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"Katerfrühstück" der ArbeitgeberBurmester verspricht Abbau von Bürokratie

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Gastgeber und Podiumsteilnehmer beim Katerfrühstück von "Arbeitgeber Köln" und Netcologne.

Der Kölner Oberbürgermeister trat erstmals beim Katerfrühstück von Arbeitgebern und Netcologne auf.

111 Tage ist Torsten Burmester (SPD) als Oberbürgermeister an diesem Donnerstag im Amt, und immer noch gibt es Amtshandlungen, die er zum ersten Mal macht. Diesmal war es der Besuch beim traditionellen Katerfrühstück des Verbands „Arbeitgeber Köln“ und von Netcologne im Pullman Hotel. Für einen Verwaltungschef ist so etwas nicht immer nur ein Vergnügen: Am Aschermittwoch wird man in dieser Rolle stets mit einer Mischung aus Verärgerung und Forderungen konfrontiert. Burmester aber wurde von Arbeitgeber-Vorstand Gunnar Herrmann bereits als Nachfolger von Konrad Adenauer begrüßt: Wie der Vorkriegs-Oberbürgermeister sei Burmester ein „Macher“ und habe mit wechselnden Mehrheiten zu regieren.

Der Stadtchef drückte sich auch nicht vor klaren Ansagen. So kündigte er an, dass sich der Verwaltungsvorstand bald in einer Sondersitzung ähnlich wie die Bundesregierung mit einem Programm zum Abbau von Bürokratie beschäftigen werde: „Wir machen das für Sie als Unternehmer, aber auch für die Bürger.“ Köln brauche Innovation, und da dürfe die Verwaltung den Firmen „nicht noch Knüppel zwischen die Beine werfen“, so Burmester: „Leider passiert das aber manchmal noch.“ Das wolle er ändern.

„Einmal gegen Söder gewinnen“

Burmester brachte die Wieder-Einrichtung einer Stelle als Stadt-Baudirektor ins Gespräch, kündigte einen „Bau-Turbo“ für Wohnungen an und warb für Olympia. Und er berichtete, dass in der kommenden Woche eine Delegation aus Israel im Rathaus sei, um über die Ansiedlung einer ersten Holocaust-Bildungsstätte in Europa zu sprechen. Da sei München der einzige ernste Mitwerber. „Mein Wunsch ist, einmal gegen Markus Söder zu gewinnen“, sagte Torsten Burmester.

In einer Talkrunde forderte die Unternehmerin Sandra von Möller, die Stadt müsse sich ein klareres Profil geben, wofür sie stehen wolle. Es sei nicht sinnvoll, sich auf mehrere Themen zu konzentrieren, drei sollten ausreichen. Das könnten Hochschulen und Startups sein, aber auch Kunst, Industrie oder Medien.

Frank Blase von der igus GmbH betonte dagegen den Wert wirtschaftlicher Vielfalt und mahnte mehr Optimismus in Zeiten weltgeschichtlicher Umwälzungen an: „Die Chinesen haben das Rennen um Maschinenbau, Robotik oder Künstliche Intelligenz noch nicht gewonnen!“ Um Mitarbeitende in Unternehmen zu Leistung anzuspornen, sei aber auch eine funktionierende und saubere Stadt nötig.

„"Touristen bekommen Schock"“

Ähnlich äußerte sich Louise Farina vom gleichnamigen Parfum-Traditionshaus. Touristen würden einen Schock bekommen, wenn sie das Farina-Stammhaus besuchen, als Frau könne sie kaum durch die Innenstadt gehen, Drogenabhängige seien eine Gefahr. Farina denke darüber nach, einen Sicherheitsdienst zu engagieren, weil ständig Junkies in ihre Räume kämen und „Sachen umwerfen“. Zudem sei die Verkehrspolitik problematisch, es kämen keine Kölner Kunden mehr: „Ich spüre, dass die Menschen, die wirklich Geld ausgeben, mit dem Auto kommen wollen – zumindest so lang, bis die KVB funktioniert.“ Burmester machte sich Notizen, verwies auf das geplante Drogenhilfezentrum und versprach verkehrspolitische Visionen, aber: „Es gibt kein Grundrecht, mit dem Auto zum Mittelpunkt der Stadt zu fahren.“