Abo

Baskets siegen auswärtsPatrick Heckmann macht den Unterschied aus

5 min
Power Forward Patrick Heckmann (links) ist der Vater des Bonner Sieges bei den Riesen Ludwigsburg.

Power Forward Patrick Heckmann (links) ist der Vater des Bonner Sieges bei den Riesen Ludwigsburg.

Telekom Baskets Bonn entführen beim 86:85 beide Punkte aus Ludwigsburg – Flügelspieler glänzt mit 14 Punkten und acht Rebounds

Die Telekom Baskets Bonn haben sich den Sieg erarbeitet. Das 86:85 (21:13, 14:30, 27:22, 24:20) bei den Riesen Ludwigsburg war verdient, aber nichts für Liebhaber filigraner Duelle. Die Partie lebte vor allem von ihrer Spannung, denn Spielfluss kam bei 57 Fouls und 74 Freiwürfen kaum auf. Bedanken konnten sich die Bonner bei Patrick Heckmann, der seine bislang beste Leistung in den Magentafarben ablieferte. Er kam auf 14 Punkte, zwei Dreier und acht Rebounds.

Vor 4000 Zuschauern erwischten die Gäste den besseren Start und legten zum 11:4 (5.) vor. Die Verteidigungsreihen standen sicher und erlaubten dem Gegner nur schwierige Abschlüsse. Auf beiden Seiten griffen die Angriffssysteme noch nicht. Dank einer Ganzfeldmanndeckung behaupteten die Baskets ihre Führung bis zum Viertelende (21:13). Bis dato herausragender Bonner war Grayson Murphy mit acht Punkten, er verwandelte alle vier Feldkörbe.

In den zweiten zehn Minuten drehten die Hausherren den Spieß um. Bonn leistete sich viel zu viele Fouls, Jeff Garrett kassierte nach 13 Minuten sein drittes. Da hatten er und seine Kameraden schon den Ausgleich kassiert zum 23:23. Trainer Marko Stankovic nahm eine Auszeit und monierte fehlende Aggressivität beim Rebound und das zu geringe Tempo: „Es ist alles weg.“

Im Anschluss traf Joel Aminu den ersten Bonner Dreier – im neunten Versuch. Bis zur Pause folgten noch fünf weitere erfolglose Würfe, machte eine Trefferquote von nur sieben Prozent. Da auch die Zahl der Ballverluste stieg, entwickelte sich eine offene Begegnung, in der die Akteure ihre Zelte vorwiegend an der Freiwurflinie aufschlugen.

Die Baskets versuchten es mit körperloser Defense und lagen beim Kabinengang prompt mit 35:43 zurück. Der Coach brachte es in einer weiteren Auszeit lautstark auf den Punkt: „Die Ludwigsburger halten uns im Eins-gegen-Eins zum Narren.“

Frisch eingeschworen wollten die Rheinländer der Partie schnell die nächste Wende verpassen, mussten aber den ersten zweistelligen Rückstand verkraften (40:51, 23.). Nach 26 Minuten hatten sie bereits elf Ballverluste auf dem Konto.

Dann nahm sich Heckmann der Sache an. Mit ihm kehrte die Spielkontrolle zurück, er drückte der Partie seinen Stempel auf. Mit einem Bonusspiel verkürzte der letzte Bonner Neuzugang auf 57:58 (28.), dann besorgte er mit einem Distanzwurf die 60:29-Führung, bevor er sich ein Technisches Foul nicht verkneifen konnte (29.). Nach drei Abschnitten lagen die Gäste mit 62:65 in Rückstand. Sie standen sich bis dahin mit ihrer Fernwurfquote von 16 Prozent (4/25) selbst im Weg.

Im letzten Viertel zeigten die Baskets eine souveräne Vorstellung. Murphy markierte sechs Zähler in Folge zum 68:67 (32.), Heckmann traf erneut von der Dreierlinie (71:69, 34.), münzte einen Ballgewinn in das 73:69 (34.) um und legte das 81:76 (37.) nach.

Zahlreiche Fouls sorgten weiterhin dafür, dass die Uhr deutlich weniger lief als die Spieler. Nach und nach verkürzten die Baden-Württemberger, für die Traveon Buchanan per Dreier den Ausgleich zum 82:82 (39.) erzielte und der Ex-Bonner Yorman Polas Bartolo von der Freiwurflinie die Ludwigsburger 84:82-Führung schaffte. Alijah Comithier glich in der Schlussminute aus, Polas Bartolo verwandelte einen Freiwurf zum 85:84 für die Gastgeber.

Die Bonner bewahrten Ruhe, spielten ihre Angriffe klug aus und ließen sich foulen. Heckmann und Kapitän Mike Kessens nutzten jeweils einen von zwei Freiwürfen, um nach über zwei Stunden Spieldauer doch noch den Sieg feiern zu dürfen. Der letzte Versuch aus der Distanz von Elijah Hughes verfehlte den Bonner Korb.

Heckmann sah sein Team auf dem richtigen Weg: „Bis aufs zweite Viertel haben wir heute dagegengehalten, wir sind auf jeden Fall eine Top-sechs-Mannschaft.“

Das bestätigte Stankovic: „Zunächst möchte ich meinem Team zu einem wichtigen Sieg gratulieren. Das war ein sehr interessantes und physisches Spiel, was wir erwartet hatten. Von unserer Seite hatten wir einen sehr guten Start. Wir haben das komplette erste Viertel so gespielt, wie wir das wollten. Aber wir sind auf einen sehr guten Gegner getroffen, der ab dem zweiten Viertel deutlich besser geworden ist. Wir waren in beiden Richtungen gewissermaßen nicht auf unserem Level, was zu einem Acht-Punkte-Rückstand geführt hat. Ich denke, dass wir in der Halbzeitpause einen guten Austausch hatten. Wir haben anschließend seriös gespielt und den Gameplan respektiert. In dieser Arena drei Viertel zu gewinnen, ist fantastisch. Das Ende war interessant, wir hatten ein wenig Glück. Ludwigsburg macht zwei Würfe nicht. Auch wir hätten einige Würfe und Freiwürfe mehr treffen können, die Partie hätte in beide Richtungen kippen können. Heute war das Glück auf unserer Seite – wir haben es meiner Meinung nach verdient.“

Weiter geht es am Freitag um 20 Uhr bei den Rostock Seawolves.

Bonn (Punkte/Dreier): Comithier (23), Murphy (14), Heckmann (14/2), Birts (12/1), Aminu (9/2), Kessens (7), Jongkuch (5), Garrett (2), Cooks, Jostmann; Rebounds: 46 (Heckmann 8, Kessens 8); Assists: 15 (Cooks 5); Ballverluste: 17; Trefferquote Feld: 40,6 % (28/69); Dreierquote: 17,2 % (5/29).

Ludwigsburg (Punkte/Dreier): Smith (28/1), Buchanan (20/4), Hughes (12/2), Sane (6), Tischler (5), Baumer (3/1), Polas Bartolo (3), Wohlfarth-Bottermann (3), Schilling (2), Skuja (2), Dongmo Temoka (1), Anigbata; Rebounds: 37 (Wohlfarth-Bottermann 6); Assists: 10 (Smith 4); Ballverluste: 22; Trefferquote Feld: 47,3 % (26/55); Dreierquote: 32,0 % (8/25).