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Kölner Hai Parker Tuomie„Als es dann passiert ist, war ich sprachlos“

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Nationalspieler Parker Tuomie bei der Einkleidung für Olympia.

Nationalspieler Parker Tuomie bei der Einkleidung für Olympia. 

Parker Tuomie über den Anruf des Bundestrainers, seine Rolle beim DEB und den momentanen Lauf der Haie.

Für Parker Tuomie (30) jagt derzeit ein Highlight das nächste. Nach seiner erstmaligen Nominierung für Olympia stellte der Eishockey-Nationalspieler mit DEL-Primus Kölner Haie einen neuen Vereinsrekord auf. Vor der Partie am Freitag (19.30 Uhr, Magenta Sport) in Schwenningen sprach Alexander Wolf mit dem Angreifer.

Herr Tuomie, mit dem KEC haben Sie gerade die historische Marke von 14 Siegen in Folge geknackt. Dann geht es Anfang Februar mit dem DEB nach Mailand. Ist das die beste Phase Ihrer Karriere?

Ja, definitiv. Die Olympia-Nominierung gehört mit zum Highlight meiner Karriere. Aber auch der Erfolg, den wir mit den Haien haben. So etwas habe ich noch nie gesehen oder erlebt. Gerade versuche ich weiter, jeden Tag hart an meinem Spiel zu arbeiten. Es gibt aber auch schon Dinge, die man für Olympia organisieren muss. Das ist im engen Plan mit den Haien einerseits stressig, aber auch die beste Möglichkeit, mich auf das Turnier in Mailand vorzubereiten.

Für den Deutschland Cup im November wurden Sie nachnominiert. Dann rief Bundestrainer Harold Kreis aber mit guten Nachrichten bezüglich Olympia an. Wie war das?

Ich war bei Louis-Marc Aubry (Sturmpartner beim KEC; Anm. d. Red.) und wir haben den Geburtstag seines Sohnes gefeiert. Als ich gesehen habe, dass der Bundestrainer angerufen hatte, bin ich zum Telefonieren ins Badezimmer gegangen. Ich dachte ehrlich, dass die Absage kommt. Aber als es dann passiert ist, war ich sprachlos und durfte es niemandem erzählen. Erstmal musste ich die zwei, drei Stunden auf dem Geburtstag mein Pokerface halten, bevor ich es am Abend meiner Freundin, später meiner Familie und erst zwei, drei Wochen danach den Jungs in der Kabine erzählen konnte.

Wieso erschien Ihnen die Absage wahrscheinlicher als die Nominierung?

Man muss sehen, wie gut das deutsche Eishockey geworden ist. Es gibt auch bei uns in der Kölner Mannschaft Stürmer, die gute Rollen spielen, auch gut scoren und nicht dabei sind (Dominik Bokk; Anm. d. Red.). Oft ist die Linie sehr, sehr klein und es gibt viele deutsche Jungs, die bei den Turnieren spielen können. Aber Harry Kreis muss eine Mannschaft bauen, die alle Rollen abgesichert hat. Momentan sieht er mich da. Ich bin überstolz und werde mein Bestes geben.

Auch bei der WM 2023 waren Sie dabei und wurden Vizeweltmeister. Wie würden Sie Ihre Rolle beim DEB beschreiben?

Für den Coach ist sicher ein großes Thema, dass ich das System schon kenne. Er weiß, dass er mich überall im Lineup einsetzen kann. Ich glaube, er sieht mich als Spieler, der in jeder Situation helfen kann. Egal ob erste, zweite, dritte oder vierte Sturmreihe. Zudem bringe ich meine Schnelligkeit und gute Teamenergie mit rein. Ich bin ein mannschaftsdienlicher Spieler mit Erfahrung.

Das kann man auch über Moritz Müller sagen. Ihr Kapitän steht vor der dritten Olympia-Teilnahme. Wie läuft der Austausch?

Das ist für mich ein cooler Vorteil. Mo gibt mir einfach viele Informationen, wie so eine Olympiade abläuft. Er hat mir zum Beispiel erzählt, dass man als olympischer Athlet eine eigene E-Mail-Adresse bekommt. Das war ziemlich überraschend. Dazu hat er einfach ein paar coole Geschichten aus den Jahren zuvor erzählt. Ich glaube, es ist nicht nur für mich, sondern für viele Spieler, die ihr erstes Turnier spielen, wichtig, so jemanden zu haben.

Wie fühlt es sich an, dass auch NHL-Stars wie Leon Draisaitl, Tim Stützle oder Moritz Seider mit dabei sein werden?

Ich habe mit Leon ja schon Nationalmannschaft gespielt, weil wir derselbe Jahrgang sind, aber wir haben uns eine Weile nicht gesehen. Wieder mit ihm auf dem Eis stehen zu dürfen, das wird eine unglaubliche Erfahrung. Auch Nico Sturm oder JJ Peterka sind unglaubliche Spieler. Ich freue mich, dass alle jetzt zusammenkommen und man das beste deutsche Team sieht.

Auf Klubebene sind die Kölner Haie derzeit das beste deutsche Team. Wie sehen Sie die aktuelle Form und die Rekordjagd?

Das Komische ist, für uns fühlt es sich nicht so an, dass wir untypisch hoch oder überraschend gut spielen. Es fühlt sich eher so an, als hätten wir einen sehr, sehr hohen Standard aufgebaut. Den können wir von Tag zu Tag weiterführen. Dass wir den Vereinsrekord mit 14 Siegen knacken können, hatten wir bis zum 12., 13. Spiel gar nicht auf dem Schirm. Nach dem gewonnenen Iserlohn-Spiel am Sonntag war der Liga-Rekord kurz ein Thema.

Der liegt bekanntlich bei 15 Siegen von den Adler Mannheim in der Saison 2001/02. Mit einem Sieg am Freitag bei den Schwenninger Wild Wings hätte der KEC ihn egalisiert.

Das wird ein genauso enges Spiel, wie alle in den letzten Wochen. Schwenningen ist gerade im Kampf um die Top-Zehn und hat Augsburg an den Fersen. Für sie ist das ein Spiel, in dem sie unseren Lauf beenden können. Alleine durch die kleinere Eisfläche ist es immer schwer in Schwenningen. Wir wollen aber unser Spiel weiterspielen.