Abo

10 Jahre YoutubeDie Revolution des Bewegtbildes

4 min

Seit zehn Jahren macht Youtube Videos zu viralen Erfolgen und Nutzer zu Stars.

Mit zwei Elefanten begann eine Erfolgsgeschichte. Das erste Video, das auf der Online-Plattform Youtube hochgeladen wurde, zeigte zwei Dickhäuter im Zoo. Nach 18 Sekunden endete der Clip, eine Revolution war gestartet. Am 15. Februar 2005 registrierten Chad Hurley und Steve Chen youtube.com - die Internetseite, die sie zusammen mit dem in Merseburg geborenen Amerikaner Jawed Karim entwickelt hatten. Zehn Jahre später besuchen mehr als eine Milliarde Nutzer die Internetplattform monatlich. Immer wieder werden Youtube-Videos zum Massenphänomen, zum viralen Erfolg. Feuerwehrleute zappeln den "Harlem Shake", zu Pharrell Williams Song "Happy" tanzen Wildfremde zusammen durch die Straßen und junge Menschen zeigen aller Welt, wie man Eier kocht oder ein Ikea-Regal aufbaut. Unter Jugendlichen in Deutschland ist Youtube das beliebteste Online-Angebot überhaupt: 30 Prozent der 12- bis 19-Jährigen nennen sie als eine der Webseiten, die sie häufig nutzen. Auf Platz zwei folgt Facebook.

Auch große Karrieren wurden hier gestartet. Die des kanadischen Sängers Justin Bieber ist sicherlich die bekannteste. 2007 erschien im Internet das erste private Video des damals Zwölfjährigen bei einem Talentwettbewerb. Ein Musikmanager sah die Videos, nahm Bieber unter Vertrag und brachte ihn mit Usher zusammen. Schnell wurde Bieber zum Teenie-Schwarm, seine erste Single "One Time" wurde mehr als zwei Millionen Mal verkauft.

"Frohes Fest" im Internet

Doch Youtube machte auch viele andere zu Stars. Millionen Abonnenten verfolgen die Videos bekannter Youtuber. Auch in Deutschland gibt es eine Handvoll dieser Videomacher, denen hunderttausende Fans folgen. Ratgeber Sami Slimani oder Videospieler Simon Unge sind nur zwei der Beispiele. Auch zwei Kölner haben seit 2009 eine kleine Fangemeinde um sich gebildet. Jan-Philipp Scherz und Malte Fuhrer blicken seit nunmehr sechs Jahren jeweils im Dezember musikalisch auf das Jahr zurück. "Jan-Philipp hat Weihnachten immer CDs für Freunde und Verwandte mit Liedern, die ihn das Jahr über begleitet haben, zusammengestellt", sagt Malte Fuhrer. Als 2009 Michael Jackson starb, musste natürlich auch einer seiner Songs auf die CD. Allerdings gefiel Scherz die aktuelle Single nicht. "Am Küchentisch bei einem Glas Rotwein entstand die Idee, "Man in the Mirror" selbst einzusingen und auf die Melodie einen Jahresrückblick zu texten", erklärt Fuhrer, der als Schauspieler am Scala-Theater in Köln tätig ist.

Scherz im feinen Hemd und Fuhrer im Kleid mit Perücke setzten sich vor die Kamera und sangen ihren munteren Jahresrückblick "Frohes Fest 2009" ein. Das Video wurde für Freunde und Familie ins Netz gestellt, so aber auch für jedermann sonst sichtbar. "Das ging dann schnell durch die Decke", so der 40-Jährige. Es folgte Jahr für Jahr ein neues Video, stets am Küchentisch aufgenommen und mit Linda Traber an ihrer Seite. Allein der Clip "Frohes Fest 2012" hat bis jetzt etwa 250 000 Aufrufe. "Die Klickzahlen sind uns nicht wichtig. Die ersten zwei Wochen nach dem Hochladen schaue ich auch noch auf die Kommentare, ob es den Menschen gefällt oder nicht. Danach ist es aber für mich erledigt und die Planungen für den nächsten Rückblick beginnen", sagt Fuhrer.

Mit solchen Videos lässt sich heute schon viel Geld verdienen. Manche Youtuber bekommen einen Teil der Einnahmen aus der Werbung, die vor oder während ihres Videos angezeigt werden kann. "Werbung kommt bei uns aber nicht in die Tüte", sagt Fuhrer. Es sei ein privater Weihnachtsgruß. Bleibt nur die Frage, wie es zu dem Namen "Zwergpisncher" kam, den der Youtube-Kanal der beiden Kölner trägt. "Auch das ist dem Rotwein geschuldet. Es sollte eigentlich Zwergpinscher heißen, wir haben uns aber vertippt." Durch Youtube wurde das Schauen von Videos und Filmen im Internet Normalität. Die Internetplattform ebnete so den Weg für viele weitere Videoportale und Online-Videotheken wie Netflix und Maxdome, die den Fernsehsendern heute das Leben schwer machen. Denn immer mehr Menschen schauen sich Film im Netz an.

Schon im Oktober 2006, also gerade einmal 19 Monate nach der Gründung von Youtube, kaufte Google die Internetplattform für 1,65 Milliarden Dollar. 2014 lag der Umsatz von Youtube nach Schätzungen der Marktforschungsfirma eMarketer bei etwa 1,13 Milliarden Dollar. Aus dem Videoportal ist in den vergangenen zehn Jahren ein Milliardengeschäft geworden, doch die Konkurrenz wächst. Facebook und Twitter haben ihre Videofunktion ausgebaut. Youtube will möglichen Umsatzeinbußen zuvorkommen: Mit deutlich mehr Werbemöglichkeiten soll in den kommenden Jahren noch mehr Geld verdient werden als bisher.