spiel wie jedes andere für Tom Krauß. Wenn der 1. FC Köln am Sonntag (15.30 Uhr/DAZN) in der Fußball-Bundesliga RB Leipzig empfängt, trifft der Mittelfeldspieler der Geißböcke auf seinen Heimatclub. Vor dem Wiedersehen sprach Martin Sauerborn mit der Leihgabe des FSV Mainz 05.
Herr Krauß, Sie spielen am Sonntag mit dem 1. FC Köln zum zweiten Mal gegen Ihren Heimatclub RB Leipzig. Wie fühlt sich das Wiedersehen für Sie an?
Es ist schon ein besonderes Spiel. Es fühlt sich bei einem Spiel in Leipzig aber noch etwas besonderer an, weil Familie und Freunde dann da sind. Es ist meine Heimat, es ist der Club, bei dem ich mein Profidebüt gefeiert habe. Ich freue mich auf das Spiel am Sonntag und hoffe, dass wir Leipzig ärgern können.
Sie haben RB im Sommer 2020 als Leihspieler verlassen, 2023 dann endgültig in Richtung Mainz. Haben Sie in der Zwischenzeit etwas von der Nähe zu Ihrem Heimatclub verloren?
Seit Leipzig habe ich ein paar Vereine gehabt und war immer voll konzentriert auf den Club, bei dem ich gerade war. Wenn ich gegen Leipzig spiele, denke ich natürlich an die Zeit zurück. Ich bin aber nicht mehr so oft in meiner Heimat, vielleicht ein, zwei Mal noch im Jahr, wenn ich meine Familie besuche. Es gibt jetzt nicht die ausgesprochene Liebe zu RB, aber ich bin froh, dass ich dort spielen durfte. Für die Jungs, die aus anderen Städten nach Leipzig kommen, ist es wahrscheinlich etwas Anderes, für einen Club wie Leipzig zu spielen. Für mich bleibt es etwas Besonderes, weil ich RB seit 2011 als Zehnjähriger live miterlebt habe. Ich bin in Leipzig geboren, dort habe ich meine Wurzeln.
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Wie stehen Sie dann zur öffentlichen Diskussion über das Konstrukt RB Leipzig?
Jeder hat seine eigene Meinung und darf diskutieren, gleichgültig um welchen Verein es sich handelt. Ich habe meine Sichtweise, weil ich so lange für Leipzig gespielt habe. Die Bundesliga passt und gehört in eine Stadt wie Leipzig. Und natürlich steht RB sehr viel Geld zur Verfügung – aber was sie mit den Mitteln machen, hat Hand und Fuß.
Sie haben nach Ihrem Profidebüt in Leipzig inklusive des 1. FC Köln bei sechs Vereinen gespielt. Da entsteht der Eindruck, dass es Ihnen schwerfällt, an einem Ort anzukommen. Oder gehören Sie zu den Menschen, die gerne Neues ausprobieren?
Nein. Ich war zuerst für zwei Jahre in Nürnberg, um den nächsten Schritt zu gehen. Da stand ich noch bei Leipzig unter Vertrag. Dann war mein Ziel, mit Schalke die Klasse zu halten. In dem Fall wäre eine Kaufpflicht eingetreten. Das hat leider nicht funktioniert. Ich bin dann nach Mainz gewechselt und dachte, dass ich angekommen bin und mir etwas aufbauen kann. Ich hatte im ersten Jahr drei Trainer und am Ende hat Bo Henriksen gesagt, dass er nicht zu 100 Prozent mit mir plant. Ich war jung und habe überlegt, was ich machen kann. Versuche ich es und spiele trotzdem nicht, oder entscheide ich mich nochmal für eine Leihe, um Spielpraxis zu sammeln? Dafür habe ich mich entschieden und bin nach England zu Luton Town. Ich habe da wichtige Erfahrungen gemacht, musste die Leihe aber aufgrund eines persönlichen Schicksalsschlags abbrechen und bin wegen meiner Familie zurück nach Deutschland.
