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Ehrenamtspreis der Kölnischen RundschauFriedrich Schlichting ist „Jeck met Hätz“

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Friedrich Schlichting ist einer von drei Preisträgern des Ehrenamtspreises „Jeck met Hätz“.

Friedrich Schlichting ist einer von drei Preisträgern des Ehrenamtspreises „Jeck met Hätz“.

Friedrich Schlichting verbreitet mit dem Ambulanten Karnevalsdienst der Großen Allgemeinen jecke Stimmung in Pflegeheimen und Hospizen.

Eine 94-Jährige sitzt in einem Hospiz in ihrem Bett. Weil sie nur noch schwer Luft bekommt, muss sie eine Atemmaske tragen. In ihrem Zimmer einer Kölner Einrichtung, verbringt sie ihre letzten Tage. Heute schwenkt sie jedoch fröhlich mit den Händen und wippt mit den Füßen. Auslöser ist ein Besuch vom Ambulanten Karnevalsdienst (AKD) der Großen Allgemeinen Karnevalsgesellschaft von 1900 Köln e.V.. Einige Sänger, in Begleitung eines Akkordeonspielers, bringen ihr ein karnevalistisches Ständchen. „Sie sagte mir danach, sie sei eines der ersten Funkemariechen der Nachkriegszeit gewesen“, erklärt Friedrich Schlichting. Der 86-Jährige ist Sänger, Moderator und Organisator der Gruppe. „Das war einer der bisherigen Höhepunkte für mich“, erinnert er sich gerührt.

Seit 18 Jahren zieht der AKD durch Pflegeheime und Hospize, „um denen, die nicht mehr unmittelbar an der fünften Jahreszeit teilnehmen können, den Karneval ins Haus zu bringen“. 13 Personen umfasst die Gruppe, darunter auch Musiker, wie ein Bassist und Gitarrist. Bis auf eine Person sind alle Mitglieder im Rentenalter. „Wir machen das, um in den oft tristen Alltag der Leute ein bisschen Freude zu bringen. Viele von ihnen sind einsam“, sagt Schlichting.

Hunderte Auftritte in den vergangenen Jahren

Neben dem gemeinsamen Singen und Schunkeln stehen auch humorvolle Gedichte und Krätzcher sowie Mitmachaktionen auf dem Programm. Wenn die Session vorbei ist, macht der AKD trotzdem weiter und tritt auch im Sommer auf. Das musikalische Repertoire umfasst also eine Mischung aus Karnevalsliedern, alten Schlagern und Ohrwürmern vergangener Tage. „Wir haben schon Menschen mit einer demenziellen Erkrankung erlebt, die sich durch die Lieder wieder an etwas erinnert haben und nach langer Zeit, in der sie nichts gesagt haben, anfingen, mitzusingen. Es ist ein Singen gegen das Vergessen.“

Hunderte Auftritte sind in den vergangenen Jahren zusammengekommen. In einem aufwendigen Organisationsprozess, den Schlichting verantwortet, müssen die Termine mit den Pflegeheimen geplant werden. In jeder Session erstellt die Gruppe zusammen ein neues Programm. Die Qualität der Auftritte hat sich schon lange rumgesprochen. „Wir haben mehr Anfragen, als wir abdecken können“, sagt Schlichting. 

Friedrich Schlichting mit dem Team des Ambulanten Karnevalsdienstes.

Friedrich Schlichting mit dem Team des Ambulanten Karnevalsdienstes.

Auch wenn er einer der drei Preisträgerinnen und Preisträger des Rundschau-Ehrenamtspreises „Jeck met Hätz ist“ ist, möchte er das Engagement der gesamten Gruppe durch die Auszeichnung würdigen. „Es ist für uns alle eine tolle Wertschätzung. Es wird viel zu selten auf das Engagement von Ehrenamtlichen hingewiesen“, sagt der gebürtige Westfale „mit rheinländischem Herzen“.  

