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Aus für 2021Das Ende der Plastiktüte – was kommt danach?

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Plastiktüte

Eine Plastiktüte verschandelt die Umwelt. Immer mehr Unternehmen wollen dagegen vorgehen.

Sie gilt als Symbol der Wegwerfgesellschaft: Die klassische Einkaufstüte aus Plastik. Denn ihr erstes Leben ist oft kurz – in der Regel nicht länger als 20 Minuten. Dann landet sie im Müll, im schlechtesten Fall im Park, am Strand oder auch im Meer. Nun kommt ihr Ende. Ab 2022 wird die sogenannte leichte Kunststofftragetasche verboten. An der Kasse in den Läden Deutschlands wird es sie dann nicht mehr geben, auch nicht gegen Geld. Das hat der Bundesrat in diesem Dezember endgültig beschlossen.

Ausgenommen sind allein die dünnen Plastikbeutel, Hemdchenbeutel genannt, die es im Supermarkt für Obst oder Gemüse gibt. Nur: Was kommt nach der Plastiktüte?

Die Europäische Union hatte 2015 eine Richtlinie für weniger Plastiktüten beschlossen. Der Handel verpflichtete sich daraufhin gegenüber dem Bundesumweltministerium, die Zahl der Tüten zu verringern – von damals 68 auf weniger als 40 Kunststofftragetaschen pro Person und Jahr bis 2025. Fortan gab es sie vielerorts nur noch gegen 10 bis 15 Cent an der Kasse, andere verbannten sie ganz aus ihrem Sortiment. So verschwand zum Beispiel die klassische Alditüte, blau-weißes Diagonalmuster, aus Einwegplastik. Nur zwei Jahre später, 2018, griff jede und jeder Deutsche keine 20 mal mehr im Jahr an der Ladenkasse zu leichten Plastiktüten. Das Image der Tüten hatte gelitten, die Fans wurden weniger. Aber: Die Tüte überlebte.

Noch immer 1,6 Milliarden Plastiktüten pro Jahr

Einige Händler machten bei der Vereinbarung mit dem Ministerium nicht mit. Und noch immer verbrauchte Deutschland 1,6 Milliarden Plastiktüten pro Jahr, mehr als 3000 Stück pro Minute. Bundesumweltministerin Svenja Schulze waren das nun zu viel. Sie wollte runter auf: Null. Sie änderte die Verpackungsverordnung für ein Verbot. Als das Kabinett dem zugestimmt hatte, ließ sie „Mach et joot!“, „Pfiat di!“, „Tschüssikowski!“ auf große Plakate drucken, auf denen Plastiktüten zu sehen waren. Auf Drängen des Handels wurden dann noch einmal Übergangsfristen verlängert – bis Ende des kommenden Jahres. Der Handelsverband Deutschland, HDE, hält das Verbot bis heute für „überflüssig“. Er erklärte: „Händler und Verbraucher haben ihr Verhalten längst eigenständig an die umweltbezogenen Herausforderungen unserer Zeit angepasst.“

Alternativen gibt es längst

Tatsächlich greifen Kundinnen und Kunden längst Alternativen, zu einer Tüte aus Bioplastik oder aus Papier, auch zum Baumwollbeutel. Sieht öko aus, ist aber so eine Sache. Denn besser für die Umwelt ist das nicht unbedingt. Thomas Fischer ist bei der Deutschen Umwelthilfe Experte für Kreislaufwirtschaft. Er erklärt im Einzelnen:

Die Papiertüte verrottet zwar viel schneller als ihr Pendant aus Plastik, doch ist ihre Herstellung äußerst aufwändig, sie verbraucht jede Mengen Ressourcen, Energie, Wasser und Chemikalien, bei gleicher Reißfestigkeit sogar mehr als die Plastiktüte. Wird sie mit Recyclingpapier hergestellt und nach Gebrauch abermals recycelt, verbessert sich die Bilanz. Ohnedies lohne sich die Papiervariante aber erst, wenn sie, sagt Fischer, „drei bis vier Mal“ genutzt wird.

Nach 25 Wiederverwendungen erst ökologisch

Entscheidet man sich für den Stoffbeutel „der Umwelt zuliebe“, müsse zunächst der „ökologische Rucksack“ aus der Herstellung abgebaut werden.

Das sei nach etwa 25 Wiederverwendungen der Fall, so der Experte. Und wenn man darauf achtet, wie es das Umweltministerium rät, dass der Grundstoff aus der ökologischen Landwirtschaft ist aus Recyclingmaterial bestehen oder kommt? Fischer: „Nur wenn Sie ihre alte Jeans oder einen anderen alten Stoff umnähen, ist der ökologische Rucksack faktisch zu vernachlässigen. Im Grunde geht es aber immer darum, den Beutel möglichst häufig zu nutzen, das Material spielt dann nur noch eine untergeordnete Rolle.“

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Ist die einfachere Lösung die Tüte aus Bioplastik – aus Pflanzen wie Zucker, Kartoffeln oder Mais? Leider nein. Der Anbau der Pflanzen für die Kunststoffproduktion ist häufig mit dem Einsatz von Pestiziden sowie einer rohstoff- und energieintensiven Agrarwirtschaft verbunden. Der Begriff „Bio“ ist insofern nicht passend, denn es handelt sich nicht um Produkte aus ökologischem Anbau. Sie zersetzen sich zudem ähnlich schlecht wie herkömmliche Plastiktüten.

Schlechte Variante: „biologisch abbaubar“ oder „100 % kompostierbar“

Doch steht auf manchen Tüten „biologisch abbaubar“ oder „100 % kompostierbar“. Diese sind für Fischer allerdings „die schlechteste Einweg-Tüten-Variante“. Sie bestehen häufig aus bis zu 70 Prozent Rohöl und nur zu 30 Prozent aus nachwachsenden Rohstoffen, lassen sich jedoch kaum kompostieren, weil der Abbau zu lange dauert. Landet eine solche Plastiktüte im Biomüll, wird sie zumeist aufwendig aussortiert und anschließend mit dem Restmüll „energetisch verwertet“ – also verbrannt.

Und sie werden auch nicht recycelt, wenn sie im gelben Sack entsorgt werden.

Fischer empfiehlt eine zusammenfaltbare Tragetasche aus Polyester, die in einer wiederverschließbaren Tasche steckt: „Die sind nicht größer als eine Packung Taschentücher und halten zehn Kilo aus.“ Und natürlich lasse sich auch ein Korb oder ein Rucksack zum Einkaufen mitnehmen – für die neue Mehrweggesellschaft.