Experten erklären, was notwendig ist, um die einzigartige Landschaft zu retten.
Fragen und AntwortenGroßfeuer im Hohen Venn – wird sich das Moor jemals erholen?

Man sollte das Moor so schnell wie möglich wieder vernässen, sagen die Experten.
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Das Feuer im Hohen Venn, einer seltenen Hochmoorlandschaft an der deutsch-belgischen Grenze, hat Entsetzen ausgelöst. Welche Chancen hat das Moor, sich davon zu erholen? Holger Sticht, NRW-Landesvorsitzender des Bundes für Umwelt- und Naturschutz, und Tilmann Disselhoff, Moorexperte des Naturschutzbundes (Nabu), beantworten diese und weitere Fragen zum Thema.
Wird sich das Moor erholen und falls ja - wie schnell?
Sticht: „Das ist schwer zu sagen, wenn man das tatsächliche Ausmaß noch nicht kennt. Es hängt sehr davon ab, ob und wie stark der Torfkörper von dem Feuer erfasst ist. Aber dieses Gejammere "Das Moor ist tot" ist natürlich Quatsch. Entscheidend ist, ob genügend nasse Moorbereiche übrig sind, damit die Tiere und Pflanzen die verbrannte Fläche möglichst schnell wieder besiedeln können. Je nach Ausmaß des Schadens kann dies Jahre oder Jahrzehnte dauern. Ich habe aber die Hoffnung, dass die Torfschicht nicht völlig abbrennt, weil die unteren Schichten nasser geblieben sein dürften als die oberen.“
Disselhoff: „Hochmoore entstehen durch ein Überangebot von Wasser. Man muss natürlich den Klimawandel berücksichtigen. Entscheidend ist die Niederschlagsmenge. Es kann sein, dass man das Hochmoor deswegen nicht mehr auf 100 Prozent der ehemaligen Fläche renaturieren kann. Das hängt von der Veränderung des Niederschlags in der Region ab.“
Warum hat das Moor gebrannt?
Sticht: „Das Hochmoor "Hohes Venn" ist über Jahrzehnte mit Entwässerungsgräben und Drainagen entwässert worden, das ist die eigentliche Ursache. Nur etwa zehn Prozent der Fläche wurden wieder vernässt. Nasse Moore können kaum brennen, die bestehen zu mehr als 90 Prozent aus Wasser.“
Was passiert, wenn Moore entwässert werden?
Disselhoff: „Dann mineralisiert der Torfkörper, der sich gebildet hat und entsprechend degradieren diese Flächen, sind als Moor-Ökosystem erst einmal verloren.“
Was sollte nun getan werden?
Sticht: „Man sollte dieses Hochplateau so schnell wie möglich wieder vernässen und die alten Entwässerungsgräben und Drainagen schließen. Dann wird das Moor auch wieder als Moor besiedelt. Belgien sollte das tun und wir auch.“
Disselhoff: „Das A und O ist, das man das Wasser zurück ins Moor holt. Ohne Wasser gibt's kein Moor und kein Moorwachstum. Die Entwässerung muss beendet, die Gräben verfüllt werden.“
Und wenn nichts getan wird?
Sticht: „Wenn wir das nicht wieder wässern, könnte es natürlich passieren, dass es alle paar Jahre auf derselben Fläche erneut brennt, nämlich immer in Jahren besonderer Trockenheit, die häufiger werden durch den Klimawandel.“

Laut den Experten könnte es sein, dass es auf derselben Fläche erneut brennt, wenn nicht wieder gewässert wird.
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Disselhoff: „Wenn nicht vernässt wird, bluten die Flächen weiter aus. Entwässerte Moore geben genauso viel Kohlendioxid in die Atmosphäre ab wie brennende - nur das man das nicht sieht. Deswegen ist Entwässerung aus Klimaschutzsicht so ein Riesenproblem.“
Was ist mit den Fichten?
Sticht: „Im Hohen Venn wurden die Ränder mit Fichten aufgeforstet, die besonders brennbar sind. Das ist natürlich Forstwirtschaft und kein Naturschutz. In einem intakten Moor könnten gar keine Fichten oder anderen großen Bäume wachsen, weil der Untergrund viel zu sauer wäre. Fichten und andere Nadelbäume sind im Moor eine forstwirtschaftliche Altlast.“
Disselhoff: „Die aufgeforsteten Bäume sind ein Problem, weil sie mehr Wasser verdunsten, dadurch den Vernässungseffekt verhindern und konterkarieren können. Auf offene Hochmoorflächen gehören keine Kiefern und auch keine anderen Baumarten.“
Könnte das Feuer also auch eine Chance sein?
Sticht: „Das Feuer könnte eine Riesenchance sein, wenn jetzt klug gehandelt wird. Tier- und Pflanzenarten könnten profitieren und Nadelbäume, die nun umgekippt sind, dürften in einem intakten Milieu nicht wieder wachsen. In einem gesunden Moor wachsen nur Kriechweide und Zwergbirke und die sind nur etwa zehn bis 20 Zentimeter hoch.“
Wie lange braucht eine Torfschicht, um sich zu entwickeln?
Sticht: „Es braucht etwa 1.000 Jahre, bis sich eine ein Meter dicke Torfschicht in einem Moor entwickelt.
Disselhoff: „Ja, das kommt hin. Etwa ein Millimeter pro Jahr.“
Hat das Feuer keine negativen Folgen?
Sticht: „Doch, bei dem Feuer ist sehr viel Kohlendioxid in die Atmosphäre gelangt. Das ist natürlich negativ für das Klima. Die Asche kann zudem den Säurehaushalt des Moores hemmen. Die Torfmoose sind die Architekten des Moores. Sie mögen es sauer, mit einem pH-Wert von drei bis vier, der für die meisten anderen Pflanzen tödlich ist. Die Mineralien aus der Asche können zwar grundsätzlich von den Torfmoosen verwertet werden. Das kann aber dauern und erst einmal hemmend wirken.“
Disselhoff: „Asche ist alkalisch, das Gegenteil von sauer. Die Frage ist also, wie viel Asche entstanden ist.“
Ist das Moor also doch kaputt?
Sticht: „Dieses Hochmoor ist nicht komplett kaputt. Wenn man die alten Drainagen schließt und den Wasserhaushalt repariert, wird es sich regenerieren. Vernässung ist der Schlüssel, sonst brennt das Moor bald wieder.“
Was sollte auf keinen Fall getan werden?
Sticht: „Wieder Aufforsten mit irgendeinem Gedöns aus der Baumschule.“ (dpa/red)
