Zugleiter Marc Michelske stellt die Entwürfe für die Persiflagewagen des Rosenmontagszugs vor. Ein internationaler Machthaber ist in diesem Jahr nicht Teil des Zugs.
Trump, AfD, OlympiaDas sind die Persiflagewagen für den Rosenmontagszug

Zugleiter Marc Michelske präsentiert die Motive der Persiflagewagens.
Copyright: Costa Belibasakis
Die blaue Schlange hat das Männchen mit der schwarz-rot-goldenen Mütze fest umschlungen. Mit ihrem hypnotischen Blick dringt sie ganz tief ein in den Kopf des wehrlosen Opfers. Daneben schießen die Umfragewerte für die „blaue Schlange“, die AfD, in die Höhe. Für Zugleiter Marc Michelske ist der Schlangen-Entwurf einer der wichtigsten dieses Rosenmontagszugs. „Die AfD greift unsere freiheitlich demokratischen Rechte an und will unsere Gemeinschaft zerstören“, sagt Michelske, der am Dienstag die Entwürfe für die Persiflagewagen vorstellte, die sich auch in diesem Jahr den politischen und gesellschaftlichen Themen von Köln bis Washington widmen.
Der rote Faden aller Wagen ist in diesem Jahr eine Abwandlung des Sessionsmottos. „Alaaf – Mer dun et för Kölle“ ist eine Hommage an alle ehrenamtlich tätigen Menschen der Stadt. Im Zug stellt sich das Kreativteam des Festkomitees die Frage, wer eigentlich genau was für wen tut. „Mer dun et blauäugig“ heißt es etwa beim AfD-Wagen mit der blauen Schlange.

Die blaue Schlange symbolisiert die AfD, die ihre wehrlosen Opfer fest im Griff hat.
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„Mer dun et för Köllympia“ lautet der Titel eines anderen Wagens, den der Zugleiter in den Fokus rückt. Um die Spiele nach Köln zu holen, muss Oberbürgermeister Torsten Burmester bei seiner Persiflagen-Premiere einen Spagat meistern. Zwischen Befürwortern und Kritikern, zwischen Strahlkraft für die Stadt und Fragen der Nachhaltigkeit: „So eine Bewerbung kann das richtige Signal sein, damit sich alle Kölnerinnen und Kölner trotz aller Widrigkeiten und Unstimmigkeiten hinter ein gemeinsames Ziel stellen“, findet Michelske.
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Auch Konrad Adenauer hat eine Frage: „Wat doot ihr all met Kölle?!“ Weinend blickt der erste Bundeskanzler 150 Jahre nach seiner Geburt auf seine Heimatstadt Köln. Die versinkt in Bergen von Müll, Baustellen und Verkehrsschildern.
Und auch auf nationaler Ebene halten die „Kritzelköpp“, die beim Festkomitee gemeinsam mit der Zugleitung für die Entwürfe zuständig sind, den Verantwortlichen den Spiegel vor. Kanzler Friedrich Merz und sein Vize Lars Klingbeil beschäftigen sich mal wieder nur mit sich selbst. Als Dominas in Strapsen versohlen sich die beiden im „Happy Aua Club“ gegenseitig den Hintern, die vielen Probleme, um die sie sich eigentlich kümmern sollten, bleiben liegen. „Mer dun et, och wenn et wieh deit“, ist der Wagen überschrieben – für Kölner Verhältnisse „eine etwas heftigere Persiflage“, gibt Michelske zu.

Oberbürgermeister Torsten Burmester muss viele Spagate meistern, um die Olympischen Spiele nach Köln zu holen.
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Ein Blick in die Welt: Wladimir Putin ist in diesem Jahr nicht Teil der Persiflagen. „Das gebührt uns in diesem Jahr nicht“, sagt Michelske und spielt damit auf den Düsseldorfer Wagenbauer Jacques Tilly an, den die russische Justiz für seinen Wagen angeklagt hat, in dem Putin sich in einer Badewanne voller Blut schrubbt. „Wir haben keine Angst vor russischen Behörden. Aber der einzige, der auf diesen Angriff auf unsere Freiheit eine Antwort geben kann, ist Jacques Tilly. Ich kann darauf vertrauen, dass sein Wagen das perfekt darstellen wird“, sagt Michelske.

Donald Trump streckt der Welt seinen blanken Hintern entgegen.
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An Donald Trump ist dagegen wieder einmal kein Vorbeikommen. Der US-Präsident streckt der Welt sein blankes Hinterteil entgegen, „Kiss here“ („Hier küssen“) steht auf einem Schild davor. UNO, NATO, EU, FIFA, Merz und Macron haben ihre Lippen bereits auf den Backen verewigt: „Mer dun et för de jode Geschmack“.
Die weiteren Themen reichen von der wachsenden Bedeutung der Künstlichen Intelligenz über die Bedarfswehrpflicht für die überforderte Generation Z bis hin zu Trumps Grönland-Plänen, Zollstreits oder den Weltmächten, denen die EU völlig egal zu sein scheint. Doch nicht alle Wagen äußern Kritik. Es gibt auch die Wagen, die etwas feiern. Zum Beispiel die bunte Vielfalt Kölns („Mer dun et krüz un queer“) oder die 95-jährige Biggi Fahnenschreiber, die Erfinderin des karnevalistischen Tanzes. In ihrer Altersresidenz unterrichtet sie im hohen Alter ehrenamtlich und steht auch dem Festkomitee und dem Dreigestirn in tänzerischen Fragen immer wieder mit Rat und Tat zur Seite. „Sie hat es einfach verdient“, sagt Michelske.