Und zum VfL Bochum, zu Dieter Hecking.
Ich konnte in Bochum Bundesliga spielen. Es war aber sehr unwahrscheinlich, dass wir noch die Klasse halten. Wir sind noch einmal nah dran gewesen, aber es hat nicht gereicht. Ich konnte mich beim VfL aber für andere Clubs empfehlen, weil sich die Situation in Mainz mit dem Trainer für mich nicht geändert hatte. Über Bochum ist der Kontakt zum FC entstanden und für mich war klar, dass Köln der Verein ist, bei dem ich mich auch länger sehe. Und das ist jetzt auch mein Ziel mit Köln. Mein Ziel ist es, mit aller Macht mit dem FC die Klasse zu halten und hierzubleiben.
Im Fall des Klassenerhalts tritt die Kaufoption in Kraft, nachdem Sie die andere Komponente mit 15 Einsätzen bereits erfüllt haben?
Dann erhalte ich einen festen Vertrag – das war für alle Seiten das Ziel. Für Mainz, für den FC und für mich. Deshalb kämpfe ich jeden Tag, dass der Verein in der Liga bleibt und ich dann auch.
Sie sind erst 24 und haben schon für sieben Proficlubs gespielt. Haben Sie mal mit sich gehadert, ob jede Entscheidung die richtige war?
Klar, habe ich mir Gedanken gemacht. Ich mag aber den Spruch: Es kommt, wie es kommt. Eine Tür schließt sich, dafür öffnet sich eine andere. Vielleicht kam das Ausland zu früh für mich, aber ich bin in Luton auch reifer geworden. So wie es gekommen ist, sollte es sein. Jetzt bin ich in Köln und ich hoffe auch für länger.
Schafft der FC den Klassenerhalt?
Es geht jede Woche um Punkte und die Konkurrenten schlafen nicht. Mainz hat in Leipzig gewonnen und Heidenheim hätte in Dortmund 3:1 führen müssen. Wir können uns auf dem 1:0 gegen Wolfsburg nicht ausruhen und wollen auch am Sonntag gegen Leipzig wieder punkten.
Sie haben schon im Sommer gesagt, dass Sie beim FC endlich ankommen wollen. Der Start war nicht so leicht, oder?
Ich habe am Anfang auf Positionen gespielt, auf denen ich zuvor fast nie zum Einsatz gekommen bin. Aber ich bin ein Spieler, der versucht, sein Bestmöglichstes zu zeigen, wenn der Trainer mich in einer Position sieht. Erst ab Oktober, November habe ich wieder auf meiner Position trainiert und konnte dann ab Bremen auch in Spielen zeigen, was ich auf der Sechs kann. Es gibt im Fußball Phasen, in denen es nicht läuft, in denen du aber als Spieler dranbleiben und Entscheidungen akzeptieren musst. Trotzdem gebe ich immer Gas. Der Trainer soll wissen, dass ich immer da bin.
Wie ist Ihnen das bei Lukas Kwasniok gelungen?
Ich denke, ich bin mit der für mich schwierigen Situation gut umgegangen. Ich wollte für die Mannschaft das Beste, auch wenn ich nicht gespielt habe. Ich bin in einem Team- und nicht im Einzelsport unterwegs. Für mich ist es am Ende wichtig, dass der Verein in der Liga bleibt, sich entwickelt und ich ein Teil davon werde. Wenn sich der Trainer mal gegen mich entschieden hat, habe ich weiter hart gearbeitet. Ich habe auf meine Chance gelauert und sie genutzt, als sie kam. Jetzt will ich von Spiel zu Spiel noch konstanter, noch besser werden und helfen, unsere Ziele zu erreichen.
Sie haben sich ab dem Bremen-Spiel auf der Sechs festgespielt. Was hat zu dieser Entwicklung geführt?
