Der Schauspieler Oliver Wnuk spricht im Interview mit der Rundschau über sein neues Buch – und Unmut über seine Rolle als Kommissar Feldmann.
Schauspieler Oliver Wnuk„Es gibt da regelrechte Hasskommentare“

Oliver Wnuk
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Schauspieler und Autor Oliver Wnuk, bekannt unter anderem aus dem ZDF-Krimi „Nord Nord Mord“, ist am Mittwoch 50 geworden und schenkt sich zum runden Geburtstag ein heiter-nachdenkliches Buch über die Dinge des Lebens. „Besser wird’s nicht“ erscheit an diesem Donnerstag. Was sinkende Zuschauerzahlen bedeuten und welchen Tipp er für seine Kollegen hat, verrät er im Gespräch mit Tilmann P. Gangloff.
Herr Wnuk, im Vorwort zu Ihrem Buch „Besser wird’s nicht“ bezeichnen Sie sich als Clown und Hofnarr. Gleichzeitig wollen Sie mit Ihrem Beruf mehr der Allgemeinheit dienen. Ist das ein Widerspruch?
Im Gegenteil. Ich sehe mich nach wie vor als Clown, mal lustig, mal traurig. Wir alle in der Unterhaltungsbranche sind abhängig Beschäftigte, denn wir sind davon abhängig, dass uns jemand zuhört oder zusieht. Das Fernsehpublikum hat die Fernbedienung in der Hand und kann jederzeit umschalten.
Dass die ARD Ihre Reihe „Das Leben ist kein Kindergarten“ eingestellt hat, muss aber andere Gründe haben. Wissen Sie, welche?
Nein, das weiß ich bis heute nicht. An der Beliebtheit kann’s in der Tat nicht gelegen haben, die Filme werden regelmäßig in den dritten Programmen wiederholt. Ich bekomme nach wie vor Zuschriften von Menschen, die ebenfalls bedauern, dass die Reihe nicht fortgesetzt worden ist. Für mich war das Schreiben der Drehbücher eine tolle Erfahrung.
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Erklärt sich so auch der pessimistische Titel Ihres Buchs? „Das Beste kommt noch“ wäre deutlich optimistischer gewesen.
Der Titel soll etwas ganz anderes signalisieren: Wenn du jetzt nicht erkennst, wie gut es dir geht, wirst du es nie erkennen. Es gibt in jedem Leben so viel, dessen man sich glücklich schätzen kann; wer das nicht sieht, dem wird auch kein noch so hoher Kontostand helfen. Das Beste kommt nicht, es ist schon da.
Ihre erste Reihenrolle war ab 2003 „K3 – Kripo Hamburg“, 2011 folgte „Nord Nord Mord“. Als Sie vor 30 Jahren Ihre Ausbildung zum Schauspieler begonnen haben, war Ihr Hauptmotiv vermutlich nicht die Hoffnung, ständig Kommissare zu verkörpern.
Das stimmt, doch damals bestand das TV-Angebot an Filmen und Serien auch noch nicht zu gefühlt 80 Prozent aus Krimis. Wer da nicht mitmachen will, ist faktisch arbeitslos. Man kann das aber auch anders betrachten.
„Nord Nord Mord“ ist die erfolgreichste Krimi-Marke des ZDF, inklusive Mediathek haben wir regelmäßig bis zu zwölf Millionen Zuschauer; das ist für die heutige Zeit eine enorme Zahl. Außerdem habe ich das große Glück, mit „Stromberg“ an einem der beliebtesten Comedy-Formate der letzten zwanzig Jahre beteiligt zu sein. Sie haben es angedeutet, die TV-Landschaft verändert sich gerade rapide. Wie nehmen Sie das wahr?Wir Schauspieler tauschen uns ja regelmäßig untereinander aus, und da gibt es einige, die durchaus bekannt sind, aber keine Angebote bekommen. Die Gesamtsituation entwickelt sich dramatisch, das betrifft die gesamte Branche.
Woran liegt das?
Corona war ein drastischer Einschnitt. Ein Film, der vor der Pandemie eine Million Zuschauer hatte, hätte heute nur noch eine halbe Million. Mit „Der Schuh des Manitu“ hatten wir 2001 zwölf Millionen Besucher. „Das Kanu des Manitu“ hatte sechs Millionen Zuschauer, aber die Zahl ist genauso hoch einzuschätzen wie damals die zwölf Millionen; die Erfolge haben sich halbiert.
Gilt das nur fürs Kino?
Nein. Ich bin derzeit mit meinem Bühnenprogramm unterwegs, die Veranstaltungen sind zum Teil ausverkauft, aber das ist alles andere als selbstverständlich. Ich höre immer wieder von Veranstaltern, wie schwer es ist, die Säle zu füllen. Die Leute gehen einfach nicht mehr so oft raus wie früher.
Davon müsste doch eigentlich das Fernsehen profitieren.
Leider nicht, weil die Finanzierung von TV-Projekten gerade bei ARD und ZDF deutlich schwieriger geworden ist: Die Produktionskosten sind nicht zuletzt wegen der Inflation ungleich höher als vor fünf Jahren, aber die Rundfunkbeiträge sind das letzte Mal 2021 gestiegen; deshalb wird insgesamt deutlich weniger produziert als damals. Angesichts dieser Rahmenbedingungen in einer derart erfolgreichen Reihe wie „Nord Nord Mord“ mitwirken zu dürfen, bringt daher eine gewisse Planungssicherheit mit sich. Eine Rolle wie den Hinnerk Feldmann spielen zu dürfen, mit der man identifiziert wird, ist ein echtes Privileg.
Obwohl der Klugscheißer Feldmann nicht unbedingt ein Typ ist, den man sofort ins Herz schließt?
Ja, das merke ich auch an den Kommentaren in Social Media: Die Figur polarisiert, es gibt da regelrechte Hasskommentare, das ist in den letzten Jahren echt krass geworden. Heute wird es viel weniger akzeptiert, wenn jemand aus der Reihe tanzt. Die Zahl der positiven Kommentare ist aber um ein Vielfaches höher.
Kämen Sie auch ohne die Schauspielerei über die Runden? Könnten Sie allein vom Verkauf Ihrer Bücher und der Eintrittskarten für Ihre Auftritte leben?
Ich denke schon, aber die Frage erübrigt sich, denn ich arbeite wahnsinnig gerne als Schauspieler. Dass ich außerdem meine eigenen Gedanken vortragen darf und dafür auch noch Applaus bekomme, ist doch toll. Auf der Bühne und vor der Kamera kann ich wie nirgendwo sonst meine Impulse ausleben und meiner Intuition vertrauen.
Muss man als Entertainer heutzutage auch Unternehmer sein?
Unbedingt. Die gesamte Branche wird durch Künstliche Intelligenz einen großen Umbruch erleben, daher bin ich sehr froh, mehrere Standbeine zu haben. Ich rate allen Kolleginnen und Kollegen, nicht allein auf die Schauspielerei zu vertrauen, wenn sie auch musizieren, schreiben oder tanzen können. Niemand von uns kann sich darauf verlassen, dass die Leute einen auch morgen noch sehen wollen.

