Sascha Bobb verlor durch Corona neun Monate seinen Geschmackssinn. Bekannt wurde er jetzt durch eine YouTube-Serie und betreibt seit Dezember das „Onda“ in der Händelstraße.
Kleine Küche, große WirkungWie eine YouTube-Serie das Restaurant „Onda“ möglich machte

Sascha Bobb und Laura von Garrel sind die Gesichter hinter dem „Onda“.
Copyright: Nabil Hanano
Es ist ein Start, von dem viele Gastronomie-Neugründungen nur träumen können. Nach nur vier Wochen Betrieb in der Händelstraße ist das Restaurant Onda mit seiner saisonalen Sharing-Küche bereits bis Mitte Februar nahezu ausgebucht. „Wir sind begeistert über die Resonanz“, sagt Mitbetreiberin Laura von Garrel.
Doch der Zuspruch erklärt sich nicht allein durch die Eröffnungseuphorie. Hinter dem Projekt steht eine Geschichte, die das „Onda“ bereits vor der Eröffnung hervorhob. Koch Sascha Bobb gewann in der YouTube-Serie „Dream Kitchen“ die Möglichkeit, ein eigenes Restaurant zu eröffnen. Die Serie, in der von der Konzeptvorstellung bis Eröffnung alles dokumentiert wurde, erreichte mehrere hunderttausend Zuschauer und öffnete Bobb damit Türen. Für ihn selbst ist sie jedoch nicht Ursprung seiner gastronomischen Laufbahn, sondern Beschleuniger. „Onda“ wäre auch ohne Kameras entstanden, betont er, nur in anderer Form, etwa über Pop-ups oder als Eventcatering. Unterstützt wird er dabei von seiner langjährigen Freundin Laura von Garrel, die heute als Geschäftspartnerin gemeinsam mit ihm das Onda betreibt. „Am Anfang kamen sicher viele wegen der Serie. Inzwischen ist es mehr Mundpropaganda, die uns trägt“, sagt die 28-Jährige. 20 Sitzplätze hat das Onda, vier werden für spontane Gäste freigehalten.
„Onda“ in Köln: Reduzierte, saisonale Küche
Kulinarisch setzt das Onda auf eine reduzierte, saisonale Küche. Bobb beschreibt seinen Stil als Ergebnis einer persönlichen Erfahrung: Nach einer Covid-Erkrankung konnte er neun Monate lang nichts riechen und schmecken. „Ich habe bei einem Geschmackstest danach gemerkt, wie unterschiedlich ein Apfel oder eine Birne eigentlich schmecken können“, sagt er. Daraus entstand die Überzeugung, „dass es gar nicht so viele Zutaten braucht, sondern darum geht, die Zutaten so hervorzuheben, wie sie wirklich schmecken sollen“.
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Sascha Bobb bereitet die Speisen in der offenen Küche zu.
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Dieses Denken spiegelt sich auf der Karte wider: Gersten‑Risotto mit Blumenkohl und Zwiebeln, Kürbisravioli in brauner Butter mit frittiertem Salbei oder Rosenkohl und Flower Sprouts in Beurre Blanc sind Beispiele für eine Küche, die auf Klarheit und Verspieltheit setzt. Auch das Rindertartar mit Roter Bete und Süßkartoffelcreme folgt dieser Linie: bekannte Produkte, neu kombiniert. Feinere Akzente setzen Gerichte wie die Buttermilchcreme mit Kohlrabi und Forellenkaviar oder die Auster mit Meerrettich-Apfel-Vinaigrette. Die Speisekarte wird alle sechs Wochen angepasst, um sich am saisonalen Angebot zu orientieren: „Bei einer reduzierten Küche sollte man mit dem arbeiten, was am meisten Geschmack hat. Das sind die Lebensmittel, die saisonal verfügbar sind.“

Saisonal und farbenfroh sind die Gerichte im „Onda“.
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Das Menü folgt nicht der klassischen Abfolge von Vorspeise und Hauptgang. Stattdessen wird geteilt, mehrere Gerichte kommen auf den Tisch und sollen gemeinsam probiert, verglichen und diskutiert werden. Das Raumkonzept unterstützt diese Idee. Bobb kocht in einer offenen Küche, Gäste können ihm zuschauen und direkt mit ihm sprechen: „Ich habe mir immer gewünscht, dass keine Wand zwischen Küche und Esszimmer existiert, damit ich direkt mit meinen Freunden beim Essen reden kann. Das haben wir hier umgesetzt.“
Leidenschaft für Kochen kommt von der Mutter
Der 27-Jährige ist kein gelernter Koch, vor seinem Einstieg in die Gastronomie arbeitete er als Eventmanager. Inspiration für seine Gerichte hat von seiner Mutter gesammelt, die Köchin ist: „Die Leidenschaft zum Kochen kommt auf jeden Fall von ihr.“ Von Garrel ergänzt: „In unserem Freundeskreis ist es schon Tradition geworden, dass Sascha ein 13-Gang-Menü zu besonderen Anlässen zubereitet.“
Der Name Onda kommt aus dem Spanischen und Portugiesischen. Es beschreibt die „Schwingungen“ eines Raumes, in den man reinkommt und sich wohlfühlt. Für die Zukunft ist eine zusätzlicher Öffnungstag und ein Mittagstisch geplant. Ziel bleibt, Geschmack und Gemeinschaft zu vereinbaren. Hauptsache, die Schwingungen stimmen.
Onda, Händelstraße 24, Donnerstag bis Sonntag von 17 bis 24 Uhr.
