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Lit.Cologne-Abend in der FloraAltkanzler Olaf Scholz gibt Einblicke in seine Biografie und Lieblingsbücher

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16.03.2026, Nordrhein-Westfalen, Köln: Olaf Scholz (SPD), ehemaliger Bundeskanzler, spricht im Rahmen des Literaturfestivals Lit.Cologne über „die Bücher seines Lebens“ auf der Bühne in der Flora. Foto: Rolf Vennenbernd/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Olaf Scholz (SPD), ehemaliger Bundeskanzler, spricht im Rahmen des Literaturfestivals Lit.Cologne über „die Bücher seines Lebens“.

Altkanzler Olaf Scholz gibt bei Lit.Cologne Einblicke in seine Biografie, politische Ansichten und Lieblingsbücher, darunter „Padre Padrone“.

Polizei-Patrouille auf dem Parkplatz, verschärfte Sicherheitskontrollen beim Einlass, wachsame Augen überall im ausverkauften Veranstaltungssaal. Es war ein in vielerlei Hinsicht besonderer Abend in der Flora, der nicht nur von der Literatur geprägt war. Sondern auch von der Neugierde auf einen Mann, den man aus seiner Zeit als Bundeskanzler (2021-2025) nicht unbedingt als „Kommunikationswunder“ in Erinnerung hat: Olaf Scholz.

Doch die mit allen Talkerfahrungen gewaschene Moderatorin Bettina Böttinger - die sich kurz vorher in ihrem Podcast mit Markus Söder warmgelaufen hatte - packt ihn gleich bei seiner Eitelkeit und fragt, mit leicht süffisantem Unterton, nach dem Stand der Dinge seiner in Arbeit befindlichen Biografie: „Und, wer hilft Ihnen?“ „Ich!“, antwortet Scholz trocken und hat den ersten Punkt und die Lacher auf seiner Seite.

Biografie ist Planung

Den Titel will er noch nicht preisgeben („Das muss ich mit dem Verlag noch absprechen“), aber „ich habe mir fest vorgenommen, dass das Buch auf keiner Seite langweilig wird“. Zum Inhalt verrät er immerhin so viel, dass er sich vor allem mit seiner 50-jährigen, politischen Laufbahn auseinandersetzen will: „Schließlich bin ich ja schon als 17-Jähriger in die SPD eingetreten.“ Wie die Partei auf dieses Jubiläum reagiert habe, will Böttinger wissen. „Mit einer von Lars Klingbeil und Bärbel Bas unterschriebenen Urkunde“, gibt Scholz mit verschmitztem Lächeln preis.

Man bleibt noch etwas bei der Politik, und der Altkanzler spricht über seine Vision für die Zukunft der EU. „Die Staatengemeinschaft muss sich angesichts der instabilen Weltlage und ihres schwindenden Einflusses in der Welt auf ihre eigenen, wirtschaftlichen Stärken besinnen“, so sein Credo. Und man dürfe darüber „nicht verrückt wie Putin“ werden. Und auch Trumps Zollpolitik bekommt ihr Fett ab.

„Feuchte Augen“ beim Lesen

Dann geht es endlich um Literatur: „Haben Sie ein Lieblingsbuch?“, will Böttinger Scholz aus der Reserve locken. „Viele - denn ich kann ja auch nicht, wenn ich viele Kinder habe, sagen: Du bist mir das Liebste!“ Also hat er drei seiner „Lieblingsbücher“ ausgewählt für diesen Abend.

„Padre Padrone“ von Gavino Ledda erzählt vom Schicksal eines sardinischen Schäferjungen, der erst als Zwanzigjähriger alphabetisiert - und dann später Linguistik-Professor wurde. „Beim Lesen dieses Buches habe ich feuchte Augen bekommen, aber auch die Erkenntnis gewonnen, dass es keine unüberwindbaren Hürden gibt, seien die Versäumnisse der Gesellschaft noch so groß.“

Faible für queeren Autor

Auch an die großartige Verfilmung des Buches durch die Brüder Taviani erinnert sich Scholz – und schlägt den Bogen zu den heutigen Bildungsmöglichkeiten: „In den 1950er Jahren haben acht Prozent Abitur gemacht, jetzt sind es 60 Prozent. Aber wichtig ist es, dass der Respekt voreinander, zwischen Arbeitern und Akademikern, erhalten bleibt. Deswegen bin ich auch immer für mehr Durchlässigkeit in der Bildungspolitik eingetreten: Studieren muss auch ohne Abi möglich sein.“

Auch die Migrationserfahrungen eines vietnamesischen Poeten in den USA mit ihren brutalen Arbeitsbedingungen in Ocean Vuongs „Auf Erden sind wir kurz grandios“ haben Scholz da in seinen Einsichten bestätigt.

Gelungene Schnellfragerunde

Michael Dunlop Youngs „Es lebe die Ungleichheit: Auf dem Wege zur Meritokratie“, in dem der Autor satirisch vor einer Leistungsgesellschaft mit elitären Führern warnt, haben ihm dagegen die Augen geöffnet, dass man sich bemühen muss, dass es für alle eine gute Zukunft gibt.

In deprimierender Stimmung will Böttinger aber weder ihren Gast noch das Publikum nach Hause schicken und startet zum Finale eine kleine literarische Fragerunde nach dem Motto „Um kurze Antwort wird gebeten“. Da erwischt sie Olaf Scholz natürlich auf dem richtigen Fuß: „Lesen Sie Lyrik?“ „Finde ich auch schön!“. Oder: „Haben Sie einen Lieblingsverlag?“ „Nö!“. Und: „Unterhalten Sie sich gerne mit Schriftstellern?“ „Ich habe schon mal Siegfried Lenz zu einem Senatsfrühstück, dem mit dem Wein, eingeladen!“ Schließlich: „Haben Sie eine Lieblingsschauspielerin, einen Lieblingsschauspieler?“ „Nein, die anderen sind auch gut!“

Wenn Scholz’ Biografie genauso unterhaltsam ist, wie dieser Abend – dann sehen wir ihn auf der nächsten lit.Cologne sicherlich wieder.