Ich habe kontinuierlich gespielt, dann werden die Abläufe einfach besser. Es freut mich, dass es gerade so läuft, und ich bemerke eine Entwicklung, vor allem mit Ball. Da sehe ich mich noch am Anfang.
Warum spielen Sie am liebsten auf der Sechs?
Ich mag es, Bälle abzufangen, den Gegner zu ärgern, zu doppeln. Ich möchte noch mehr die Balance finden zwischen dem Spiel mit und dem gegen den Ball.
Wie lief Ihre Kommunikation mit Lukas Kwasniok in der schwierigen Phase?
Ich akzeptiere die Entscheidungen des Trainers und gebe mein Bestes, egal auf welcher Position. Er entscheidet und er hat dann auch entschieden, mich wieder auf die Sechs zu stellen.
Die Öffentlichkeit diskutiert seit Wochen kritisch, warum Kwasniok von Spiel zu Spiel so oft Personal und Positionen wechselt.
Wenn wir gewinnen, ist alles super, wenn wir verlieren, wird alles kritisiert. Ich sage, wir sind sehr flexibel. Die Gegner wissen nie, mit welchen Spielern wir auflaufen. Ich mache mir keine Gedanken über dieses Gerede. Wir müssen bei uns bleiben, wie gegen Wolfsburg. Auch, wenn wir in der zweiten Halbzeit schwitzen mussten, hatten wir die drei Punkte. Darum geht es – und ist für die ganze Stadt das Wichtigste am Wochenende.
Wie geht die neu zusammengestellte Mannschaft mit schwierigen Phasen um?
Das konnte jeder gegen Mainz und Wolfsburg sehen. Gegen Mainz wurden wir nach der ersten Halbzeit zu Recht ausgepfiffen. Die Mannschaft hat in dieser emotional schwierigen Situation das Spiel mit der Unterstützung der Fans gedreht. Da entsteht eine unglaubliche Energie. Das liebe ich bei diesem Verein, dass wir mit den Fans so ein Spiel noch ziehen können. Und es gibt immer schwierige Phasen – außer vielleicht bei den Bayern. Das Wichtigste ist dann der Zusammenhalt und dass auch mal Sachen angesprochen werden, die gerade nicht gut laufen. Dafür brauchen wir alle. Auch die, die nicht spielen.
Wie schwierig ist es aufgrund der vielen Ausfälle, sich auf immer neue Hinterleute einzustellen?
Natürlich ist das in der Kabine ein Thema, aber der Trainer hat es gesagt. Wir suchen keine Ausreden, sondern wir versuchen immer Lösungen zu finden, wie mit Sebastian Sebulonsen als rechtem Innenverteidiger. Wir sind alle Bundesliga-Profis, wir haben alle Qualität. Und dann ist es auch mit einem Marvin Schwäbe im Tor möglich, dass wie gegen Wolfsburg wieder ein anderer Spieler wie Cenk Özkacar reinkommt und wir zu null spielen.
Nach dem Heimspiel gegen Leipzig steht der Karneval an. Für Sie ist es das erste Mal. Wie sehen Sie den jecken Tagen entgegen?
Ich bin voll auf Leipzig konzentriert. Für mich ist Karneval kein Thema. Ich hoffe, wir gewinnen am Sonntag und können die drei Punkte feiern, von mir aus auch mit Karneval. Ich kann nach dem letzten Spieltag im Sommer mal ein, zwei Bier trinken. Bis dahin gilt mein voller Fokus dem Kampf um den Klassenerhalt.
Gibt es eine Ansage der sportlichen Leitung für Karneval und die FC-Sitzung am Dienstag?
Nein, weil der Fokus auf dem Sport und dem Spiel gegen Leipzig liegt. Das ist das Wichtigste. Vielleicht sprechen wir nach Sonntag darüber, wenn wir gewonnen haben. Ich freue mich auf alles, was kommt.

