Rita Süssmuth wurde als versöhnende Politikerin geschätzt. Ihr Tod verdeutlicht die Lücke an geeigneten Kandidatinnen für das Bundespräsidentenamt.
Abschied in BerlinRita Süssmuth war eine Frau, die ihrer Zeit weit voraus war

Rita Süssmuth wird mit einem Trauerstaatsakt geehrt.
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Der Publizist Heribert Prantl nannte Rita Süssmuth beim Staatsakt für die Verstorbene eine „politische Symbolfigur für Resilienz“. Bundestagspräsidentin Julia Klöckner bezeichnete „lovely Rita“, wie sie manche nannten, als Politikerin, die überparteiliche Bündnisse schmieden konnte.
Bundeskanzler Friedrich Merz erinnerte an ihre erste Rede im neuen Berliner Bundestag der 90er-Jahre, in der sie leidenschaftlich für die Aussöhnung mit den europäischen Nachbarn warb.
Chopin und Gospel waren die Musikwünsche der Christdemokratin für die Trauerfeier. Eine Versöhnerin wie sie, die bräuchte man in der Tat heute. Schade, dass sie nicht die erste Bundespräsidentin Deutschlands geworden ist.
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Heute fällt die Auswahl einer geeigneten Person für das höchste Staatsamt ungleich schwerer. Die überparteilichen Altvorderen sind inzwischen rar gesät. Süssmuth und sicher auch Wolfgang Schäuble waren Menschen, denen man zuhörte, weil man ihnen die Autorität und geistige Unabhängigkeit zuerkannte, ihr Fähnchen nicht in den Wind zu hängen. In der stärker polarisierten Gesellschaft gibt es aber ohnehin kaum noch Leute, die alle irgendwie gut finden könnten. Die Feministin Rita Süssmuth hätte es sicher gerne noch erlebt, eine erste Frau im Bundespräsidentenamt zu sehen. Doch die auch aus der Union immer lauter werdenden Rufe nach einer ersten weiblichen Besetzung machen umso deutlicher, wie groß die Lücke beim geeigneten Personal derzeit ist. Die eine Frau, auf die es hinausläuft, gibt es nicht.
Angela Merkel hat abgewunken – und würde in dem Amt wohl auch noch stärker polarisieren als Frank-Walter Steinmeier. Es kursieren Namen von Wissenschaftlerinnen und Schriftstellerinnen, die die meisten Menschen erst mal googeln müssten, sollten sie ins höchste Staatsamt kommen. Rita Süssmuth hätte gepasst. Aber die Zeit war noch nicht reif für die Frau, die ihrer Zeit voraus war.

