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Interview

CDU-Politiker Armin Laschet
„Was Donald Trump tut, ist zutiefst durchdacht“

3 min
CDU-Außenpolitiker Armin Laschet warnt angesichts der Grönland-Ambitionen der USA vor einem Zerbrechen der Nato.

CDU-Außenpolitiker Armin Laschet warnt angesichts der Grönland-Ambitionen der USA vor einem Zerbrechen der Nato.

Der CDU-Außenpolitiker Armin Laschet rät nach einer geopolitisch brisantenWoche dazu, Donald Trump sehr ernst zu nehmen. So viel anders als andere US-Präsidenten sei er gar nicht. Sein Handeln sei „zutiefst durchdacht“ und erziele am Ende immer ein Ergebnis.

Herr Laschet, was haben Sie in dieser Woche Neues über Donald Trump gelernt?

Was diese Woche passiert ist, ist eigentlich nichts Neues über Donald Trump. Er geht mit einer Forderung voran, relativiert sie dann, alle reagieren darauf und am Ende hat er ein Ergebnis, das mehr ist, als er vorher hatte. So war es auch diese Woche: Er droht mit Zolltarifen, er postet Bilder, wie er quasi die amerikanische Fahne in den grönländischen Boden rammt, sodass jeder denkt, er will es militärisch besetzen. Dann geht er nach Davos und sagt, militärisch will er nichts machen, dann redet er mit Nato-Generalsekretär Rutte, dann sind die Tarife plötzlich wieder verschwunden, aber er hat mehr rausgehandelt.

Dann ist er mit seiner Politik doch ziemlich erfolgreich …

Natürlich! Er ist der Einzige, der den Gaza-Krieg beenden konnte. Die Geiseln wurden freigelassen, der Waffenstillstand ist da. Was man dann kritisieren muss, ist, dass das noch nicht nachhaltig ist. Aber Trump arbeitet jetzt daran, dass die nächsten Schritte folgen. Bei Russland und der Ukraine muss man abwarten. Da ist bisher nicht erkennbar, dass seine Methode funktioniert. Aber für ausgeschlossen, dass sie am Ende funktioniert, halte ich es auch nicht.

Muss man seine nächsten Drohungen nicht mehr so ernst nehmen als Lehre aus dieser Woche?

Er hat doch erreicht, was er will. Also insofern wäre es klug, ihn immer ernst zu nehmen. Und das ist meistens gar nicht so lustig, wie es auf uns wirkt, weil da meist viel mehr dahintersteckt. Was er tut, ist zutiefst durchdacht und erzielt am Ende immer ein Ergebnis. Amerikanische Präsidenten waren immer schon stark und haben auch immer ihren Einfluss in der Welt geltend gemacht, oft auch über Regeln hinweg. Sie haben das nur ein bisschen vornehmer getan. Trump erklärt es simpel, vor allem für seine eigene Wählerschaft. Aber er unterscheidet sich im Gebrauch der Macht gar nicht so sehr von früheren US-Präsidenten.

Frühere US-Präsidenten haben aber nie die Nato infrage gestellt. Das ist doch schon ein Unterschied, oder?

Ja, natürlich. Jeder amerikanische Präsident vorher dachte transatlantischer und war für uns verlässlich. Aber Macht und Kriege gegen das Völkerrecht in anderen Teilen der Welt, wenn Sie den Irak-Krieg mit 250.000 Toten nehmen, gab es schon immer.

Ist Europa Trump beim Zolldeal im Sommer zu weit entgegengekommen und muss nun feststellen, dass Appeasement nicht der richtige Weg ist, mit ihm klarzukommen?

Was heißt Appeasement? Es wurde doch Schlimmeres verhindert. Er hätte 50-Prozent-Tarife machen können. Jetzt hat man sich auf 15 verständigt. Es ist immer eine Frage von Größe und Kraft, wie man auftreten kann. Da helfen weder wilde Rhetorik noch moralische Bekenntnisse, sondern nur eigene Stärke. Deshalb muss Europa wirtschaftlich wieder stark werden. Mario Draghi hat aufgeschrieben, wie wir wieder wettbewerbsfähig werden können und wie die EU entschlackt werden muss von Bürokratie. Es gelingt bisher nicht, das auch wirklich umzusetzen. Die Aachener Karlspreis-Entscheidung für Draghi ist ein Aufschrei an die EU-Kommission: Setzt endlich seine Agenda um.

Offenbar hat Nato-Generalsekretär Rutte mit ihm eine Vereinbarung getroffen, wie seine Sicherheitsinteressen in Grönland befriedigt werden können. Sollte sich auch Deutschland daran mit Soldaten beteiligen?

Ja, warum nicht. Deutsche Soldaten waren schon dort. Es ist Nato-Gebiet.

Für ein Gespräch mit Friedrich Merz hatte Trump in Davos dann doch keine Zeit, wie es offiziell heißt. Ist der Draht des deutschen Kanzlers zum US-Präsidenten nicht so gut wie behauptet?

Als ob es irgendetwas verändert hätte, wenn Friedrich Merz auch noch eine halbe Stunde mit Trump geredet hätte. Trump traf mit Verspätung ein und dann blieb verständlicherweise keine Zeit für das Treffen. Nicht alles sollte man überinterpretieren.

Sollte Deutschland sich an Trumps Friedensrat beteiligen, den er gegründet hat, weil er die UN für nicht erfolgreich hält und der eine Milliarde Euro Eintritt kostet?

Wenn es eine Art Gegen-UNO werden soll, sollten wir nicht dabei sein. Erst recht nicht gegen Zahlungen von Mitgliedsbeiträgen. Ursprünglich war der Friedensrat mal Teil des Gaza-Planes, der den ganzen Friedensprozess überwachen sollte. Das hätte Sinn gemacht. Von Gaza ist aber im Text gar nicht mehr die Rede.

Können wir uns nach dieser Woche erst mal alle wieder beruhigen?

Wohl kaum. Wir haben gerade erst die dritte Woche im Jahr und es ist schon so viel passiert. Von Venezuela spricht schon heute überhaupt keiner mehr. Der Krieg in der Ukraine, der im Moment besonders für die Bevölkerung schrecklich ist, ist völlig in den Hintergrund getreten, weil wir uns eine Woche nur mit Grönland beschäftigt haben. Die Lehre aus dieser Woche ist einfach, klug zu reagieren und nicht zu emotional auf Einzelereignisse einzugehen. Man muss sehr nüchtern an die Dinge herangehen, nicht jeder Aufregung folgen, aber dann am Ende auch eigene Stärke zeigen.