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Ab in die FloraFür manche schöner als die Gärten von Versailles

4 min
Eine Gruppe von Frauen und Männern geht durch einen Park.

Mit der Altenhilfe durch die Flora: Ulrike Henneke (vorne Mitte) führt sachkundig durch die verschiedenen Gartenräume.

Eine Führung durch Flora und Botanischen Garten in Köln – die Rundschau-Altenhilfe DIE GUTE TAT e.V. hat eingeladen.

„Was machen Sie denn gegen Schnecken?“, ist eine der ersten Fragen, die Hanni Hüttemann interessieren. Die Rundschau-Altenhilfe hat eingeladen, Ulrike Henneke führt uns heute durch die Flora. Tipps gegen Schnecken hat sie nicht. Aber sie weiß, wie Köln zu seinem botanischen Garten kam.

Peter Joseph Lenné gestaltet die Flora in Köln

In der Mitte des 19. Jahrhunderts gilt Köln als die dreckigste Stadt Deutschlands. Einen kleinen Botanischen Garten gibt es unterhalb des Doms, der jedoch dem Bau des „Centralbahnhofes“ weichen muss. Kölner Geschäftsleute gründen daraufhin die Flora. Schirmherrin wird die preußische Königin Augusta. Für die Gestaltung holen sie den berühmtesten Gartenarchitekten der Zeit: Peter Joseph Lenné. Er ist zu dem Zeitpunkt schon 73 Jahre alt.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Altenhilfe-Führung am Eingang zum Barockgarten der Kölner Flora.

So ein schöner Ausflug: Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Altenhilfe-Führung am Eingang zum Barockgarten der Kölner Flora.

Der Botanische Garten in Köln war eines von Lennés letzten Werken. Er gestaltete darin verschiedene Gartenräume. Wer den Botanischen Garten betritt, blickt zunächst auf ein barockes Ensemble. Wasserspiele, formal angelegte Beete mit Blühpflanzen und dahinter ein Schloss – in diesem Fall der Wintergartenpalast. Der war ursprünglich ein Gewächshaus aus Glas und Metall, in dem zwischen den Pflanzen getafelt und gefeiert wurde. „Und stellen Sie sich vor: Die Bauzeit betrug nicht mehr als 20 Monate“, sagt die Führerin. Die Gruppe lacht.

Die Restaurierung dagegen nahm Jahre in Anspruch. Heute bewirtet das Gartencafé „Dank Augusta“ - in Erinnerung an die erste Schirmherrin - draußen die Besucher des Parks, drinnen werden Abibälle und Karnevalspartys gefeiert.

Der restaurierte Wintergartenpalast der Flora mit einer Restaurant-Terrasse.

Das Gartencafé "Dank Augusta" erhielt seinen Namen in Erinnerung an die erste Schirmherrin der Flora, die preußische Königin Augusta.

Der französische Barockgarten begrüßt Besucher mit bis zu 30.000 blühenden Pflanzen. Birgit und Wolfram Floßdorf haben schon viele solcher Anlagen gesehen: Sie waren in Potsdam, sie waren in Versailles. Köln brauche sich dahinter nicht zu verstecken, meinen sie. Im Gegenteil: „In Versailles finde ich es eigentlich nicht so schön wie hier“, sagt die 71-jährige Floßdorf. „Na ja“, meint ihr Mann mit leichter Ironie, „Versailles ist ja auch schließlich Frankreich. Und Köln ist die Welt.“

Im englischen Landschaftsgarten ist der Zufall genau geplant

Wie recht er hat. Einen Schritt weiter und wir kommen vom französischen Barock in den englischen Landschaftsgarten. Hier soll die Natur nicht mehr eingeengt werden, sondern sich entfalten können. Trotzdem: „Was nach Zufall aussieht, ist genau geplant“, sagt die Führerin Henneke. Lenné spielt mit Blickachsen und pflanzt auffällige Bäume wie die Blutbuche oder die kaukasische Flügelnuss. Das alles steht heute unter Denkmalschutz. Selbst den Rasen dürfen wir deshalb nicht betreten.

Vor Gewächshäusern stehen Frauen auf einer Brücke.

Blick auf die neuen Schaugewächshäuser und das Lotusbeet.

„Den englischen Garten habe ich noch nie gesehen“, wundert sich Cita Mertin (81). Und das, obwohl sie zwei- bis dreimal im Jahr in die Flora kommt. „Es ist hier gepflegt, aber nicht überpflegt, das finde ich wichtig.“

Waltraud Koch (79) freut sich, bei der Führung Neues zu lernen: „Man ist ja Laie. Hier erfährt man Näheres auch über die Geschichte.“ Zum Beispiel, dass der Eintritt nach der Gründung zwischen 5 und 10 Silbertalern kostete. „Das sind umgerechnet auf die heutige Kaufkraft etwa 70 Euro“, erklärt Ulrike Henneke. Heutzutage ist der Eintritt in den Botanischen Garten frei. Das findet Hanni Hüttemann (83) großartig: „Schließlich kostet selbst der Dom jetzt Geld!“

Im Duftgarten des Botanischen Gartens in Köln gibt es viel zu schnuppern.

Im Duftgarten des Botanischen Gartens in Köln gibt es viel zu schnuppern.

Weiter geht‘s durch den Duftgarten. „Es riecht nach Weihrauch“, sagt eine Teilnehmerin. Und das ist nur einer von zahlreichen Düften: Salbei, Oregano, Thymian, dazwischen alle Arten von Minze und Duftrosen und sogar ein Lebkuchenbaum erfreuen den Geruchssinn der Besucher, die an den Pflanzen schnuppern und reiben dürfen.

Mit der Rundschau-Altenhilfe den Horizont erweitert

Für den Besuch der neuen Schaugewächshäuser ist die Zeit zu knapp, aber Ulrike Henneke lenkt den Blick auf die Außengestaltung: Von einer kleinen Brücke schauen wir auf ein wahres Meer von Lotusblüten. Und im Innenhof können wir „eine der spektakulärsten Wasserpflanzen der Welt“ bewundern. Die Amazonas-Riesen-Seerose sieht nicht nur außergewöhnlich aus: Ihre Blätter können bis zu 50 Kilo tragen.

Mechthild Reutzel und Hanni Hüttemann sind sehr froh, dass sie zur Altenhilfe-Veranstaltung gekommen sind: „Das hat den Horizont erweitert.“


Flora und Botanischer Garten, Haupteingang Alter Stammheimer Weg, geöffnet täglich 8 bis 17 Uhr. Die neu gebauten und kürzlich erst eröffneten Schaugewächshäuser sind täglich von 10 bis 16 Uhr geöffnet. Eintritt frei.