Nach dem blutigen Niederschlagen der Demonstrationen im Iran im Januar wirkt dieser orchestrierte Feldzug wie ein Befreiungsschlag. Trotzdem bleibt es ein völkerrechtswidriger Angriff.
Eskalation in NahostEin Abschied vom Völkerrecht

02.03.2026, Brandenburg, Schönefeld: Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) geht zum Airbus A350 der Luftwaffe auf dem militärischen Teil des Flughafens Berlin-Brandenburg BER für den Flug nach Washington D.C. in den USA. Der Kanzler trifft sich am Dienstag zum zweiten Mal mit dem US-Präsidenten im Weißen Haus.
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Man kann sich der Faszination über die präzisen Militärschläge der israelischen und der US-Streitkräfte im Iran kaum entziehen. Quasi über Nacht ist es gelungen, den jahrzehntelang gefürchtetsten Diktator und religiösen Führer des Terror-Regimes zu beseitigen. Weitere Personen aus der Führung der Revolutionsgarden wurden gezielt getötet. Nach dem blutigen Niederschlagen der Demonstrationen im Iran im Januar wirkt dieser orchestrierte Feldzug wie ein Befreiungsschlag. Trotzdem bleibt es ein völkerrechtswidriger Angriff.
Zur allgemeinen Überraschung hat Bundeskanzler Friedrich Merz diesen nach der bisherigen Linie der Bundesregierung aber nicht etwa verurteilt, sondern sich Belehrungen der Verbündeten und Partner, also der USA und Israel, verbeten.
Seine Äußerungen kann man so verstehen, dass er selbst den Glauben an die internationale Ordnung verloren hat. Alle völkerrechtlichen Maßnahmen der vergangenen Jahrzehnte hätten das Regime im Iran nicht davon abhalten können, atomar aufzurüsten und die eigene Bevölkerung zu unterdrücken, konstatiert der Bundeskanzler. Man kann ihm kaum widersprechen.
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Trump kämpft quasi im Alleingang
Wenn das Völkerrecht skrupellose Diktatoren schützt, erweist es der Weltgemeinschaft einen schlechten Dienst.
Und dennoch: Kann man es ignorieren, wenn es aus Sicht des Westens die vermeintlich Richtigen trifft? Warum sollten sich andere noch daran halten? Trump bekämpft gerade quasi im Alleingang Drogenbanden in Südamerika, unliebsame Diktatoren in Venezuela und Iran.
Nebenbei trifft er damit die engsten Verbündeten von Russland. Iran beliefert Russland im Ukraine-Krieg mit den so kriegsentscheidenden Drohnen. Trumps Feldzug dient also auch deutschen Interessen, das wird kaum jemand bestreiten können.
Besuch ein gutes ZeichenBisher galt dennoch: Besser eine defizitäre Weltordnung als gar keine. Ob Trump die Welt gerade zu einem besseren Ort macht oder sie ins Chaos stürzt, ist nicht abzusehen. Auch Friedrich Merz scheint sich darüber noch nicht im Klaren zu sein. Es ist ein gutes Zeichen, dass der Besuch bei Trump jetzt stattfindet. Das deutet darauf hin, dass den US-Präsidenten schon noch interessiert, was die Verbündeten ihm zu sagen haben.
