Köln – Das Umweltbundesamt geht mit den Städten hart ins Gericht. Zu viel Biomüll lande in der Restmülltonne. Hochgerechnet seien es bis zu 40 Prozent, die eigentlich über eine Biotonne der Kompostierung und der Vergärung zugeführt gehörten. Da müssten die Kommunen nochmals in sich gehen und mehr für die Verbreitung der braunen Tonne unternehmen. Köln nicht ausgenommen.
Die Kritik geht nicht ins Leere, wie Winfried Berf, Sprecher der Abfallwirtschaftsbetriebe in Köln, einräumt. „Das kann mehr werden“, sagt er mit Blick auf den Deckungsgrad der Biotonne in der Domstadt. Rund 60 Prozent der Haushalte hätten eine braune Tonne. Damit würde die vom Bundesamt ermittelte Fehlwurfquote von 40 Prozent durchaus zutreffen. „Da werden wir tätig“, verspricht Berf. Allerdings werde sich nichts an der grundlegenden Herangehensweise in Köln ändern.
Nutzung bleibt freiwillig
Die Nutzung einer Biotonne bleibe freiwillig. Die Kosten werden über die Gebühr für die Restmülltonne auf alle umgelegt. „Denn nur bei Freiwilligkeit werden die Regeln eingehalten.“ Ein neuer Werbefeldzug für die Biotonne soll die Quote der Freiwilligen heben. „Dabei werden wir auch nochmals auf Möglichkeiten bei engen Verhältnissen wie im Innenstadtkern hinweisen.“ Berf denkt da in Richtung Gemeinschaftsbiotonne für mehrere Haushalte.
Freiwilligkeit, das ist das entscheidende Stichwort für Tilo Dumuscheit, Sprecher der Abfallentsorgungs- und Verwertungsgesellschaft Köln (AVG). „Wir haben hier eine hervorragende Qualität an Biomüll“, sagt er. Das liege daran, dass die Bürger, die sich für die braune Tonne bewusst entscheiden, auch darauf achten, sie korrekt zu nutzen. Für die Kompostierung sei das sehr wichtig. Nur Kompost höchster Qualität dürfe in der Landwirtschaft benutzt werden. Die Messlatte werde schon bei nur acht Prozent Fehlwürfen gerissen.
Aus Biomüll wird Methangas für die Rheinenergie
40.000 Tonnen Biomüll aus den braunen Tonnen Kölns kamen in 2019 bei der AVG an. Neben der Kompostierung wird er auch einer Vergärungsanlage zugeführt. Dort entsteht Methangas, das ins Gasnetz der Rheinenergie gespeist wird.
Den Umgang Kölns mit der Biotonne begrüßt Philip Held von der Verbraucherzentrale NRW grundsätzlich. Auch wenn der Referent für Ressourcenschutz durchaus noch Luft nach oben ausmacht. „Da gibt es noch Potenzial für die braune Tonne.“ Kooperationen in Altstadtwohnungen kann er nur begrüßen. „Gerade in Mehrfamilienhäusern kommt trotz oftmals fehlendem Grünschnitts genug für eine gemeinsame Tonne zusammen.“ Dennoch müsste eine gemeinsame Tonne beispielsweise für mehrere Häuser gut begleitet werden. „Wir haben auch Beispiele, bei denen das zu Nachbarschaftsstreit führte.“
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Essig in den Wein gießt Alexander Wloka, Sprecher von Haus und Grund. Auf den Hinterhöfen der Innenstadt sei oft kein Platz mehr für eine weitere Tonne. Die Biotonne gehöre auf keinen Fall in den Keller. Sporen- und Schimmelbildung gefährdeten die Gesundheit. Würden zudem noch mehr Biotonnen auf die Gebühr für den Restmüll umgelegt, führe das zu steigenden Mieten auf dem eh schon angespannten Wohnungsmarkt.

