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Fluglärm-DebatteFlughafen Köln/Bonn will Nachtflug auf  Dauer sichern

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Ein Flugzeug landet vor untergehender Sonne auf dem Flughafen Köln-Bonn.

Ein Flugzeug landet vor untergehender Sonne auf dem Flughafen Köln-Bonn. 

Der Nachtflug am Flughafen Köln/Bonn ist heftig umstritten. Die Gegner sehen  dadurch ihre Gesundheit gefährdet, für den Flughafen ist er essenziell für das Geschäft. 

Der Flughafen Köln/Bonn will eine unbefristete Erlaubnis für Nachtflüge. Ein dazu nötiger Antrag sei beim NRW-Verkehrsministerium gestellt, teilte der Flughafen am Mittwoch mit. Konkret geht es dabei um die Betriebsgenehmigung des Flughafens, die mit Lärmschutzauflagen verbunden ist und die 2030 ausläuft. Demnach dürfen etwa bestimmte Flugzeuge nicht zwischen 22 und 6 Uhr starten oder landen, sondern nur Maschinen, die auf Bonuslisten des Bundesverkehrsministeriums verzeichnet sind.

Der Flughafen verweist zur Begründung auf seine „herausragende Bedeutung für die Menschen und die Wirtschaft in Nordrhein-Westfalen“. Er sei Mobilitäts-Hub, globale Logistik-Drehscheibe und eine der größten Arbeitsstätten der Region. Dies sei er dank seines Geschäftsmodells mit den Säulen Passagier- und Frachtverkehr. Essenziell sei dafür der 24-Stunden-Betrieb für Passagier- und Frachtflug.

Wir möchten die Wirtschaftskraft des Flughafens und des gesamten Standorts langfristig sichern.
Thilo Schmid, Flughafen-Chef

Es geht dem Flughafen um Planungssicherheit für sich und die am Flughafen vertretenen Unternehmen, darunter die Logistiker UPS, FedEx oder DHL, die viele ihrer Flüge nachts abwickeln und in Köln/Bonn zum Beispiel in große Sortierzentren investiert haben. Aber auch Passagierflieger schätzen die Nachtflugerlaubnis. Gesellschaften, die in Köln/Bonn Flugzeuge und Crews stationiert haben, können so durch Starts am frühen Morgen mehr Flüge mit der Maschine durchführen und auch in der Nacht an den Standort zurückkehren. Insgesamt arbeiten 14.500 Menschen am Airport.

„Wir möchten die Wirtschaftskraft des Flughafens und des gesamten Standorts langfristig sichern“, sagte Flughafen-Chef Thilo Schmid. Dazu sei der 24-Stunden-Betrieb nötig. Um seiner Rolle als internationaler Verkehrsknotenpunkt auch in Zukunft gerecht zu werden, sollen die derzeit bis 2030 befristeten Lärmschutzauflagen für den nächtlichen Flugbetrieb dauerhaft bestehen bleiben“, so der Flughafen. Maßnahmen zur Lärmminderung und zum Lärmschutz sollen weiterentwickelt und umgesetzt werden.

Nachtlärmzuschläge für laute Flieger

Teil des Antrags ist daher die verbindliche unbefristete Festschreibung der bis 2030 befristeten Lärmschutz- und Lärmminderungsmaßnahmen für die Anwohner. Der Flughafen verweist etwa auf Erhöhungen der lärmabhängigen Entgelte, die mit der ab Jahresbeginn geltenden Gebührenordnung fortgesetzt worden seien. Dabei erhöhe sich der Nachtlärmzuschlag für eine Boeing 747-400 von 462,50 Euro im Jahr 2025 über 809 Euro zu Jahresbeginn bis Januar 2028 auf 1214 Euro – werde so nahezu verdreifacht.

Zusätzlich würden in der neuen Entgeltordnung moderne und leise Flugzeugtypen mit weiteren Anreizen begünstigt, darunter der Airbus A320/321/330neo, die Boeing 737 MAX und die Boeing 787. Die neue Entgeltordnung fördere gezielt die weitere Entwicklung hin zum Einsatz moderner, lärmarmer Flugzeuge in den Tagesstunden, so Schmid: „Nachtflüge werden erneut deutlich teurer und die Tag-Nacht-Spreizung noch mal größer, weil die nächtlichen Lärmzuschläge erheblich stärker erhöht werden als die für den Tagverkehr“, sagt Schmid.

Fluglärmgegner fordern Kernruhezeit für Passagierflug

Der Schutz der Anwohnerinnen und Anwohner vor Fluglärm habe für den Flughafen Köln/Bonn hohe Priorität und sei fest in der Strategie des Unternehmens verankert. Der Flughafen verweist dabei auf Schallschutz durch nächtliche Flugbetriebsbeschränkungen sowie präzise An- und Abflugverfahren. Er finanziert auch Schallschutzmaßnahmen für Anwohner wie besondere Fenster. Dritte Säule des Konzepts sind lärmabhängige Entgelte und finanzielle Anreize für den Einsatz leiserer, moderner Flugzeuge. Außerdem bietet der Airport aktuelle Informationen zu Lärmwerten und Flugbewegungen im Internet. Bei der Weiterentwicklung kooperiere er nach eigenen Angaben zum Beispiel mit Fluggesellschaften und dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR).

Fluglärmgegner für Kernruhezeit beim Passagierflug in der Nacht. Den Fluglärmgegnern reichen diese Maßnahmen nicht. Sie verweisen generell auf Gesundheitsgefährdungen durch Lärm, insbesondere in der Nacht. Sie monieren auch zu viele nächtliche Flugbewegungen. So habe sich die Zahl der Flüge 2024 insgesamt leicht auf 117.345 verringert. Die Zahl der Nachtflüge sei aber mit 48.160 nahezu gleich geblieben. Vor allem die nächtlichen Passagierflüge sind der Lärmschutzgemeinschaft Flughafen Köln/Bonn ein Dorn im Auge. Und ausgerechnet die hätten um acht Prozent auf 18.700 zugelegt. Sie verlangt eine nächtliche Kernruhezeit für den Passagierflug von 0 bis 5 Uhr.

Der Flughafen Köln/Bonn verfügt über eine unbefristet gültige Genehmigung für einen 24-Stunden-Betrieb. Das hat der Deutsche Bundestag zuletzt 2025 festgestellt. Der nächtliche Flugverkehr ist allerdings durch behördliche Auflagen beschränkt. Diese umfassen unter anderem ein Verbot bestimmter Flugrouten, das Verbot besonders lauter Flugzeuge in der Nacht, fortlaufende Lärmüberprüfungen sowie die Verpflichtung zur dauerhaften Lärmminderung in der Nacht. Die Einhaltung dieser Vorgabe werde alle fünf Jahre durch ein unabhängiges Gutachten überprüft. Seit der ersten Prüfung im Jahr 2000 wurde durchgängig erfüllt, so der Flughafen.