Die größte Ehre bleibt für ihn aber vor allem eines: „Wenn ich ein dankbares Lächeln im Publikum sehe, ist das meine Motivation und ein Grund, weiterzumachen.“ Seit 17 Jahren ist der Kölner nun schon mit dem AKD unterwegs. Sein Ehrenamt trägt auch dazu bei, dass er mental und körperlich fit bleibt: „Was die Mobilität angeht, verlangt es einem einiges ab, und ich lerne viele Texte auswendig.“ Weitermachen will er, so lange es möglich ist. 

Viele emotionale Momente in den Hospizen

Auch vor prominenten Jecken trat die Gruppe schon auf. So trauten sie ihren Augen nicht, als sie in einem Pflegeheim den legendären Büttenredner Toni Geller entdeckten. Eine ähnliche Situation ergab sich mit einer weiteren, mittlerweile verstorbenen Karnevalsikone: „Plötzlich stand während des Aufbaus eine kleine Dame vor mir und sagte ganz dreist zu mir: ‚Sie wissen ja, dass ich in ihrer Gesellschaft Ehrensenatorin bin‘. Und dann fiel es mir wie Schuppen von den Augen. Es war Marie-Luise Nikuta.“ 

Das Publikum des AKDs umfasst in großen Heimen manchmal über hundert Menschen. In Hospizen sind es unter zehn. Immer wieder kommt es bei den Besuchen zu emotionalen Momenten. „Auch junge Menschen treffen wir in solchen Häusern an. In einem Heim haben wir zwei hochgradig erkrankte Männer in ihren Dreißigern kennengelernt“, sagt Schlichting. „Das berührt uns immer sehr.“ Genauso der Fall einer sterbenskranken Frau, die sich das Lied „Heimweh nach Köln“ wünschte. Darin heißt es: „Un deiht d’r Herrjott mich ens rofe, dem Petrus sagen ich alsdann, ich kann et räuhig dir verzälle, dat Sehnsucht ich noh Kölle han.“


Das ist Jeck met Hätz

Drei Jecken hat die Rundschau in den vergangenen Wochen gesucht, die sich in besonderem Maße ehrenamtlich für den Kölner Karneval einsetzen. Durch eine Online-Abstimmung und die Wertung unserer Jury, bestehend aus Festkomitee-Präsident Christoph Kuckelkorn sowie Bernhard Conin und Johanna Cremer von den Freunden und Förderern des Kölnischen Brauchtums, haben sich Herbert Radke, Katja Funken und Friedrich Schlichting als Preisträgerinnen und Preisträger hervorgetan.

Die drei werden am Karnevalsfreitag beim Sternmarsch der Freunde und Förderer des Kölnischen Brauchtums auf dem Alter Markt geehrt. Die Veranstaltung ist vor allem ein Dankeschön an die vielen Veedelsvereine, in denen sich unzählige Menschen ehrenamtlich für den Kölner Karneval verdient machen. Sie alle tun es für ihre Vereine und die Gemeinschaft, aber auch für die gesamte Stadt. „Alaaf – Mer dun et för Kölle“ lautet passenderweise das Sessionsmotto in diesem Jahr, dass all diese Ehrenamtlerinnen und Ehrenamtler in den Fokus rückt und das große Engagement tausender Jecken ehrt.

Ausgezeichnet werden die Preisträgerinnen und Preisträger von „Jeck met Hätz“ mit einer eigens für den Rundschau-Wettbewerb designten Spange. Entworfen hat sie der Prinz Karneval des Jahres 2012, Marcus Gottschalk, der auch Vorstandsmitglied des Festkomitees Kölner Karneval ist. Angefertigt wurden die Einzelstücke von Metallkünstler Tobias Kreiten.

Im kommenden Jahr geht „Jeck met Hätz“ in eine neue Runde: Auch dann sind Vereine und Privatpersonen aufgerufen, Ehrenamtliche aus dem Fastelovend zu nominieren, die sich in besonderem Maße für den Fastelovend engagieren: in Schulen, Vereinen, in den Veedeln, auf, hinter und vor der Bühne. Wenn Sie schon jetzt Nominierungen vormerken möchten, schicken Sie uns gerne eine Mail an jeck@kr-redaktion.de.