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4000 JobsStellenabbau bei Ford-Werken in Köln startet

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Ein Capri steht in der neuen Batterie-Fertigung in Köln-Niehl.

Ein Capri steht in der neuen Batterie-Fertigung in Köln-Niehl. 

Die Nerven der Mitarbeitenden von Ford in Köln wurden mächtig strapaziert. Am Donnerstag bekamen sie endlich Klarheit über den vom Management geplanten Job-Abbau gegen Abfindungen.

 Trotz eines laufenden Sparprogramms hatte Ford im Sommer 2024 per Mail angekündigt, dass weitere Stellen gestrichen werden sollen. Damit nicht genug: Weitere Jobs kostet das Ende der zweiten Schicht bei der Fertigung von Explorer und Capri ab Januar 2026.

Am Freitag startet der Stellenabbau jetzt, wie auf einer Betriebsversammlung in Köln um 9.45 Uhr mitgeteilt wurde. „Wir können bestätigen, dass die Verhandlungen mit unseren Sozialpartnern erfolgreich abgeschlossen wurden. Die vereinbarten Programme für die Beschäftigten können nun starten“, teilte auch Ford auf Anfrage mit.

Rund 4000 Stellen fallen weg

Konkret geht es um rund 4000 von derzeit noch etwa 11.500 Stellen. Etwa 500 davon stammen dabei noch aus einem Programm aus dem Jahr 2023, bei dem 2300 Stellen bis Ende des laufenden Jahres entfallen sollen. Rund 2800 Stellen sollen durch ein im Sommer vereinbarten Programm bis Ende 2027 entfallen. Das sind rund 100 weniger als ursprünglich geplant. Teils soll der Abbau auch durch Outsourcing erfolgen. Knapp 750 Arbeitsplätze fallen durch die Einführung des Ein-Schicht-Betriebs weg. Außerdem mussten rund 250 Leiharbeitnehmer mussten Ford oder eine Tochtergesellschaft verlassen.

Zunächst läuft eine Drei-Monats-Frist, in der sich die Mitarbeitenden zum freiwilligen Ausscheiden aus dem Unternehmen entscheiden können. Dafür gibt es hohe Abfindungen, die je nach Betriebszugehörigkeit und Entgelt 200.000 Euro und mehr erreichen können. Arbeitnehmervertreter und Management hoffen, dass dadurch schon die vom Management angepeilten Zahlen erreicht werden. 

Abbau erfolgt nach einem Stufenplan

Gelingt das nicht, folgt eine zweite Stufe, die ebenfalls drei Monate dauert. Hier werden die Mitarbeitenden darüber informiert, wer im Falle einer Sozialauswahl das Unternehmen verlassen müsste. Auf dieser Stufe wird die Abfindung reduziert. Melden sich auch hier nicht genug Freiwillige, laufen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter letztlich Gefahr, eine betriebsbedingte Kündigung zu erhalten. Das wäre dann Stufe drei.

Beim Stellenabbau macht Ford offenbar wegen des Wegfalls der dritten Schicht Druck, wie Mitarbeitende der Rundschau berichtet haben. Noch in diesem Jahr sollen Mitarbeitende gehen.

Job-Börse wird eingerichtet

Auch eine Job-Börse wird gestartet. Hier können Mitarbeitende, die bei Ford bleiben wollen, etwa einen Tauschpartner finden, der Job gegen Abfindung verlassen will. Auch ein Tausch mit Mitarbeitenden in Werkteilen, die verkauft werden, sei möglich.

Die bei Ford seit Herbst des abgelaufenen Jahres ausschließlich gefertigten E-Autos verkaufen sich deutlich schlechter als erwartet. In den ersten zehn Monaten des Jahres wurden laut dem Kraftfahrt-Bundesamt bislang 8468 Explorer und 2738 Capris in Deutschland neu zugelassen.

Explorer und Capri verkaufen sich deutlich schlechter als erwartet

Das Kölner Werk hat aber traditionell eine hohe Exportquote. Legt man die zugrunde, könnten europaweit 50.000 dieser E-Autos erstmals auf die Straßen gekommen sein. Ford selbst nennt keinen Zahlen. Die mögliche Jahresfertigung von 200.000 Fahrzeugen liegt jedenfalls in weiter Ferne. Ford stellt Explorer und Capri auf eine VW-Plattform und kann in rund sechs Jahren 1,2 Millionen dieser Plattformen nutzen.